Mittwoch, 31. Juli 2013

Union der Nordstaaten

Viele Politiker vertreten die Meinung, die Südstaaten der Europäischen Union seien nicht mehr tragbar, weil sie hoffnungslos überschuldet seien und die Nordstaaten für sie blechen müssen, was wiederum deren Wirtschaft schade. Mancherorts hört man daher, die Nordstaaten sollten aus der Europäischen Union austreten und eine eigene Union bilden.

Hierbei wird rein wirtschaftlich argumentiert, dabei geht es in der Europäischen Union eher um politische Dinge. Politisch gesehen könnte es aber in der Tat sinnvoll sein, eine Union der Nordstaaten zu bilden, wobei diese Union nach Osten erweitert werden könnte - konkret könnte auch die Russische Föderation Teil dieser Union werden. Ich werde nun begründen, warum ich diese Idee für gut halte.

Die Europäische Union wurde vor allem gegründet, um zu verhindern, dass Deutschland wieder auf die Idee kommen könnte, Frankreich militärisch anzugreifen. Die deutsch-französische Freundschaft war seit jeher das Leitmotiv der Europäischen Union. Dabei war Frankreich aber immer nur ein Nebendarsteller in den Konflikten, die zu den beiden Weltkriegen führten. Vielmehr waren die beiden Weltkriege in erster Linie deutsch-russische Konflikte. Deswegen ist es seltsam, warum - wenn die Europäische Union denn eine Frieden stiftende Funktion haben soll - ausgerechnet Russland nicht Teil dieser Europäischen Union ist.

Im Ersten Weltkrieg ermordete ein Serbe den österreichischen Thronfolger, daraufhin erklärte Österreich Serbien den Krieg. Es folgte die Kriegserklärung Russlands an Österreich, die wiederum Deutschland veranlasste, Russland den Krieg zu erklären. Im Vordergrund stand also der deutsch-russische Konflikt; die mit Russland alliierten Westmächte waren nur Nebendarsteller.

Ähnlich war es im Zweiten Weltkrieg. Da wollte Deutschland Gebiete im Osten gewinnen, also im damaligen Polen und der Sowjetunion. Auch hier war der Konflikt mit den Westmächten nur ein Nebenschauplatz.

So gesehen, ist die Freundschaft Deutschlands mit Russland das Entscheidende, wenn man verhindern will, dass es zu einem weiteren Konflikt dieser Art kommen könnte. Aus diesem Grund sollte man meines Erachtens eine politische Union mit Russland ernsthaft in Betracht ziehen.

Eine Union der Nordstaaten könnte folgende zwanzig Länder umfassen: Island, Großbritannien und Nordirland, Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Deutschland, Österreich, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Russland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, die Slowakei, Weißrussland und die Ukraine. Auf der Landkarte würde diese Union (ohne Island, das in diesem Ausschnitt nicht eingezeichnet ist) so aussehen:



Diese Länder haben zusammen etwa 420 Millionen Einwohner.

Selbstverständlich wäre das keineswegs eine Union ausschließlich wirtschaftlich erfolgreicher Staaten. Wie gesagt, geht es mir aber um politische Dinge und weniger um rein Wirtschaftliches.

Durch eine solche Union wäre der Frieden in Europa noch stärker gesichert als durch die derzeitige Europäische Union, die das entscheidende Manko hat, dass Russland nicht Mitglied von ihr ist.

Zwischenmenschliches

Ich habe mich oft gefragt, warum manche Leute (wohlgemerkt: hauptsächlich solche, die mich nur aus dem Internet kennen und mit denen ich nie persönlich zu tun gehabt habe) sagen, dass sie mich nicht mögen. Darüber habe ich jetzt wieder nachgedacht, weil ein Bekannter aus dem echten Leben mir heute gesagt hat, dass er mich für sehr nett hält, und mir eine hohe soziale Intelligenz attestiert hat. Einige Gedanken dazu:

Wenn manche Leute gesagt haben, dass sie mich für "böse" halten, oder versucht haben, mich so darzustellen, dann hat das immer dazu geführt, dass ich mich nach dem Warum gefragt habe. Ich konnte mir das gerade deswegen nicht erklären, weil ich mich doch immer bemüht hatte, den Anforderungen meiner Mitmenschen zu entsprechen, anstatt nur an mich selbst zu denken und nur das zu tun, was mir unmittelbar nützte. Manchmal habe ich geglaubt, dass die Leute einen falschen Eindruck von mir hätten. Inzwischen bin ich aber auf eine Idee gekommen, die mir wegen meiner früheren Naivität noch vor zehn Jahren gar nicht eingefallen wäre. Nämlich dass in Wirklichkeit diese Leute gar nicht so "gut" sind bzw. keinesfalls sie "die Guten" und ich "der Böse" bin, sondern eher umgekehrt. Nur wird das natürlich niemand von ihnen zugeben.

