Mittwoch, 31. Oktober 2018

Irgend etwas stimmt mit dieser Welt nicht

Am Flohmarkt wurde einmal kurioserweise ein Maturazeugnis verkauft. Ich war beeindruckt, denn der Mann hatte Matura mit 1,0, genau wie ich, und das in den 1920er Jahren, als die Schulen noch schwieriger waren als heute. Aber: Der Name war mir nicht geläufig; offenbar hatte es der Mann später im Leben nicht zu Berühmtheit gebracht. Im Vergleich dazu musste ich an Friedrich August von Hayek denken. Der war ein äußerst mäßiger Schüler, ich habe ein Zeugnis von ihm mit mehreren Vierern gesehen. Aber: Er wurde Ökonom, Universitätsprofessor und Nobelpreisträger.

Irgend etwas stimmt mit dieser Welt nicht.

Dienstag, 30. Oktober 2018

Wie die Menschen wirklich sind

2001, als ich mit meinem Studium anfing, stellte ich auch meine persönliche Homepage ins Netz. Darauf bekam ich viele negative Reaktionen, darunter auch diese: "Solche Leute sollte es nicht geben."

Jetzt wird sich manch einer denken, das ist ja ein Wahnsinn, so etwas schreibt man doch nicht. Aber: Es werden sich vermutlich viele Besucher ähnliches gedacht haben. Insofern vielleicht nicht schlecht, dass einer wenigstens formuliert hat, was er sich gedacht hat, so schockierend es auch sein mag.

Ich hatte nicht mit derart hasserfüllten Reaktionen gerechnet. Ich hatte mich auf meiner Homepage so dargestellt, wie ich war, ohne Übertreibung und auch ohne Understatement. Offen und ehrlich, ohne zu versuchen, irgendeinem Idealbild zu entsprechen.

Da ich es gewohnt war, dass man über "besonders gescheite" Leute wie Nobelpreisträger nur positiv sprach, hatte ich erwartet, dass man auch meine Selbstdarstellung positiv aufnehmen würde.

Die Realität ist jedoch anders, als sie in den Medien dargestellt wird. Die Menschen sind viel negativer, viel selbstsüchtiger, viel neidischer, viel gehässiger, viel böswilliger. Wenn man einmal erkannt hat, wie die Menschen wirklich sind, dann überrascht es einen nicht mehr, wie es zu Völkermorden und Vertreibungen kommen konnte.

Ein einsamer Weiser unter lauter Toren

Es ist kein gutes Gefühl, wenn man Dinge weiß und verstanden hat, die die meisten anderen Menschen nicht wissen oder nicht verstanden haben und auch nicht bereit sind zu akzeptieren.

Normalbegabte wundern sich oft, warum Hochbegabte Probleme haben. Sie stellen sich alles einfach vor: Hochbegabte lernen leicht, können die Anforderungen im Beruf mühelos bewältigen.

Dabei vergessen sie aber, dass Hochbegabte keine Einsiedler sind, sondern mit anderen Menschen zusammenarbeiten müssen und diese Menschen den Hochbegabten oft mit Argwohn begegnen.

Man denke doch nur daran, wie manch einer darauf reagiert hat, dass ich Mitglied im Hochintelligenzverein war. Man warf mir vor, mich mit durchschnittlich Intelligenten nicht abgeben zu wollen. Eine böswillige Unterstellung, die sachlich nicht begründet ist. Daran erkennt man bereits, dass sich Normalbegabte gegenüber Hochbegabten oft böswillig verhalten. Was ja auch ein Grund ist, warum es solche Vereine gibt.

Schwer enttäuscht hat mich allerdings, dass man mir auch im Hochintelligenzverein oft nicht in der Lage war geistig zu folgen. Ein tatsächlicher Grund für meinen Beitritt bestand einfach darin, dass mich Dinge interessierten, die für Normalbegabte schwierig zu verstehen sind. Deswegen hatte ich bis dahin keine geeigneten Gesprächspartner.

Es zeigte sich jedoch, dass offenbar auch laut Intelligenztest Hochbegabte oft nicht Sinn erfassend lesen können. Die bizarren Reaktionen, die auf einige meiner Postings im vereinsinternen Forum kamen, bewiesen, dass man mich nicht verstanden hatte. Offenbar hat man den Text nicht so erfasst, wie ich ihn formuliert habe, sondern nur einige Stichwörter wahrgenommen und sich dann daraus etwas zusammengereimt, was in Wirklichkeit das Gegenteil dessen bedeutete, was ich gemeint hatte.

Es stellt sich halt die Frage: Ist die Bevölkerung wirklich so dumm, dass diese Leute noch zu den intelligentesten zwei Prozent gehören, oder sind die Tests falsch?

