Samstag, 17. November 2018

"Alternativlos"

Wenn Angela Merkel ihre Politik als "alternativlos" bezeichnet, erinnert mich das an den Spruch der Marxisten, Freiheit sei die "Einsicht in die Notwendigkeit".

Normalbegabte

Ein Normalbegabter kann ein sehr guter Schüler sein; er muss dazu allerdings wahrscheinlich relativ diszipliniert sein und relativ viel Zeit ins Lernen investieren.

Es ist legitim, dass manche Normalbegabte das nicht wollen, sondern es vorziehen, ihre Zeit mit Hobbys zu verbringen.

Es ist aber illegitim, von Hochbegabten ausnahmslos zu erwarten, immer nur Spitzenleistungen zu erbringen.

Warum es Hochbegabte mitunter schwer im Leben haben

Viele normale Menschen können sich nicht vorstellen, dass es Hochbegabte im Leben mitunter schwer haben. Schließlich sollten sie, dank ihrer Begabung, doch weniger Probleme haben als Normalbegabte, oder?

Tatsächlich haben es Hochbegabte oft aus drei Gründen schwer:

1. Normalbegabte mögen Hochbegabte in der Regel nicht.

2. Es gibt auf beiden Seiten (sowohl bei Normalbegabten als auch bei Hochbegabten) Vorurteile über die jeweils andere Gruppe, die teilweise zutreffen und teilweise nicht zutreffen.

3. Hochbegabte sind meiner Erfahrung nach untereinander zerstritten und ziehen keineswegs an einem Strang; sie sind nicht in der Lage, sich als eine Lobby zu organisieren oder gemeinsam ihre Probleme zu lösen bzw. einander zu helfen.

Das bedenke jeder, der mit Hochbegabten zu tun hat.

Freitag, 16. November 2018

Druck

Ich hatte im Medizinstudium einen Studienkollegen, von dem ich nach wie vor viel halte; ich glaube, ich habe von ihm schon irgendwann einmal erzählt.

Er hat sein Studium sehr ernst genommen und es in neun Semestern und mit Auszeichnung abgeschlossen. Aber nicht nur das, er hat sich während des Studiums auch in der Hochschülerschaft engagiert und ein hohes Amt bekleidet. Danach hat er ein MBA- und ein PhD-Studium sowie eine Facharztausbildung abgeschlossen. Außerdem war er in der Ärztekammer aktiv. Inzwischen ist er habilitiert und Assistenzprofessor an der Medizinischen Universität Wien.

Mag sein, dass sich manche tatsächlich so sehr für die Medizin interessieren, dass sie bereit sind, ihre gesamte Freizeit der Karriere zu opfern.

Ich habe zu Beginn meines Medizinstudiums selbst versucht, im Studium lauter Einser zu bekommen und möglichst in der Mindestzeit zu bleiben. Auch nahm ich unter anderem regelmäßig an Treffen der Hochschülerschaft teil.

Aber: Schon zu Beginn habe ich mir oft gedacht: "Eigentlich würde ich viel lieber etwas studieren, das mich wirklich interessiert, und darauf verzichten, mich selbst unter Druck zu setzen. Das heißt: Sollte ich im Studium einmal einen Dreier oder einen Vierer auf eine Prüfung bekommen, wäre das auch kein Malheur."

Irgendwann im Laufe des Studiums habe ich schließlich meine Einstellung geändert.

Warum aber habe ich mich überhaupt so unter Druck gesetzt?

Ganz einfach: Ich wollte ja nicht nur studieren, sondern auch Karriere machen. Und ich habe mir eben von Medien wie der "Presse" (Unterberger) einreden lassen, man könne nur Karriere machen, wenn man schnell studiert, gute Noten schreibt etc.

Das stimmt nicht. Als Absolvent eines Medizinstudiums kann man nach der Promotion zum Wiener Krankenanstaltenverbund gehen und sich in die Turnusärzteliste eintragen lassen. Dann bekommt man garantiert einen Ausbildungsplatz zum praktischen Arzt, zwar vielleicht nicht sofort, aber in der Regel spätestens nach einigen Monaten. Ich habe nur ein halbes Jahr lang warten müssen.

