Dienstag, 19. Juni 2018

Thinking in hierarchies

I promised to write about thinking in hierarchies, but I would like to announce right away that I consider this topic to be relatively trivial - perhaps also because a day has already passed since I thought about it intensively.

Thinking in hierarchies is widespread, perhaps even the rule. At least in traditional families it is common to think hierarchically and to educate the children in this sense. Probably thinking in hierarchies will always exist as long as there are people.

The fact is that hierarchies are partly artificial. Some people have the authority of the office, but not really the authority of the person; as a rule, however, such people have learned to hide their weaknesses in order to preserve the appearance of being superior to their subordinates.

From time to time there are speeches in Internet forums that amaze me. But that is because people in these forums come from different social classes. For some people university professors are unreachable, while I deal with them every day. When a demoscene artist once wrote a jealous posting about the fact that I had worked on a scientific monograph on youth scenes, I at first could not understand his envy. But then I realized: This demoscener had flown out of high school at 16, he never saw the university from the inside. He couldn't reach a university professor. Someone like him is unlikely to be working on a scientific monograph. Hence the envy. Now I understood. Of course: not justified in my view. Non-academics can also participate in scientific monographs if they wish. It is, however, extremely rare for them to think that they could do it.

But I am now aware that it is even necessary to maintain a certain social distance and to take part in the "games" that seemed absurd to me in the past if you are in a privileged position and want to maintain it. For example, the nursing staff should not think that they may have received better training than some doctors; this could lead to a revolution. Therefore, as a doctor in a hospital, you must not fraternise with the nursing staff. When I worked as a doctor, I was accused of lacking distance from people under me in the social hierarchy. In the meantime I have understood that I was rightly reproached. You have to make the subordinate people feel you're superior to them, even if you're not. Otherwise, you put your whole profession at risk.

This is also the reason why there are almost no doctors who are members of the Austrian High Intelligence Society. Not that the doctors aren't smart enough to pass the lousy admission test.

Translated with www.DeepL.com/Translator

Denken in Hierarchien

Ich habe versprochen, über das Denken in Hierarchien zu schreiben, möchte aber gleich bekannt geben, dass ich dieses Thema für relativ trivial halte - vielleicht auch deswegen, weil bereits ein Tag vergangen ist, seit ich darüber intensiv nachgedacht habe.

Das Denken in Hierarchien ist an sich weit verbreitet, vielleicht sogar die Regel. Zumindest in traditionellen Familien ist es üblich, hierarchisch zu denken und die Kinder auch in diesem Sinn zu erziehen. Wahrscheinlich wird es das Denken in Hierarchien immer geben, solange es Menschen gibt.

Tatsache ist, dass Hierarchien teilweise künstlicher Natur sind. Manche Menschen haben zwar die Autorität des Amtes, aber eigentlich nicht die Autorität der Person; in der Regel haben solche Leute allerdings gelernt, ihre Schwächen zu verbergen, um den Schein zu wahren, den ihnen Untergeordneten überlegen zu sein.

Es gibt hin und wieder Wortmeldungen in Internetforen, die mich erstaunen. Aber das liegt daran, dass die Leute in diesen Foren aus unterschiedlichen sozialen Schichten kommen. Für manche Leute sind Universitätsprofessoren unerreichbar, während ich tagtäglich mit ihnen zu tun habe. Als einmal ein Demoszener ein neiderfülltes Posting über die Tatsache verfasste, dass ich an einer wissenschaftlichen Monographie über Jugendszenen mitgearbeitet habe, habe ich zuerst nicht seinen Neid nachvollziehen können. Aber dann wurde mir klar: Dieser Demoszener war mit 16 vom Gymnasium geflogen, hat die Uni nie von innen gesehen. Für ihn war ein Universitätsprofessor unerreichbar. Unvorstellbar, dass jemand wie er an einer wissenschaftlichen Monographie mitarbeiten könnte. Deswegen der Neid. Nun verstand ich es. Freilich: aus meiner Sicht nicht gerechtfertigt. Auch Nichtakademiker können an wissenschaftlichen Monographien mitarbeiten, wenn sie es wollen. Es kommt nur äußerst selten vor, dass sie auf die Idee kommen, dass sie es tun könnten.