Warum es Hochbegabte oft schwer haben

Seit vier Jahren arbeite ich in einer Firma, in der ich für mich sehr günstige Arbeitsbedingungen genieße. Wenn man derart verwöhnt ist, läuft man Gefahr, den Blick für die Realität zu verlieren - nämlich, dass es einem wesentlich schlechter gehen könnte und es vielen Menschen tatsächlich viel schlechter geht, obwohl sie es nicht verdient haben.

Gerade Hochbegabte haben es oft sehr schwer, nämlich dann, wenn sie mit anderen Menschen zusammenarbeiten müssen. Viele Vorgesetzte und Kollegen wollen keine Mitarbeiter, die klüger sind als sie selbst, weil sonst Gefahr bestünde, dass ihre Autorität untergraben würde. Dadurch geraten Hochbegabte oft in die Situation, besonders genau beobachtet zu werden. Man möchte erkennen, welche Schwächen sie haben, und die vermeintlichen oder tatsächlichen Schwächen im Notfall nutzen, um zu begründen, warum der Hochbegabte angeblich nicht als Mitarbeiter geeignet sei.

Montag, 29. Oktober 2018

Warum ich so schweigsam bin

Ich bin in Gesellschaft so schweigsam, weil ich einfach gemerkt habe, dass die Themen, die mich beschäftigen, andere entweder nicht interessieren oder sie sogar aufregen, wenn man diese Themen überhaupt nur anschneidet. Beispiel: Eines meiner Themen ist die Metaphysik - wie ist die Erde entstanden? Wie das Universum? Gibt es überhaupt einen Anfang und ein Ende oder ist alles zyklisch? Meine Eltern hat das nicht interessiert ("Was machst du dir für krause Gedanken"), und viele Menschen, denen ich später begegnet bin, haben den Eindruck gemacht, religiös zu sein und beleidigt zu reagieren, wenn man anzweifelt, dass alles richtig sei, was in der Bibel geschrieben steht.

Mein größtes Problem heutzutage

Mein größtes Problem heutzutage besteht darin: Menschen gehen häufig von falschen Annahmen aus, bestehen aber darauf, dass diese Annahmen richtig seien; wenn man vorsichtig versucht, ihre Ansichten zu korrigieren, reagieren sie aggressiv und betrachten einen als Feind, obwohl man ihnen nur helfen möchte.

Dienstag, 23. Oktober 2018

Versailles Peace Treaty

Let us take a realistic look at the situation of the Central Powers after the First World War:

The German Reich and Austria-Hungary were defeated. A Versailles peace treaty was imposed on the German Reich, obliging it to make such high reparations to the victorious powers that the state could only spend little money on social benefits. As a result, dissatisfaction grew, Hitler came to power and to my knowledge unilaterally terminated the Versailles Peace Treaty.

So it is only natural to ask the following questions:
  1. Why did the Entente accept the unilateral termination of the Versailles Peace Treaty and not declare war on the German Reich as it would have been logical?
  2. Why did nobody seem to have the idea after 1945 to reinstate the Versailles Peace Treaty? How did the victorious powers find their way economically without the German reparations payments?
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Versailler Friedensvertrag

Betrachten wir einmal die Situation der Mittelmächte nach dem Ersten Weltkrieg realistisch:

Das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn waren besiegt. Dem Deutschen Reich wurde ein Versailler Friedensvertrag aufgezwungen, der es zu derart hohen Reparationszahlungen an die Siegermächte verpflichtete, dass der Staat nur wenig Geld für Sozialleistungen ausgeben konnte. In Folge nährte sich die Unzufriedenheit, Hitler kam an die Macht und kündigte den Versailler Friedensvertrag meines Wissens einseitig auf.

Da ist es doch nahe liegend, folgende Fragen zu stellen:
  1. Warum hat die Entente die einseitige Aufkündigung des Versailler Friedensvertrags akzeptiert und nicht dem Deutschen Reich den Krieg erklärt, wie es eigentlich logisch gewesen wäre?
  2. Warum kam nach 1945 offenbar niemand auf die Idee, den Versailler Friedensvertrag wieder in Kraft zu setzen? Wie haben die Siegermächte ohne die deutschen Reparationszahlungen wirtschaftlich ihr Auslangen gefunden?

What our system suffers from

Our whole system suffers from the fact that there are more people in every profession who have the appropriate qualifications than there are people who are needed in the labour market.

Once upon a time there were so few high school graduates that nobody who had a high school diploma had to worry about ever becoming unemployed.

Today, not even a doctorate is enough to make sure that you will be successful in life.