Auch für meinen aktuellen Job als Software-Entwickler waren weder Studiendauer noch Noten relevante Kriterien.

Man sollte sich also von Leuten wie Unterberger nichts einreden lassen. Man kann auch ganz gemütlich studieren und trotzdem nach dem Abschluss einen gut bezahlten Job als Akademiker bekommen.

Gemeine Menschen

Vor meiner Einschulung hatte ich gelegentlich mit Kindern zu tun, die gemein waren; mir müsste eigentlich klar gewesen sein, dass sich diese Menschen nicht ändern und zu gemeinen Erwachsenen "heranreifen" würden.

Offenbar war ich aber in meiner Schulzeit privilegiert, weil ich an sich mit relativ anständigen Menschen zu tun hatte, auch wenn nicht alle ganz "koscher" waren. Das mag wohl der Vorteil der Selektion im Schulsystem gewesen sein.

Auch meine Brief- und Internetfreunde verhielten sich überwiegend korrekt - allerdings nicht immer.

Seit ich erwachsen bin, habe ich wieder vermehrt mit "Arschlöchern" zu tun. Es gibt auch viele Menschen, die sich extrem gut verstellen können, nett und freundlich wirken, aber einen hinterrücks "ausrichten".

Freigeist

Als ich 18 war, war ich wohl ein unbeschriebenes Blatt, weil ich bis dahin ja nie Mitglied einer Partei gewesen war. Die bald folgende Selbstbezeichnung "liberal" bedeutete aber, dass ich auch weiterhin keiner Partei loyal folgte, sondern ein Freigeist war, denn damals gab es ja keine liberale Parlamentspartei; dass es jetzt eine solche gibt, hat freilich nichts daran geändert, dass ich im Wesentlichen nach wie vor ein Freigeist bin.

Man unterschätze die Macht des Adels nicht. Es ist bezeichnend, dass wirtschaftsliberale Think-Tanks häufig von Aristokraten unterstützt werden. Viele Menschen sind zweckrational: Sie respektieren Adelige nicht deswegen, weil sie Adelige sind, sondern weil sie von ihnen Führungsqualitäten und Wirtschaftskompetenz erwarten.

Popper - Jahrhunderdenker

Warum wird Sir Karl Popper auch heute noch als "Jahrhundertdenker" verehrt?

Nun, grundsätzlich war er sicher ein vernunftbegabter Mensch. Seine Fähigkeit, sich vernünftige Gedanken zu machen, war es aber nicht, die allein ihn zu einem "Jahrhundertdenker" gemacht hat. Er hatte zudem das Glück, dass seine Gedanken den Mächtigen damals politisch in den Kram gepasst haben. Zudem war er klug genug, sich nie öffentlich gegen seine Förderer zu stellen. (Man bedenke, dass Popper, als er britischer Staatsbürger war, sich gegen das Verhältnis- und für das Mehrheitswahlrecht gestellt hat. Von einem so vernunftbegabten Menschen wie Popper hätte ich anderes erwartet. Aber da in Großbritannien Mehrheitswahlrecht herrscht, hat er dieses verteidigt, um zu verhindern, dass seine Loyalität zur Königin in Frage gestellt werden könnte.)

Einmaleins der Politik

Um in der Politik zu überleben, muss man ein offizielles Amt oder eine offizielle Funktion anstreben und zusehen, dass man dieses Amt beibehält oder in ein höheres Amt aufsteigt. Sobald man ein Amt verliert, ist die politische Karriere zu Ende. Um ein Amt zu erlangen, ist es ratsam, sich möglichst loyal zu den Mächtigen innerhalb der Partei zu verhalten und im Idealfall persönliche Kontakte zu ihnen zu pflegen.