Inzwischen bin ich mir aber bewusst, dass es sogar eine Notwendigkeit ist, eine gewisse soziale Distanz zu wahren und bei den "Spielchen", die mir früher unsinnig erschienen, mitzumachen, wenn man in einer privilegierten Stellung ist und diese erhalten möchte. Es darf zum Beispiel nicht sein, dass das Pflegepersonal darauf kommt, dass es möglicherweise besser ausgebildet hat als manche Ärzte; das könnte zu einer Revolution führen. Deshalb darf man sich als Arzt im Krankenhaus nicht mit dem Pflegepersonal fraternisieren. Als ich als Arzt gearbeitet habe, wurde mir eben diese mangelnde Distanz gegenüber Leuten, die in der gesellschaftlichen Hierarchie unter mir stehen, zum Vorwurf gemacht. Mittlerweile habe ich begriffen, dass mir dieser Vorwurf zu Recht gemacht worden ist. Man muss den untergeordneten Leuten das Gefühl geben, man sei ihnen überlegen, selbst wenn man es nicht ist. Sonst gefährdet man seinen ganzen Berufsstand.

Das ist auch der Grund, warum es fast keine Ärzte gibt, die Mitglied im österreichischen Hochintelligenzverein sind. Nicht etwa, dass die Ärzte nicht schlau genug wären, den popeligen Aufnahmetest zu bestehen.

Gedanken - Teil 4

Ich bitte, meine Postings mit der Überschrift "Gedanken" in exakt der vorgegebenen Reihenfolge zu lesen und nicht irgendwo mittendrin anzufangen.

http://cdvolko.blogspot.com/2018/06/gedanken.html
http://cdvolko.blogspot.com/2018/06/gedanken-teil-2.html
http://cdvolko.blogspot.com/2018/06/gedanken-teil-3.html

Wenn es wirklich so ist, dass die Sozialdemokratie die Meinung vertritt, jeder müsse sich erst durch Arbeit seine Existenz verdienen, dann habe ich ein falsches Bild von der Sozialdemokratie gehabt.

Ich habe immer geglaubt, Sozialdemokratie bedeute, dass die Existenz eines jeden Menschen, der geboren wird, gesichert sei, bis er eines natürlichen Todes sterbe (oder halt irgend etwas Schlimmes passiert, wofür man sich nicht schützen kann, wie zum Beispiel eine Naturkatastrophe). Hingegen hielt ich es für ausgeschlossen, dass ein Mensch unter sozialdemokratischer Herrschaft verhungern würde.

Was ich jedoch für den Haken an der Sache hielt:

Ich glaubte, dass in der Sozialdemokratie zwar die Existenz eines jeden Individuums gesichert sei, dafür aber dieses Individuum in seiner Freiheit eingeschränkt sei, also nicht tun und lassen dürfe, was es will.

Deswegen betrachte ich mich nicht als einen Sozialdemokraten, sondern als einen Liberalen. Denn ich möchte tun und lassen, was ich will, und bin auch bereit, dieses Recht allen anderen Menschen zuzugestehen.

Wenn ich aber missverstanden habe, worum es den Sozialdemokraten geht, dann ist es ja noch schlimmer, als ich geglaubt habe. Dann gibt es wirklich keine Alternative zum Liberalismus.

The impact of Artificial Intelligence on Economy

I have been discussing a couple of things with a friend from India. I think that my statements are interesting enough to be shared here.

One thing he asked me is: He was reading some papers suggesting that it is "highly likely that 95% of humanity [...] will probably lose their jobs thanks to the Internet[,] automation and AI". "If so many people are out of work, then who is going to pay for a movie, or a song, or a videogame?" In other words, he sees Artificial Intelligence putting the creative industries at peril.

My reply:

Your view that 95% of the population will lose their jobs once AI is really advanced might be correct. I have similar views. You are absolutely right that if people do not work, they will have no money, and so nobody will have money to go to the cinema, buy computer games etc. - so this will, in effect, damage the economy. That is a big problem indeed and there are people who are intelligent enough to be aware of this. Maybe you know the economist John Maynard Keynes? He argued that for the economy to work, it is important that people have enough money which they can spend for consumer goods. For this reason, he argued, companies should pay their workers more than what the workers need to sustain their lives.