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Woran unser System krankt

Unser ganzes System krankt daran, dass es in jeder Berufssparte mehr Leute gibt, die die entsprechenden Qualifikationen erfüllen, als solche, die am Arbeitsmarkt gebraucht werden.

Es gab einmal eine Zeit, da gab es so wenige Maturanten, dass niemand, der Matura hatte, sich Sorgen zu machen brauchte, jemals arbeitslos zu werden.

Heute reicht nicht einmal die Promotion, um sicher zu gehen, dass man im Leben Erfolg haben wird.

Freitag, 19. Oktober 2018

How I plan to structure my life

It has bothered me for a long time that although I have been following the demoscene for more than 20 years, I have never really made an attempt to code a demo myself. Apart from the diskmag, I only made a couple of tiny intros (256 byte or smaller).

As a matter of fact I have made an effort lately to find out what I really want from life. This has only been possible now since as long as my father was alive, it was him who kept telling me what to do. And since his death, I first had to get accustomed to work life; moreover, I wanted to get a couple of scientific papers published, as I was still dreaming of obtaining a Habilitation degree.

The result of my considerations is:

From now on, roughly 40% of my sparetime will go into activities related to my job such as continued education (C#, WPF, VTK, Reporting Engines, PDEs, etc.).

Roughly 60% of my sparetime will be spent with these activities in this very order:
  1. My personal web presence (homepage, email, Facebook, LinkedIn, etc.), 
  2. 21st Century Headlines - news portal for biomedical sciences, artificial intelligence, physics and other branches of science, 
  3. Artificial Intelligence in Healthcare (I have recently registered a domain, I sooner or later will start working on the website), 
  4. Web Portal on Computational Biology and Artificial Life, 
  5. Computer Science (Genycs), 
  6. Psychology (Prudentia), 
  7. Demoscene (Hugi).
And the remaining time will be spent a) reading books, b) doing the stuff I really love: playing, designing and programming computer games...

That is the plan for the next couple of years unless something serious comes in between.

My Reading List 2018

In 2018, I read the following books:

1. Auf der Suche nach der Wahrheit (Hans-Werner Sinn, 2018). A rather nice autobiography of somebody who took school seriously and worked hard enough to ultimately become a professor and a man of reason.

2. The President Is Missing (Bill Clinton & James Patterson, 2018). I have not read this completely yet, it is a bit cliché-loaden.

3. Das Putin-Syndikat (Margareta Mommsen, 2017). This book describes how government works in Russia.

4. Mein Weltbild (Albert Einstein, 1949). A lot of clever thoughts.

5. Unsere Revolution (Bernie Sanders, 2016). Original Title: Our Revolution. Sanders describes what makes an American engage in politics as a socialist. Interesting.

6. Der Mythos vom starken Führer (Archie Brown, 2018). Original Title: The Myth of the Strong Leader. A book about political leaders, with many redundant passages.

7. Triumph und Tragödie (Simon Ings, 2016). Original Title: Stalin and the Scientists. How science suffered from Stalin's rule.

8. Der seltsamste Mensch (Graham Farmelo, 2009). Original Title: The Strangest Man. A biography of Paul Dirac. In the afterword, the hypothesis that he might have been an Aspie is raised.

9. Quantencomputer (Christian J. Meier, 2015). A gentle introduction to the topic.

10. Lost in Math (Sabine Hossenfelder, 2018). Quite a disappointment. Maybe because, for some reason, physics has never really fascinated me.

11. Die Welt im Jahr 2035 - Gesehen von der CIA (2018). Original Title: Global Trends. A lot of interesting analyses and predictions about the future.

12. Der Teil und das Ganze (Werner Heisenberg, 1969). A very good autobiography containing a lot of clever thoughts.

13. Schwacher Staat im Netz (Martin Schallbruch, 2018). It is a book about the weak control the government supposedly has over the Net. At the same time it does not mention how intelligence agencies are using the Net to monitor citizens.

14. Ein Jahrhundertdenker (Kurt Salamun, 2018). A biography of Karl Popper.

15. Hacking Europe (Gerard Albert et al., 2014). A book about the demoscene.

16. The Second Machine Age (Erik Brynjolfsson & Andrew McAfee, 2014). A book about artificial intelligence and how it will change the way human beings live together.

17. Rise of the Robots (Martin Ford, 2015). Similar as the previously mentioned book.

18. Schulden - Die ersten 5000 Jahre (David Graeber, 2011). Original Title: Debt - The first 5,000 Years. A very detailed and thorough book about economics and especially the issue of debt.

19. Retrogame Archeology (John Aycock, 2016). An interesting book about programming tricks used in old computer and video games.

20. The Fourth Industrial Revolution (Klaus Schwab, 2016). I admit I have not really read this one yet, but I am planning to do so.