Mittwoch, 14. November 2018

O tempora, o mores

Es spielt im Fernsehen Hercules Poirot. Der Film spielt in den 1930er Jahren. Damals beauftrage ein Geheimdienst einen Gärtner, die anderen Gärnter auszuspähen, um herauszufinden, wer von ihnen Kommunist ist.

Wie viel Aufwand doch früher getrieben wurde, um herauszufinden, wo die Menschen politisch standen!

Heute stellen alle diese Informationen freiwillig via Facebook bereit. O tempora, o mores...

Internet und "Real Life"

Früher waren nur kluge Leute im Internet. Heute hat jeder Trottel einen Internetanschluss.

Während man sagen könnte, dass ich in den 1990er Jahren ein Doppelleben geführt habe, kann man heute Internet und "Real Life" leider nicht mehr trennen.

On my own behalf

A few days ago I showed computer demos to my girlfriend's mother for the first time in her life. My girlfriend's mother was an artist herself when she was young and won several art competitions. In contrast to all the other adults of her age whom I have tried to bring closer to the demoscene, she has been open-minded and interested. She even thought about how computer demos could be presented in a particularly effective way, for example by projecting them onto building walls.

I complained to her that all the other people I tried to bring closer to the demoscene, including the Mensans, were completely ignorant and disinterested. Then she said that I should have done it differently: Instead of theorizing about the demoscene in the Mensa forum, I would have had to bring a laptop to the Mensa café and show some demos live to the people there. Or, if it had been possible, I would have had to organize a lecture evening and project the demos onto the wall.

I think to myself: If people would have known that this is what I have been most occupied with since I was 12 years old, then I would most likely have had a completely different (and much more truthful) image with the Mensans as well.

I also think that it would have been my parents' job to explain to me that there's no point in the Mensa Forum theorizing about the demoscene, and that I should have done it the way my girlfriend's mother said.

Why didn't my parents do that?

Were they too stupid? No, my girlfriend's father said, they just ticked differently. They did not attach any importance to the demoscene. Well, it will probably have been that way. Otherwise they would not have insisted that I study medicine after graduating from high school.

Maybe I made a strategic mistake in my life, namely to present myself wrongly. On the other hand, it was not possible for me to assert myself against my parents. I was subject to their views and values, however old-fashioned they might be.

Even in my school days, it was not intended that the students would use the computer in their free time. From 1993 to 2001 I attended the grammar school in New Languages. We were expected to learn in the afternoon. If there was still time, classical music, literature and athletics would be considered socially recognized hobbies. With my interest in computers I was already considered a "freak".

I suspect that in other countries, especially in Finland, society already had a completely different attitude and that computer art was regarded as a "normal" hobby.

When I discuss with foreigners in international demoscene forums, many people do not understand that society here in Austria is indeed as conservative, stale, stubborn, intolerant and close-minded as it is.

I am glad that my girlfriend's mother is interested in computer demos. She is the first person in her age group I have met who is open to this topic.

Maybe it was my fault that I overestimated the intellect of the Mensans. I thought it would be enough to write about the demoscene to arouse their interest, and they would then come up with the idea of downloading and watching some demos themselves. By no means!

I've learned that you have to assume that people are stupider than you'd think and that they have to be led by the hand.

This matter is very important to me - please comment.

Translated with www.DeepL.com/Translator

In eigener Sache

Vor einigen Tagen habe ich der Mutter meiner Freundin - die in ihrer Jugend selbst künstlerisch tätig war und diverse Kunstwettbewerbe gewonnen hat - zum ersten Mal in ihrem Leben Computerdemos gezeigt. Im Gegensatz zu allen anderen Erwachsenen in ihrem Alter, denen ich versucht habe, die Demoszene näher zu bringen, hat sie sich aufgeschlossen und interessiert gezeigt. Sie hat sich sogar Gedanken darüber gemacht, wie man Computerdemos besonders effektvoll präsentieren könnte, zum Beispiel indem man sie auf Gebäudewände projiziert.