3D Card Programming

I have been discussing a couple of things with a friend from India. I think that my statements are interesting enough to be shared here.

One thing he asked me is how long it would take him to learn 3D card programming. My reply:

Don't ask how much time you would need to learn 3D card programming. Just start and see how you get ahead. It did not take me long to learn the basics of OpenGL. At my homepage you will find a couple of games I programmed using OpenGL. The first one was "Adok's Magic Cube". I don't remember exactly how much time I had spent studying OpenGL until I was able to create that game. This is because I don't care about the amount of time I invest in studying. (I know some people care about that, but I do not.) But not much. Maybe a month or so. Maybe even less. I don't remember.

Gedanken - Teil 3

Dieses Posting bezieht sich auf:
http://cdvolko.blogspot.com/2018/06/gedanken.html
http://cdvolko.blogspot.com/2018/06/gedanken-teil-2.html

Es ist bisher nur sehr wenig Feedback zu meinen "Gedanken" gekommen. Möglicherweise ist der Zeitpunkt noch zu früh, darauf einzugehen.

Dennoch möchte ich die Gelegenheit nutzen, darüber zu schreiben. Immerhin habe ich etwas Zeit, weil ich gestern etwas früher schlafen gegangen und heute etwas früher aufgestanden bin.

Ein Leser meint, er könne meine Gedanken absolut nicht nachvollziehen, weil er mit den Roten schlechte Erfahrungen gemacht hat und froh war, sie loszuwerden.

Kann sein.

Es ist für mich schwierig, darüber ein Urteil zu fällen. Tatsache ist, dass ich im Roten Wien geboren worden bin und bis zu meiner Matura im Jahr 2001 nie ernsthafte Probleme gehabt habe. Es mag schon sein, dass ich auch vor 2001 gewisse Ungerechtigkeiten erlebt habe, dass ich von anderen Menschen nicht immer gut bzw. fair behandelt worden bin, dass ich nicht immer die Möglichkeiten hatte, das zu tun, was ich gerne getan hätte, dass ich mich nicht uneingeschränkt selbst verwirklichen konnte usw.

Ich möchte nicht behaupten, dass meine Jugend der Himmel auf Erden gewesen wäre. Ich habe ja schon oft genug darüber geschrieben, dass nicht alles so war, wie ich es gerne gehabt hätte.

Tatsache ist aber: Ich hatte immer geglaubt, nach der Matura würde ich mich endlich selbst verwirklichen und mein Leben nach meinen eigenen Vorstellungen gestalten können.

Da ich aber in den letzten Jahren vor meiner Matura regelmäßig die von Andreas Unterberger geleitete Tageszeitung "Die Presse" gelesen habe, habe ich gewusst, dass das nicht möglich sein würde.