21. Reverse Engineering the Mind (Florian Neukart, 2016). A very good introduction to machine learning as well as other paradigms of computational intelligence, such as evolutionary algorithms.

22. Niemals alt (Aubrey de Grey, 2010). Original Title: Ending Aging. A book about projects to stop senescence.

23. A Brilliant Darkness (Joao Magueijo, 2009). A biography of Ettore Majorana.

24. Mir nach, ich folge Euch! (Florian Willet, 2018). A book about modern-day German politics.

25. Geschichte des politischen Denkens (Otfried Höffe, 2016). Similar to John Rawls' book on the history of political philosophy, this covers a couple of important thinkers, including John Rawls.

26. Die ganze Geschichte (Yanis Varoufakis, 2017). Original Title: Adults in the Room. The tragedy of modern-day Greece.

27. Benita - Wo ein Wille, da ein Weg (Benita Ferrero-Waldner, 2018). Autobiography.

28. Sigmund Freud (Peter-André Alt, 2016). Biography.

29. Tesla (W. Bernard Carlson, 2016). Biography.

30. Winzige Gefährten (Ed Yong, 2018). Original Title: I contain Multitudes. A popular-scientific book on microbiology.

31. Hit Refresh (Satya Nadella, 2017). Autobiography of the current CEO of Microsoft.

32. Biologie von Parasiten (Richard Lucius & Brigitte Loos-Frank, 2008). A medical textbook on parasitology.

33. Der symbiotische Planet (Lynn Margulis, 2018). Original Title: The Symbiotic Planet. A book about the endosymbiont theory, very good.

34. Couragiert gegen den Strom (Sahra Wagenknecht, 2017). An interview with Sahra Wagenknecht about her life and her political views.

35. Die Herrscher der Welt (Bernhard Kegel, 2015). Another book on microbiology. Unfortunately the author does not really have a great writing talent.

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Oblivion

Meanwhile I have realized why I am not famous. It is simply because nobody really knows me. Those people who have achieved fame have been watched by others since their childhood. This includes Einstein, Faraday and Zuse. It also goes for Popper, Wittgenstein, Arendt etc. My social isolation makes me an outcast despite everything I have achieved and released to the public. It is only that *some* people know me because of the Internet, but first, these people are apparently not the most relevant ones when it comes to getting "fame", and second, without the Internet, the world would indeed be completely oblivious about my person (which it was not about the aforementioned persons, since the Internet did not even exist at the times they became famous). This situation becomes apparent when watching how Wikipedia has treated me: I fulfil all the criteria of a "child prodigy" in computer science, yet as I did not get any recognition apart from my own family in the days when I was 10 years old or younger, there is little evidence that proves me having been a "child prodigy" (except the tutorial on QBasic programming which I published at age 12).

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Über den Sinn des Lebens

Im Krankenstand habe ich eine Video Lecture über den Sinn des Lebens gehalten. Diese kann hier auf YouTube gefunden werden. Es folgt das Transkript:

Ich möchte einmal grundsätzlich über philosophische Fragen sprechen, die jeden betreffen. Die Hauptfrage ist: Warum gibt es uns Menschen, und welchen Sinn hat das ganze Leben, beziehungsweise welches Ziel verfolgt die Tatsache, dass es Menschen gibt, dass Menschen geboren werden, sich fortpflanzen und sterben?

Grundsätzlich bin ich mittlerweile der Meinung, dass es gar nicht einmal so viel Sinn hat, sich großartig Gedanken zu machen, was die Menschheit im Gesamten betrifft, sondern es wichtiger ist, sich eigene Ziele zu definieren und diese Ziele zu verfolgen. Ob diese Ziele im Sinne der Evolution oder des Schöpfers (je nachdem, wie man es ausdrücken will) richtig sind, kann man nicht beurteilen.

Bei Diskussionen, die ich im Internet geführt habe, hat mich anfangs immer wieder die Ansicht irritiert, dass angeblich eine religiöse Erziehung notwendig wäre, um die Leute zu moralischem Handeln zu befähigen. Das habe ich zuerst nicht verstanden, weil ich selbst nicht religiös erzogen worden bin. Dennoch habe ich nie einen Mord, nie einen Diebstahl begangen und war eigentlich immer brav. Ich habe also schon nach moralischen Prinzipien gehandelt. Erst mit der Zeit bin ich darauf gekommen, was diese Leute eigentlich gemeint haben: Sie haben gemeint, wenn man nicht an einen Gott glaubt, dann glaube man im Prinzip nicht an eine höchste Autorität, die absolut ist. Gott ist sozusagen eine absolute Autorität, das heißt, man darf nicht gegen den Willen Gottes handeln. Wenn man nicht an Gott glaubt, stellt sich die Frage: Gibt es überhaupt eine höchste moralische Autorität? Könnte nicht jeder selbst definieren, nach welchen Prinzipien er leben will? Das habe ich mittlerweile erkannt. Aber was diese Leute nicht begriffen haben, ist einfach die Tatsache, dass erstens einmal nicht alle Menschen so sind, dass sie sich unbedingt vor einer Autorität fürchten müssen oder nur durch die Furcht vor einer Autorität zu bestimmten Handlungsweisen gezwungen werden; die zweite Sache ist, dass es ohnehin auch für diejenigen, die nicht gläubig sind, eine gewisse Autorität in Form des Rechtsstaates gibt - wer gegen die Gesetze des Staates verstößt, macht sich strafbar. Auch das sollte eine gewisse Motivation zu moralischem Handeln darstellen.