Ich habe mich bei ihr beklagt, dass sich all die anderen Leute, denen ich versucht habe, die Demoszene näher zu bringen, unter anderem die Mensaner, völlig ignorant und desinteressiert gezeigt haben. Daraufhin meinte sie, ich hätte es anders machen müssen: Anstatt im Mensa-Forum über die Demoszene zu theoretisieren, hätte ich einen Laptop zum Mensa-Café bringen und den Leuten dort einige Demos live zeigen müssen. Oder ich hätte, wenn es möglich gewesen wäre, einen Vortragsabend organisieren und die Demos auf die Wandfläche projizieren müssen.

Ich denke mir: Wenn die Leute gewusst hätten, dass es das ist, womit ich mich seit meinem 12. Lebensjahr am meisten beschäftigt habe, dann hätte ich höchstwahrscheinlich auch bei den Mensanern ein gänzlich anderes (und der Wahrheit wesentlich mehr entsprechendes) Image gehabt.

Ferner denke ich, dass es eigentlich die Aufgabe meiner Eltern gewesen wäre, mir zu erklären, dass es nichts bringt, im Mensa-Forum über die Demoszene zu theoretisieren, und dass ich es so machen hätte müssen, wie es die Mutter meiner Freundin gesagt hat.

Warum haben das meine Eltern nicht getan?

Waren sie zu blöd? Nein, meinte der Vater meiner Freundin, sie haben lediglich anders getickt. Sie haben der Demoszene keine Bedeutung beigemessen. Nun, es wird wahrscheinlich wirklich so gewesen sein. Sonst hätten sie ja auch nicht darauf bestanden, dass ich nach der Matura Medizin studiere.

Möglicherweise habe ich tatsächlich einen strategischen Fehler in meinem Leben begangen, nämlich den, mich selbst falsch zu präsentieren. Andererseits war es mir aber nicht möglich, mich gegen meine Eltern durchzusetzen. Ich war ihren Ansichten und Wertvorstellungen unterworfen, so altbacken sie auch sein mochten.

Es war ja auch in meiner Schulzeit an sich nicht vorgesehen, dass sich die Schüler in ihrer Freizeit mit dem Computer beschäftigten. Ich besuchte von 1993 bis 2001 das neusprachliche Gymnasium. Von uns wurde erwartet, nachmittags zu lernen. Wenn dann noch Zeit bliebe, galten Klassische Musik, Literatur und Leichtathletik als gesellschaftlich anerkannte Hobbys. Mit meinem Interesse an Computern galt ich ohnehin bereits als "Freak".

Ich vermute, dass in anderen Ländern, vor allem in Finnland, schon damals eine gänzlich andere Einstellung seitens der Gesellschaft vorherrschte und Computerkunst als ein "normales" Hobby betrachtet wurde.

Wenn ich mit Ausländern in internationalen Demoszene-Foren diskutiere, können viele gar nicht nachvollziehen, dass die Gesellschaft hier in Österreich tatsächlich so konservativ, altbacken, verbohrt, intolerant und unaufgeschlossen ist, wie sie ist.

Ich bin froh, dass die Mutter meiner Freundin an Computerdemos Interesse zeigt. Sie ist der erste Mensch ihrer Altersgruppe, dem ich begegnet bin, der für dieses Thema aufgeschlossen ist.

Vielleicht war es mein Fehler, dass ich den Intellekt der Mensaner überschätzt habe. Ich habe geglaubt, es würde genügen, über die Demoszene zu schreiben, um ihr Interesse zu entfachen, und sie würden dann von selbst auf die Idee kommen, sich einige Demos herunterzuladen und anzusehen. Mitnichten!

Ich habe gelernt: Man muss davon ausgehen, dass die Leute dümmer sind, als man angenommen hätte, und dass sie an der Hand geführt werden müssen.

Diese Sache ist mir sehr wichtig - ich bitte um Kommentare.