Denn ich habe aus der Tageszeitung "Die Presse" herausgelesen:
  1. Die Wirtschaft sucht nach "Wunderwuzzis". Durchschnittlich begabte Arbeitnehmer sind nicht willkommen.
  2. Wer einen Job als Akademiker will, der trachte danach, möglichst schnell zu studieren. Im Idealfall mit möglichst guten Noten. Die Ferien nutze man, um Praktika in Unternehmen zu absolvieren. Wer sich besonders qualifizieren möchte, verbringe zudem eine gewisse Zeit im Ausland.
Das widerstrebte mir, weil ich eigentlich mein Leben anders geplant hatte. Aber:
  1. Ich war zwar nicht der Meinung, dass nur "Wunderwuzzis" einen Job bekommen sollten. Ich war der Meinung, dass jeder, der arbeiten möchte, auch einen Job bekommen sollte. Deswegen hatte ich mir bis dahin auch keine Gedanken darüber gemacht, ob ich nun ein "Wunderwuzzi" bin oder nicht. Es war mir egal. Aber wenn es wirklich so ist, dass nur Wunderwuzzis einen Job bekommen: Nun gut, dann schauen wir mal, ob ich ein Wunderwuzzi bin. Als ich in einer Zeitschrift ein Inserat des Vereins Mensa vorfand, entschied ich mich daher, mich zum Aufnahmetest anzumelden. Ich bestand diesen Test ohne Probleme, gehöre also zu den begabtesten zwei Prozent der Bevölkerung. Ich weiß nicht, ob das dasselbe bedeutet wie ein Wunderwuzzi zu sein. Aber ich habe mir halt gedacht: Offenbar gibt es etwas, das mich besonders macht. Wenigstens etwas.
  2. Ich wollte nicht möglichst schnell studieren, sondern möglichst gründlich. Ich bin kein Anhänger von "Husch - Pfusch". Ich arbeite lieber langsam und ordentlich. Ich wollte auf jeden Fall studieren, aber ich wollte mich nicht beeilen, sondern den Stoff jeder einzelnen Prüfung so gründlich und genau wie möglich lernen, egal wie viel Zeit es mich kosten mochte. Im Idealfall wollte ich nicht nur ein Fach studieren, sondern mehrere. Es ist ja zum Beispiel so, dass ein Student der Physik am Anfang seines Studiums ein paar Lehrveranstaltungen über Mathematik absolvieren muss, weil jeder Physiker gewisse Grundkenntnisse der Mathematik benötigt. Ich war der Meinung, dass es einem Physiker nicht schaden würde, mehr als nur Grundkenntnisse der Mathematik zu besitzen. Somit habe ich mir gedacht: Physik wäre eine Option. Jedoch würde ich in diesem Fall, wenn ich wirklich frei wäre zu entscheiden, was ich tun will, nicht nur den Studiengang Physik belegen. Sondern ich würde zuerst ein komplettes Mathematikstudium absolvieren und dann erst ein komplettes Physikstudium. Wollte ich Chemiker werden, so ist klar: Grundlage der Chemie ist die Physik. Hätte ich den Beruf des Chemikers angestrebt, hätte ich also im Idealfall zuerst ein komplettes Studium der Mathematik absolviert, danach ein komplettes Studium der Physik und erst zum Schluss ein komplettes Studium der Chemie. Bei der Biologie ist es so, dass die Chemie die Grundlage der Biologie ist. Das heißt: Hätte ich den Beruf des Biologen angestrebt, dann hätte ich zuerst ein komplettes Mathematikstudium absolviert, anschließend ein komplettes Physikstudium, drittens ein komplettes Chemiestudium und erst zum Schluss ein komplettes Biologiestudium.
Ich weiß, dass die meisten Menschen protestieren würden: Ein solch langes Studium würde den Steuerzahler viel zu viel Geld kosten; zudem würde es der Wirtschaft nichts bringen, weil man eben keinen Bedarf an derart überqualifizierten Mitarbeitern hat - ein einziger Studienabschluss reicht völlig aus, um sich für einen Beruf zu qualifizieren.

Mich hat es eben gestört, dass Unterberger und Konsorten immer die wirtschaftlichen Aspekte so in den Vordergrund gestellt haben. Deswegen habe ich mich wohler gefühlt, als die Sozialdemokraten an der Macht waren: Für sie war Wirtschaft kein Thema.

Besonders gestört hat es mich, wenn Unterberger und Konsorten von "Optimierung" und "Effizienz" sprachen. Mit dem Begriff "Leistung" habe ich kein Problem gehabt; ich habe in der Schule immer einen sehr guten Notendurchschnitt gehabt. Das bedeutet, dass ich offensichtlich sehr gute Leistungen erbracht habe. Ich habe die Schulzeit aber nicht als übermäßig anstrengend in Erinnerung. Daraus folgerte ich, dass Leistung nicht automatisch Anstrengung bedeutet. Man kann auch Dinge tun, die einem leicht fallen und trotzdem als gute Leistungen oder gar als Spitzenleistungen anerkannt werden.

Aber mit den Begriffen "Optimierung" und "Effizienz" habe ich ein Problem gehabt. Ebenso mit dem Begriff des "Homo oeconomicus". Unser Lehrer für Geografie und Wirtschaftskunde am Gymnasium meinte einmal, wir Schüler würden danach streben, mit möglichst geringem Aufwand möglichst hohe Ziele zu erreichen. Dies traf auf mich nicht zu! Ich habe immer alles, was ich machen musste, möglichst ordentlich gemacht. Solche Kosten-Nutzen-Rechnungen habe ich nie getätigt. Das war mir fremd.