Die Argumentation hat mich zumindest zu der Einsicht gebracht, dass man an eine gewisse absolute Autorität glauben muss, wenn man rechtfertigen will, dass gewisse Dinge gemacht werden müssen oder nicht gemacht werden dürfen. Wenn man alles relativiert, kann man nicht letztgültig begründen, warum man so oder so handelt. Aber auch wenn es diese Religionsgemeinschaften und ihre Anhänger gibt, die an bestimmte moralische Autoritäten glauben, so gibt es ja verschiedene von ihnen, und jede glaubt an eine andere Lehre. Damit haben wir zwar verschiedene Lehren, die alle den Anspruch erheben, absolut zu sein, aber trotzdem haben wir eine Vielfalt. Und diese Vielfalt führt dazu, dass diese Lehren miteinander in Konkurrenz treten. Manche Leute haben die Möglichkeit, die Gemeinschaft zu wechseln; andere haben diese Möglichkeit nicht. Manche sind gezwungen, einer Gemeinschaft anzugehören, ob sie wollen oder nicht. Das kann unter Umständen auch dazu führen, dass sie gegen ihre persönlichen Prinzipien handeln müssen, was eigentlich keine gute Sache ist - eine mangelnde Kongruenz; in der Realität kommt auch das vor.

Die Frage, von der ich gesagt habe, dass man sie sich nicht unbedingt stellen solle, ist die, welches Ziel die Menschheit als Ganzes hat. Denn: Wir sind Individuen, und wir können nicht das Schicksal der gesamten Menschheit bestimmen. Wir können eigentlich nur unser eigenes Schicksal teilweise beeinflussen und das unserer Umgebung - derjenigen Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten. Natürlich beeinflusst alles jedes - normalerweise aber nur auf eine sehr geringe Art und Weise.

Das heißt, der Mensch sollte sich Ziele setzen, er sollte überlegen, wie er diese Ziele erreichen kann, und er sollte darauf hinarbeiten, diese Ziele zu erreichen. Das ist es, was ich jedem Menschen empfehlen würde.

Ob die Menschheit als Ganzes ein Ziel habe, ist eine Sache, über die man spekulieren kann. Ich habe gesagt, man sollte sich nicht die Mühe machen, darüber zu spekulieren, aber man kann es tun. Man kann zum Beispiel überlegen: Vielleicht ist es so wie im Computerspiel "Super Bomberman", dass derjenige gewinnt, der als letztes übrig bleibt. Das heißt, derjenige ist ein Sieger, dessen Gene im letzten Menschen, der auf dieser Welt herumwandelt, noch vorhanden sind, wann auch immer das der Fall sein wird. Könnte sein, ja! Auch die Aussage, es gehe darum, seine Gene weiterzugeben, ist diskussionswürdig. Denn: Nach ein paar Generationen sind ohnehin die Gene so stark vermischt, dass von einem selbst nur mehr wenig übrig bleibt. Ob sich die Menschheit in eine bestimmte Richtung entwickeln sollte - sagen wir einmal: sie sollte körperlich und geistig über immer höhere Fähigkeiten verfügen -, weiß ich nicht, und ich glaube auch nicht, dass man das wissen kann. Woher soll man wissen, ob das so sein sollte? Es gibt vielleicht manche Menschen, die das gerne hätten, aber funktioniert es? Man denke an den Flynn-Effekt, der sich ja in den letzten Jahrzehnten sogar umgedreht hat. Dieser besagt, dass die Leute im Durchschnitt eine höhere Anzahl von Aufgaben in Intelligenztests lösen können als früher - und mittlerweile ist es wieder umgekehrt! Mittlerweile schaffen die Menschen im Durchschnitt weniger. Das heißt, dass es offenbar eine Zeitlang gegeben hat, in der die Menschen immer klüger geworden sind, aber jetzt ist das nicht mehr der Fall. Es ist die Frage: Ist das im Sinne der Evolution? Ist Evolution immer die Entwicklung zu etwas Höherem? Oder ist Evolution nicht vielmehr einfach die Entwicklung an sich, wobei man nicht genau sagen kann, in welche Richtung sie sich entwickelt? Ich meine: Das hängt auch mit Eugenik und Dysgenik zusammen. Wenn man sagt, die guten Erbanlagen sollten sich vermehren und die schlechten nicht, beziehungsweise dass die schlechten Erbanlagen überhand nehmen (was mit Dysgenik gemeint wäre), dann ist dazu zu sagen, dass es erstens einmal subjektiv ist, was gute Erbanlagen sind, und zweitens stellt sich auch die Frage, wem das Ganze nützt. Nützt es einem Individuum? Ist es wirklich so, dass jedes Individuum, welches Nachkommen in die Welt gesetzt hat, die wiederum Nachkommen in die Welt gesetzt haben, deren Nachkommen im letzten Menschen weiterleben, gesiegt hat? Sind das die Sieger? Sind sie das wirklich? Sie sind doch immerhin tot, oder?