Dienstag, 13. November 2018

Öffentlicher Dienst in der Stadt Wien

Im öffentlichen Dienst in der Stadt Wien, sei es im Schulwesen, sei es im Gesundheitswesen, ist es üblich, dass Mitarbeiter gelegentlich von ihren Chefs (Schulleiter bzw. Primararzt) bewertet werden. Eine negative Beurteilung kann zu einer Nichtverlängerung des Dienstvertrags führen. Ich sehe ein, dass es möglich sein muss, einen Lehrer oder Arzt loszuwerden, wenn Gefahr in Verzug ist. Aber nicht, dass ein Chef einen Mitarbeiter auf die Straße setzen kann, nur weil er ihm vielleicht aus irgendeinem Grund unsympathisch ist. Noch dazu, wenn es sich um einen hoch qualifizierten Mitarbeiter handelt, wie es bei Lehrern oder Ärzten der Fall ist. Das gehört geändert.

Rationale und Ergebnisoffene Diskussion

Die Wissenschaft wäre schon viel weiter, wenn nicht diese autoritären Strukturen herrschten und diese Machtspielchen gespielt würden, sondern die Leute rational und ergebnisoffen miteinander diskutierten.

Samstag, 10. November 2018

"Nützlichkeitsprinzip"

Ich bin ein strikter Gegner jeglicher Ideologie, welche den Menschen in erster Linie als Arbeitskraft bzw. nach dem "Nützlichkeitsprinzip" betrachtet.

Meiner Meinung nach war es das schlimmste Verbrechen der Nationalsozialisten, dass sie Menschen ermordet haben, weil sie sie für "nicht arbeitsfähig" hielten. Ob sie sie zu Recht oder zu Unrecht für "nicht arbeitsfähig" hielten, ist in diesem Kontext irrelevant.

Deswegen bin ich auch skeptisch, wenn ein heutiger Politiker argumentiert, dass man die Zuwanderung davon abhängig machen sollte, ob ein Zuwanderer auf dem Arbeitsmarkt gebraucht wird oder nicht.

Real Existierender Sozialismus

Ich weiß nicht, inwieweit jungen Leuten, die sich für politisch links halten, überhaupt noch die Geschichte des real existierenden Sozialismus im ehemaligen Ostblock bekannt ist.

Es war nicht nur so, dass den Wohlhabenderen ihr Besitz weggenommen worden ist, nachdem die Bolschewiken die Macht ergriffen haben. Sondern es sind auch viele der Wohlhabenderen ermordet worden.

Das war nicht bloß eine Revolution, in der sich die Machtverhältnisse verändert haben, sondern es handelte sich um eine Revolution, die mit einer Auslöschung jener gesellschaftlichen Schicht einher ging, der es bis dahin relativ gut gegangen ist.

Ich wünsche nicht, dass sich so etwas wiederholt, egal in welchem Land.

Freitag, 9. November 2018

Warum es N- und S-Typen gibt

Ich habe eine Erklärung dafür entwickelt, warum es (laut CG Jung) N- und S-Typen gibt:

N-Typen sind bekanntlich phantasievoll, interessieren sich mehr für Phantasiewelten als für die Realität, denken sehr abstrakt, sind neuen Theorien und Ideen aufgeschlossen und entwickeln selbst welche.

S-Typen hingegen leben in der Realität, fügen sich in das gesellschaftliche Ganze ein, passen sich an ihre Mitmenschen an und sind praktisch veranlagt.

Die Ursache liegt meiner Meinung nach im ästhetischen Empfinden. Während S-Typen von klein auf die reale Welt als schön empfinden und sich darin wohlfühlen, empfinden N-Typen die reale Welt als hässlich und begeistern sich mehr für Phantasiewelten sowie abstrakte Ideen.

Das System bevorzugt klar S-Typen.

Auch als Arzt ist man wahrscheinlich eher geeignet, wenn man ein S-Typ ist.

Ich bin ein extremer N-Typ; ich habe mich meine ganze Kindheit in Phantasiewelten geflüchtet und wollte von der Realität nichts wissen. Mit dem Arztberuf konnte ich mich nie identifizieren. Dass mich mein Vater zum Medizinstudium zwang, war, als ob er darauf bestanden hätte, dass ich mich in die Fremde begebe und etwas mache, was überhaupt nicht meiner Welt entspricht, zum Beispiel, in einem Dorf in Afrika unter lauter "Negern" zu leben.