Ich finde es also befremdlich, wenn man sagt, man solle sich möglichst effizient verhalten. Ich persönlich bin gerne bereit, mehr Zeit in ein Problem zu investieren, um dieses Problem möglichst optimal zu lösen, als eine effiziente Lösung zu nehmen, die mich zwar wenig Zeit kostet, aber nicht befriedigt.

Noch befremdlicher finde ich das Wort "Optimierung", mit dem eben gemeint ist, dass man sich nicht nur um eine gewisse, sondern sogar um maximale Effizienz bemühen sollte. Das ist mir völlig wesensfremd. Ich glaube auch gar nicht, dass eine derartige Fokussierung auf Effizienz der Wirtschaft wirklich gut tut. Meiner Meinung nach täte es der Wirtschaft besser, wenn sie versuchte, möglichst gute, also qualitativ hochwertige Produkte zu erzeugen.

Ich finde es gut, dass ich jetzt wenigstens die Möglichkeit hatte, einige meiner Gedanken zu artikulieren. Teilweise habe ich versucht, die Meinung Unterbergers zu übernehmen und nach außen zu vertreten, weil ich glaubte, dass das halt die herrschende Ideologie sei und man so denken müsse, um im Leben Erfolg zu haben. Aber ich habe mich dabei nie ganz wohl gefühlt.

Mein Vater ist im Dezember 2013 verstorben. Solange mein Vater gelebt hat, war mein Recht auf Meinungsäußerung noch stärker beschnitten, als es durch in Österreich geltende Gesetze ohnehin ist. Denn mein Vater tolerierte keinen Widerspruch. Wenn ich schon eigene Gedanken äußerte, musste ich daher Kompromisse eingehen. Ich durfte nur das äußern, was nicht in eklatantem Widerspruch zur Denkweise meines Vaters stand.

Ungefähr zum gleichen Zeitpunkt, wie mein Vater starb, fing mein Berufsleben an. Dies hatte zur Folge, dass mein Tagesablauf stärker strukturiert war als bisher. Zudem musste ich mich erst ins Berufsleben eingewöhnen. Ferner habe ich ja weiterhin eine Habilitation angestrebt. Für eine Habilitation blieb mir nicht viel Zeit. Um jemals Chancen auf eine Professur zu haben, muss man spätestens mit 35 habilitiert sein. Ich bin jetzt 34 Jahre alt. 2013 sah es so aus, als könnte ich es vielleicht noch schaffen. Inzwischen sind meine Chancen gering. Ich habe eingesehen, dass es keinen Sinn hat, innerhalb des laufenden Kalenderjahres noch zu versuchen, eine Publikation in "Nature" oder "Science" zu bekommen. Schade, aber Scheitern gehört eben zum Leben dazu. Und so schlecht ist meine aktuelle berufliche Position auch nicht, und selbst wenn ich einmal zum Wechsel gezwungen sein sollte, wird sich schon etwas finden.

Das bedeutet, dass ich erst jetzt wirklich Zeit gefunden habe nachzudenken.

Natürlich bin ich vielen als Denker bekannt. Dies ist keineswegs mein erstes Blogposting. Ich habe bereits mehr als tausend Blogpostings verfasst. Aber immer ging ich von gewissen Grundannahmen aus. Erst jetzt habe ich die geistige Unabhängigkeit und Muße gefunden, auch diese Grundannahmen in Frage zu stellen.

Ich bin von manchen kritisiert oder gar beschimpft worden, weil ich nach außen hin Meinungen vertreten habe, die sie nicht teilten. Das waren aber oft gar nicht Meinungen, die auf meinem Mist gewachsen waren. Sondern sie stammten eben aus meiner Familie, der Schule, den Medien usw. Teilweise habe ich versucht, mich an das anzupassen, was ich für die gesellschaftliche Norm hielt. Teilweise wurde ich auch einfach von meinem Vater gezwungen, bestimmte Meinungen im Internet zu äußern. Manche mögen es vielleicht nicht glauben, aber solange mein Vater lebte, hat er jede Gelegenheit genutzt, mir bei meinem Internetkonsum zuzusehen, und oft schrieb er mir vor, was ich zu schreiben hätte. Wer mir das nicht abnehmen will, gut, der glaube es eben nicht, aber es war so. Ich kann mir vorstellen, dass andere Väter anders sind, aber mein Vater war eben so.