Das Individuum lebt wahrscheinlich einmal, dann geht es zugrunde. Warum sollte man sich groß Gedanken darüber machen, was danach kommt oder was das Ziel des Ganzen ist? Es könnte auch sein, dass es letzten Endes eine Art Bilanz gibt, nachdem man gestorben ist, die einem von einer Art göttlichem Wesen präsentiert wird und die einem Aufschluss darüber gibt, ob man gut oder schlecht gelebt hat. Es könnte auch sein, dass es sich bei manchen, die von ihren Mitmenschen für schlecht befunden worden sind, herausstellen wird, dass sie besonders gut gelebt haben, oder umgekehrt. Denn Menschen sind ja nur subjektiv in ihrem Urteil, und sie können sich irren. Und sie können vielleicht sogar, unter Umständen, die Unwahrheit sprechen, wenn sie jemanden beurteilen.

Meine Take-Home-Message lautet: Jeder soll auf sich schauen, seine eigenen Ziele definieren und diese verfolgen. Was dann daraus wird, wie die Menschheit als Ganzes sich entwickelt, das ist nicht seine Sache.

Mittwoch, 10. Oktober 2018

Krankenstand

Heute Früh ging es mir gesundheitlich so schlecht, dass ich mir dachte, es wäre mir lieber, wenn ich heute nicht arbeiten müsste und die verlorene Zeit später in Form von Überstunden einarbeiten könnte. Dennoch schleppte ich mich in die Firma. Dort angekommen, meinte meine Chefin von sich aus, sie habe den Eindruck, es ginge mir nicht gut, und schickte mich nach Hause. Das zeigt wieder einmal, wie gut es mir in dieser Firma geht. Hier werde ich menschlich behandelt. Mit anderen Vorgesetzten, vor allem im medizinischen Bereich, habe ich deutlich schlechtere Erfahrungen gemacht.

"Papa, Papa, du sollst nicht sterben"

Wenn man sich die Schilderung auf https://philippantonmende.com/2018/10/08/papa-papa-du-sollst-nicht-sterben/ durchliest, werden in einem zuerst Trauergefühle aufkommen; wie kann es sein, dass ein so fleißiger, idealistischer, selbstloser Arzt von einem Asylwerber ermordet worden ist? Analysiert man die Geschichte aber genauer, stößt man auf weitere Ungereimheiten:

Warum ist diesem fleißigen, idealistischen, selbstlosen Arzt das Leben so schwer gemacht worden? Warum hat man ihm, diesem offensichtlich guten Menschen, derartige Hürden in Schule und Studium auferlegt? Warum stellte seine Familie den einzigen Rückhalt dar, warum kümmerte sich der Rest der Gesellschaft nicht um ihn?

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Erudite

Michael Ferguson's favorite word is "erudite." I don't know how to pronounce this word, because I've never heard it before. The meaning is: "book-learned". I know that it used to be customary, especially among Jews, to educate children to become "little scholars" by forcing them to read as many books as possible. Not even I was brought up that way. My only concern was to do my homework properly and to learn what I had to be able to do for school. As soon as that was ensured, I was able to deal with the things that interested me. I only found the taste for acquiring knowledge for the sake of knowledge alone, without any prospect of practical usability, during my medical studies, where I was forced to do precisely this job - that's when I began to study books that had nothing to do with my field of study.

In this respect, I think it's alright if Michael Ferguson confirms that I am "somewhat erudite" - I don't want to be regarded as extremely book-learned. I am simply a normal person who has thought about some things thoroughly and used all opportunities to acquire knowledge about them.