Für mich zählt die Phantasie.

Donnerstag, 8. November 2018

Hochbegabte passen nicht ins System

Neulich bin ich erneut mit der Geschichte von Jacob Barnett konfrontiert worden, dem autistischen amerikanischen Jungen, der sich sehr für Physik interessiert hat und, nachdem es im Fernsehen eine Sendung über ihn gegeben hat, von einem Professor der Physik eingeladen worden ist, bei ihm zu studieren und wissenschaftlich mitzuarbeiten.

In Österreich gab es ein Wunderkind namens Jonas K., das ebenfalls im Fernsehen gezeigt wurde, als er noch klein war. Ich erinnere mich, dass sich seine Mutter einmal in ein Gästebuch der Website eines Universitätsinstituts eintrug, weil sie wollte, dass ihr hochbegabtes Kind in den Ferien an der Uni wissenschaftlich mitarbeite.

Soweit ich weiß, hat sie darauf keine Antwort bekommen, jedenfalls keine öffentlich zugängliche.

Das hatte ich erwartet bzw. befürchtet.

Eltern hochbegabter Kinder müssen damit rechnen, dass ihr Kind innerhalb des Systems nie sein gesamtes geistiges Potenzial entfalten können wird. Die Vorstellung, dass sich ein Hochbegabter in der Wissenschaft entfalten könnte, ist naiv-romantisch.

Höchstwahrscheinlich wird das Kind irgendwann in einem Job landen, in dem nur ein Bruchteil seiner Fähigkeiten gefordert werden und der auch nicht unbedingt überdurchschnittlich gut bezahlt ist.

Selbstverwirklichung kann bei einem Hochbegabten nur in der Freizeit stattfinden. Die Demoszene (ich meine die Computerkunst-Demoszene, nicht etwa die Szene, die sich mit politischen Veranstaltungen beschäftigt) stellt eine Möglichkeit dazu dar. Freilich liegt es nicht jedem Hochbegabten, Demos zu coden.

Dienstag, 6. November 2018

Was eigentlich mein Problem ist

Einmal wurde ich gefragt, was eigentlich mein Problem sei.

Nun, ich konnte es ihm deswegen nicht beantworten, weil ich durch Elternhaus und Schule so stark unter Druck gesetzt worden bin, dass ich es nicht zugeben wollte.

Kurz gesagt:

Ich sehne mich nach RUHE, ENTSPANNUNG und JEDER MENGE FREIZEIT.

Aber ich bin erst 35. Da ist das noch nicht vorgesehen. In diesem Alter geht es noch um Leistung, Leistung, Leistung.

Und durch meine Eltern und durch die Schule habe ich gelernt, dass ich gar nicht zugeben darf, dass ich eigentlich das Gegenteil anstrebe. Sonst würde ich als "faul", "asozial", "Parasit", "Owezahrer" etc. gelten.

Sonntag, 4. November 2018

Warum hochbegabte Kinder gefördert werden müssen

Wenn eine Mutter ernsthaft der Meinung ist, sie brauche ihr Kind nicht zu fördern, nachdem es in einem Intelligenztest einen sehr hohen Intelligenzquotienten erreicht habe, dann hat sie eine Sache nicht verstanden:

Wir leben keineswegs in einer egalitären Gesellschaft. Unter anderem ist es von der Intelligenzhöhe abhängig, für welchen Beruf ein Mensch geeignet ist.

Keineswegs verdienen alle Menschen gleich viel. Es gibt Berufe, die besser bezahlt sind, und Berufe, die schlechter bezahlt sind.

Ein hoher Intelligenzquotient allein garantiert keineswegs, dass man in einem Beruf, der gut bezahlt ist, erfolgreich sein wird.