Es kann sein, dass nun manche an meiner Loyalität (gegenüber wem oder was auch immer) zweifeln werden, weil es nun möglicherweise sein könnte, dass sich mein Denken radikal verändern wird und ich nun Meinungen vertreten werde, die komplett verschieden sind von dem, was ich bisher vertreten habe. Ich weiß, dass ich schon zu Lebzeiten meines Vaters in manchen Kreisen als "politisch unzuverlässig" galt. Das ist an sich für einen Menschen, der selbstständig denkt, nichts Ungewöhnliches.

Dieses Risiko gehe ich ein.

Mir ist Gedanken- und Meinungsfreiheit wichtiger als viele andere Dinge. Es gibt Menschen, die bereit sind, die Klappe zu halten, solange ihnen erlaubt wird, bestimmten Hobbys nachzugehen. Manche Menschen spielen lieber Computerspiele oder gehen lieber ins Kino als zu sagen, was sie denken, und verzichten lieber auf ihre Recht auf Meinungsäußerung als auf das, was ihnen offenbar Spaß macht.

Falls jemand glaubt, er könne mich unter Druck setzen: Es gibt wenig, womit er mich unter Druck setzen könnte (außer er wäre bereit, eine Straftat zu begehen). Mein Weblog liegt auf einem amerikanischen Server, Facebook ist ein amerikanisches Unternehmen, meine Homepage liegt auf einem niederländischen Server - ich glaube, ich brauche nicht mehr zu sagen.

Charakter

Eines möchte ich jetzt einmal in aller Deutlichkeit feststellen:

Ich bin ein Mensch, der bereit ist, andere Menschen zu unterstützen. Das ist in unserer Gesellschaft meiner Erfahrung nach keine Selbstverständlichkeit.

Ich habe das bisher noch nie so deutlich gesagt, aber angenommen, dass man aufgrund meiner Taten erkennen würde, dass ich so bin.

Es stellt sich die Frage, ob diese Annahme falsch war. Denn:
  1. Einen Menschen, der bereit ist, andere Menschen zu unterstützen, behandelt man normalerweise nicht schlecht.
  2. Ich wurde aber von anderen Menschen immer wieder schlecht behandelt.

Gedanken - Teil 2

Dieses Posting ist als Follow-up zum Posting "Gedanken" (http://cdvolko.blogspot.com/2018/06/gedanken.html) zu verstehen. Ich bitte darum, zuerst das Posting "Gedanken" zu lesen, denn aus dem Kontext gerissene Aussagen könnten möglicherweise falsch verstanden werden.

Ich glaube, dass nur wenige Angehörige meiner Generation ihre mit der Machtergreifung von Schwarz-Blau verbundenen Sorgen derart deutlich und nachvollziehbar artikuliert haben, wie ich das jetzt tue. Natürlich ist mir klar: Ich tue es viel zu spät. Wir schreiben das Jahr 2018. Die Machtergreifung von Schwarz-Blau war vor 18 Jahren. Hätte ich diese Gedanken vor 18 Jahren niedergeschrieben und veröffentlicht, hätte ich damit vielleicht viel mehr erreicht. (Oder auch nicht - vielleicht hätte ich mir selbst dadurch massiv geschadet.)

Ich glaube
1. dass ich keineswegs ein Einzelfall bin, sondern dass viele Angehörige meiner Generation ähnliche Sorgen hatten (wie mir ja auch in persönlichen Gesprächen immer wieder bestätigt wurde);
2. dass die jungen Leute aber aus verschiedenen Gründen ihre Sorgen nicht gewagt haben zu artikulieren, und zwar aus folgenden Gründen:
a. mangelndes Selbstbewusstsein,
b. Angst vor Repressalien,
c. teilweise auch einfach die Unfähigkeit, die Gedankengänge kohärent und nachvollziehbar niederzuschreiben (nicht jeder ist so schriftstellerisch begabt wie ich!).