Based on my experiences with colleagues, I know that many academics, including doctors, are pure "expert idiots" who only know their subject of study and who completely lack even rudimentary knowledge about other areas. Thank God I am not an expert idiot...

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Gelehrsam

Michael Fergusons Lieblingswort ist "erudite". Ich weiß gar nicht, wie man dieses Wort ausspricht, denn ich habe es noch nie gehört. Die Bedeutung ist: "gelehrsam". Ich weiß, dass es früher vor allem bei den Juden üblich war, die Kinder zu "kleinen Gelehrten" zu erziehen, indem man sie zwang, möglichst viele Bücher zu lesen. So bin nicht einmal ich erzogen worden. Bei mir wurde nur darauf geachtet, dass ich meine Hausaufgaben ordentlich erledige und das lerne, was ich für die Schule können muss. Sobald das sichergestellt war, konnte ich mich mit den Dingen beschäftigen, die mich interessiert haben. Den Geschmack daran, mir Wissen nur des Wissens wegen anzueignen, ohne Aussicht auf praktische Verwertbarkeit, habe ich erst während des Medizinstudiums gefunden, wo ich zu eben dieser Tätigkeit gezwungen worden bin - da habe ich auch begonnen, Bücher zu studieren, die mit meinem Studienfach gar nichts zu tun hatten.

Insofern finde ich es schon in Ordnung, wenn mir Michael Ferguson attestiert, "somewhat erudite" zu sein - ich möchte gar nicht als extrem gelehrsam gelten. Ich bin einfach ein normaler Mensch, der über einige Dinge gründlich nachgedacht und alle Gelegenheiten genutzt hat, sich Wissen darüber anzueignen.

Ich weiß aufgrund meiner Erfahrungen mit Kollegen, dass viele Akademiker, auch Ärzte, reine "Fachidioten" sind, die nur von ihrem Studienfach Ahnung haben und denen selbst rudimentäres Wissen über andere Gebiete völlig fehlt. Ein Fachidiot bin ich Gott sei Dank nicht...

Dienstag, 2. Oktober 2018

Sach- und Beziehungsebene

Bei Diskussionen habe ich immer wieder das Problem gehabt, dass von mir sachlich gemeinte Äußerungen auf Beziehungsebene interpretiert worden sind, was eine rationale Diskussion unmöglich machte. Umgekehrt muss ich mich aber auch an der Nase nehmen: Ich neigte zu oft dazu, Äußerungen anderer Personen rein auf Sachebene zu interpretieren. Vor einigen Jahren schrieb ich über die Debatte mit dem "alten Sack" darüber, wie Leute meiner Generation ihr Leben zu führen hätten (dass sie seiner Meinung nach nicht studieren, sondern so früh wie möglich ins Berufsleben einsteigen sollten usw.). Diese ganze Debatte hätte sich erübrigt, hätte ich das Eingangsstatement dieses Mannes richtig interpretiert, nämlich auf Beziehungsebene: Er wollte mir damit sagen: "Ich hasse Leute wie dich." Und darauf wäre es nicht notwendig gewesen zu reagieren.

Nobel Prize 2018

Regarding the Nobel Prize 2018: Immune therapy of cancer is supposed to be the latest hit. However, a couple of years ago, we already wrote an article about the cancer therapy of tomorrow: "Modify and Repair" instead of "Destroy and Kill". Instead of killing cancerous tissue, the medicine of the future will try to convert cancer cells into functional tissue. Just google for "Claus Volko, Uwe Rohr et al.: Paradigmenwechsel in der Krebstherapie (2014)" and "Symbiont Conversion Theory".

In any case, Uwe Rohr would have deserved a Nobel Prize as well. Too bad he died in 2016.

Freedom of Speech in Austria - Part 2

In response to my post on "Freedom of Speech in Austria", I received a comment on Facebook that the red-and-black "lemmings" were usually socialized party-politically from an early age and therefore internalized their respective ideologies; they not only pretended to believe in them, but actually believed in them.

In my youth I was never a member of an apron organization of a party (it was only at university that I became involved for a time - with a stomach ache - in an apron organization of the Christian Democratic party, which I did not exactly appreciate). I suppose this was the reason why I was accused after my A-levels of "lacking human-social maturity".

I think the teachers thought I was a follower of the red party (like most of the teachers themselves were) and were willing to give me good grades because of that, among other things.

I always pretended to be more stupid than I was the whole time I was at school. This is also because a factual discussion with my parents was never possible.

As I once wrote, it even happened during my studies that my mother asked me where the many strange political ideas that I had recently been advocating came from - they had grown neither on her nor on my father's crap. To what can this "bad influence" be attributed? What "pack" would I be dealing with?