Eltern, die glauben, die Ausbildung durch die Schule würde reichen, sind sehr naiv. Sie vergessen zudem, dass, wenn ihre Kinder anspruchsvolle Berufe ergreifen (in der Regel sind die gut bezahlten Berufe auch die anspruchsvolleren), sie viel Konkurrenz durch andere junge Menschen haben werden, die ebenfalls hochintelligent sind. Die Annahme, dass sich ihr Kind allein durch seine Intelligenz von der Masse abheben würde, ist grundfalsch.

Was heutzutage notwendig ist, um erfolgreich zu sein

Meine Freundin ist hochintelligent. Dennoch hat sie für ihr Informatikstudium neun Jahre gebraucht, obwohl man es laut Studienplan eigentlich in fünf Jahren schaffen können sollte. Für manche Arbeitgeber fiel sie damit aus dem Raster.

Ich hätte mein Informatikstudium in der Mindestzeit schaffen können, wenn ich wirklich nur Informatik studiert hätte und nicht auch Medizin. Ich hätte das Informatikstudium aber nur deswegen in der Mindestzeit schaffen können, weil ich mich seit meinem sechsten Lebensjahr intensiv mit der Materie beschäftige.

Es ist nicht normal, dass sich jemand mit einem bestimmten Fach seit seiner Kindheit intensiv beschäftigt, oder?

Nun, vielleicht ist es doch nicht so ungewöhnlich, denn: Meine Freundin hat sich in ihrer Kindheit vor allem für Botanik interessiert. Ich nehme an, dass sie sich viel Wissen darüber angeeignet hat und ein Botanik-Studium womöglich sehr schnell durchgezogen hätte. Sie hat sich aber nicht für dieses Studienfach entschieden, sondern für die Informatik, weil sie sich mit einem Informatikstudium mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhofft hat.

Wäre es wirklich so, dass nur diejenigen Karriere machten, die genau das studieren, was sie seit Kindestagen am meisten fasziniert hat, stellte sich die Frage: Was wird aus jenen, die in ihrer Kindheit kein derart ausgeprägtes Interesse hatten? Oder eben ein Interesse an einem Fach, mit dem man kein Geld verdienen kann?

Zumindest war es mein Eindruck zum Zeitpunkt, als ich mit meinem ersten Studium begann, dass diese Leute durch den Rost fallen. Das war auch der Grund, warum ich Bekannte von mir, die kleine Kinder hatten, drängte, diese zu fördern. Was bei manchen meiner Bekannten auf taube Ohren oder sogar auf Widerstand stieß.

Aber ich habe Recht behalten, so mein Eindruck heute.

Dass mir das übel genommen wird, ist unverzeihlich. Ich wollte nur helfen.

Samstag, 3. November 2018

Die Nische der Hochbegabten

Hochintelligente Mitarbeiter sind den meisten Chefs unbequem, weil sie zu kritisch sind und Tricks und Betrügereien nur allzu leicht erkennen. Aber: In bestimmten Berufen, zum Beispiel als Software-Entwickler, braucht man Hochintelligente. Das sind somit Nischen, in denen Hochbegabte überleben können. Ich sage bewusst "überleben". Die Welt ist ihnen feindlich gesinnt.

Ist das gerecht?

Einserschüler werden meistens Fachkräfte, Dreierschüler hingegen Chefs. Letztere verdienen im Allgemeinen mehr, haben ein weniger anstrengendes Leben und noch dazu Macht über andere Menschen. Ist das gerecht?

Zum Kotzen

Unsere Welt wird von Normalbegabten beherrscht. Egal ob sie nun Politiker seien, Unternehmer, CEOs oder Ärzte - selbst viele Universitätsprofessoren teilen mit ihnen die Gemeinsamkeit, dass es sich um Normalbegabte handelt. In einer solchen Welt fühlt sich ein Hochbegabter nicht wohl. Es reicht ihm schon, sich Fernsehdebatten von Politikern anzusehen - wie emotional sie argumentieren, wie sie versuchen, ihre Opponenten durch Drohgebärden zu beeindrucken. Wie wilde Tiere. Zum Kotzen.