Tatsache ist, dass die Machtergreifung von Schwarz-Blau zu einer Massenhysterie geführt hat; das habe ich in der Schule deutlich gemerkt, das Verhalten einiger Lehrer hat sich stark geändert. Tatsache ist ferner, dass meine Generation besonders betroffen war, weil wir eben zu jenem Zeitpunkt, als Schwarz-Blau an die Macht kam, die Matura machten. Wir standen also noch nicht im Berufsleben. Die Bedingungen, um einen Job zu bekommen, hatten sich schlagartig geändert (ein rotes Parteibuch war auf einmal - zumindest im Bund - wertlos).

Ich hatte zudem das Pech, einen Vater zu haben, der in seiner politischen Denkweise rechts der FPÖ angesiedelt war, in seinem ganzen Leben niemals Arbeitslosen- oder Sozialhilfe in Anspruch genommen und somit überhaupt kein Problem mit der Politik von Schwarz-Blau hatte; sie war ihm sogar eher zu milde.

Ich war erzogen worden, dass man seine Regierung stets unterstützen müsse; somit kam es mir zunächst nicht in den Sinn, mich einer Oppositionspartei anzuschließen. Ich glaubte eben, mich anpassen und bemühen zu müssen, besonders gute Leistungen zu erbringen. Ich vermied es, an der Politik der neuen Bundesregierung Kritik zu äußern, und schloss mich sogar einer ÖVP-nahen Fraktion der Österreichischen Hochschülerschaft an.

Ich kann mich erinnern, Studienkollegen (Mediziner!) gehabt zu haben, die offen die Meinung äußerten, sie fänden es gut, würde die Bundesregierung den Sozialstaat restlos abschaffen. Kritik an der Bundesregierung wurde damals allenfalls anonym in Internetforen geäußert.

Mit der Zeit kam ich freilich darauf, dass es einige Dinge gab, die ich nicht verstanden hatte:
1. Es gab natürlich immer noch Oppositionsparteien. Österreich war offiziell ja noch eine Demokratie.
2. Die Gemeinde Wien wurde von einer Partei beherrscht, die in Opposition zum Bund stand. Wollte man einen Posten in der Gemeinde Wien, wäre es also womöglich sogar von Vorteil gewesen, zur Bundesregierung in Opposition zu stehen.
3. Es gab auch innerhalb der Regierungsparteien mehrere Flügel. So gab es etwa in der ÖVP einen christlich-sozialen Flügel, der teilweise in Gegnerschaft zu Wolfgang Schüssel stand.
4. Auch die Professoren an der Medizinischen Universität Wien, obwohl beinahe ohne Ausnahmen der ÖVP angehörend, unterstützen keineswegs ohne Ausnahmen die von Schüssel, Unterberger und Konsorten vertretene Ideologie. Es gab Professoren, die sich ausdrücklich dagegen aussprachen, man möge "so schnell wie möglich" studieren. Zudem waren die Prüfungen teilweise übermäßig streng, was zwar auch nicht gerade im Interesse der Studierenden war, aber in gewissem Sinne auch eine Protestmaßnahme gegen Unterbergers Denkweise darstellte: Unterberger wollte (so habe ich ihn zumindest verstanden), dass die Universitäten möglichst schnell möglichst viele Absolventen produzieren. Wie am Fließband. Dagegen haben sich die Professoren gewehrt, indem sie Studenten durchfallen ließen und sie auf diese Weise ausgebremst haben. (Freilich könnte man das auch als - möglicherweise gezielte - Benachteiligung einzelner Studierender auffassen.)
5. Die SPÖ ist auch nicht so koscher, wie sie selbst tut. (Ich denke etwa an den Fall Gernot Rainer.)

Insgesamt glaube ich jedenfalls, dass Schüssel, Unterberger und Konsorten der Republik Österreich einen Bärendienst erwiesen haben. Denn die dramatische Verschlechterung der gesellschaftlichen Atmosphäre führt keineswegs zu Wirtschaftswachstum - nur ein Idiot mag das glauben.