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Meinungsfreiheit in Österreich - Teil 2

Zu meinem Posting "Meinungsfreiheit in Österreich" erhielt ich auf Facebook den Kommentar, dass die rot-schwarzen "Lemminge" meist schon von Kindesbeinen an parteipolitisch sozialisiert seien und deswegen ihre jeweilige Ideologie internalisiert hätten; sie täten nicht nur so, als glaubten sie daran, sondern sie glauben tatsächlich daran.

Ich war in meiner Jugend nie Mitglied einer Vorfeldorganisation einer Partei (erst an der Uni habe ich mich eine Zeit lang - mit Bauchweh - bei einer Vorfeldorganisation der von mir nicht gerade geschätzten christdemokratischen Partei engagiert). Ich vermute, das war der Grund, warum man mir nach meiner Matura unterstellte, mir würde die "menschlich-soziale Reife fehlen".

Ich glaube, die Lehrer haben mich für einen Roten gehalten (wie es die meisten Lehrer selbst waren) und waren unter anderem deswegen gewillt, mir gute Noten zu geben.

Ich habe mich die ganze Schulzeit über immer dümmer gestellt als ich war. Das liegt auch daran, dass eine sachliche Diskussion mit meinen Eltern nie möglich war.

Wie ich einmal geschrieben habe, ist es während meiner Studienzeit sogar dazu gekommen, dass mich meine Mutter zur Rede gestellt hat, woher denn die zahlreichen merkwürdigen politischen Ideen kämen, die ich neuerdings vertreten würde - sie seien weder auf ihrem noch auf dem Mist meines Vaters gewachsen. Worauf dieser "schlechte Einfluss" zurückzuführen sei? Mit welchem "Pack" ich mich wohl abgeben würde?

Limited gift of reason

I've already got used to the fact that there are people who don't want highly intelligent people, as well as people who don't want highly educated people, people who don't want the "wealthy", etc., no matter what character these high intelligent, highly educated, "wealthy" people have. The rational gift of some people is just limited, they do not perceive the chances which are offered to them by contact with such people.

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Begrenzte Vernunftbegabung

Ich habe mich schon daran gewöhnt, dass es Leute gibt, die keine Hochintelligenten wollen, sowie Leute, die keine Hochgebildeten wollen, Leute, die keine "Wohlhabenden" wollen usw., egal, was für einen Charakter diese Hochintelligenten, Hochgebildeten, "Wohlhabenden" haben. Die Vernunftbegabung mancher Menschen ist eben begrenzt, sie nehmen nicht die Chancen wahr, die sich ihnen durch Kontakt mit solchen Leuten bieten.

Wiederaufnahme des Betriebs dieses Weblogs

Nach einigen Wochen Pause habe ich den Betrieb dieses Weblogs wieder aufgenommen.

Unter anderem habe ich vor einiger Zeit zu hören bekommen, dass es einer Lektorin einer Zeitschrift, für die ich früher regelmäßig geschrieben habe, immer schwer gefallen sei, meine Beiträge zu korrigieren, weil sie "so schwierig zu verstehen" waren.

Ich habe mir im Laufe der Jahre einen sehr klaren und nachvollziehbaren Stil angewöhnt. Wenn meine Beiträge wirklich "schwierig zu verstehen" sein sollten, liegt es folglich nicht an mir.

So gesehen, stellt sich freilich die Frage, wie groß überhaupt das Publikum sein mag, das in der Lage ist, das, was ich in meinem Weblog schreibe, geistig nachzuvollziehen. Wahrscheinlich wird es recht überschaubar sein.

Freedom of Speech in Austria

From an economic point of view, Austria is a left-wing country with a high proportion of state-owned or state-related enterprises. A large percentage of the working population are civil servants or state employees. They are thus restricted in their right to freedom of speech because they have to represent the opinion of their respective state or federal government to the outside world. They are usually also expected to join one of the larger parties, usually the Reds or the Blacks, and then adopt the line of this party. That is why in Austria there are only a few people who openly say what they think.

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Meinungsfreiheit in Österreich

Österreich ist, wirtschaftlich gesehen, ein linkes Land mit einem hohen Anteil an staatlichen bzw. staatsnahen Betrieben. Ein großer Prozentsatz der arbeitenden Bevölkerung sind Beamte oder Staatsangestellte. Sie sind dadurch in ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung eingeschränkt, weil sie nach außen hin die Meinung ihrer jeweiligen Landes- oder Bundesregierung vertreten müssen. Es wird von ihnen meist auch erwartet, dass sie einer der größeren Parteien, meist den Roten oder den Schwarzen, beitreten und sich dann die Linie dieser Partei zu eigen machen. Deswegen trifft man in Österreich nur wenige Menschen an, die offen sagen, was sie denken.