Als ich meine Homepage zu Beginn meiner Studienzeit ins Internet stellte (das ist nun auch schon über zehn Jahre her), meinte ein Bekannter aus dem IRC zu mir, die Leute hätten im Channel über meine Homepage diskutiert und keiner würde mich sympathisch finden. Vor allem sei es dumm von mir, öffentlich bekannt zu geben, dass ich mit einem Notendurchschnitt von 1,0 maturiert habe. Das zeige, dass ich mir zu wenig bewusst sei, dass ich nicht alleine auf der Welt bin.

Diese Aussagen muss man analysieren. Wenn ich sie richtig verstanden habe, heißt das, dass die Leute auf mich wegen meiner schulischen Erfolge neidisch gewesen sind. Dann mag ich vielleicht dumm gewesen sein, weil ich nicht bedacht habe, dass meine Homepage bei den anderen Menschen Neid erwecken könnte, aber wer hat denn in diesem Fall moralisch verwerflich gehandelt: derjenige, der den Neid erweckt hat, oder derjenige, der auf den Anderen neidisch geworden ist und ihm seine Erfolge missgönnt hat?

Jedenfalls ist klar: Auch wenn man moralisch im Recht ist, kann man nichts gegen eine Masse von moralisch falsch handelnden Menschen ausrichten. Letzten Endes sind Letztere zusammen die Stärkeren.

Meine Naivität oder "Dummheit" mag wohl damit zusammenhängen, dass ich vermutlich in einem Umfeld sozialisiert worden bin, das für die Gesamtheit der Gesellschaft nicht repräsentativ sind. Alle Mitschüler sehr nett, recht intelligent und durchaus an Bildung interessiert. Die Erfahrung, dass mir jemand meine Erfolge missgönnt hätte, habe ich nie gemacht. Ich glaubte zwar manchmal, meine Schulklasse hätte kein allzu hohes Niveau, aber im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung hatte sie es offenbar sehr wohl.

Dienstag, 30. Juli 2013

Das Bildungsniveau der Bevölkerung

Wenn man - wie es manche Beobachter tun - sagt, das allgemeine Bildungsniveau sei in den letzten Jahren und Jahrzehnten gesunken, dann beruht dieses Urteil meines Erachtens auf einer oberflächlichen (beurteilt wurden wahrscheinlich nur bestimmte Komponenten der Bildung, wie Rechtschreib- und Rechenkenntnisse, und nicht das Wissen über neue Dinge, das vor einigen Jahrzehnten noch gar kein Thema war, wie Computer) und einseitigen (nur aufgrund des möglicherweise niedrigeren Niveaus der Studienanfänger wurde eine Aussage über die Gesamtbevölkerung getroffen) Analyse, und das Urteil ist höchstwahrscheinlich sogar falsch, denn ich vermute, dass das allgemeine Bildungsniveau im Verlauf der Zeit eher zugenommen hat.

Tatsache ist, dass immer mehr Menschen hierzulande einen höheren Bildungsabschluss erreichen. Es ist also zumindest das Streben nach höherer Bildung in weiten Teilen der Bevölkerung vorhanden. Nun mag freilich das durchschnittliche Niveau heutiger Maturanten niedriger sein als früher, als nur eine kleine Elite der Bevölkerung überhaupt Matura machte. Das ist auch nicht unlogisch, schließlich hat die grundsätzliche geistige Leistungsfähigkeit der Bevölkerung, selbst wenn James Flynn Recht hat, im Lauf der Jahrzehnte nur geringfügig zugenommen. Wenn heute viel mehr Menschen Matura machen als vor zwanzig, dreißig Jahren, dann ist anzunehmen, dass darunter auch solche sein werden, deren geistige Leistungsfähigkeit den Anforderungen der Matura früher nicht entsprochen hätte.

Für viele Menschen scheint es heutzutage aber für ihr Selbstwertgefühl wichtig zu sein, einen akademischen Abschluss zu haben. Die Universitäten haben einen geschickten Weg gefunden, wie man relativ vielen Menschen einen solchen Abschluss ermöglichen kann, ohne dass das Niveau der Absolventen mit Diplom oder Doktorat darunter leidet: Durch den Bologna-Prozess wurden ja die Bachelor-Abschlüsse eingeführt, und diese werden nun genutzt, um das grundlegende Bedürfnis nach einem akademischen Abschluss zu stillen. Die Anforderungen an ein Diplom sind in Folge dessen aber keineswegs gesunken, ganz im Gegenteil! Ein Diplom in Informatik beispielsweise ist heutzutage mit weit höherem Aufwand verbunden als vor zwanzig Jahren. Das kann man bereits durch den Vergleich der Studienpläne erkennen; während früher ein Diplomstudium der Informatik laut Gesetz nur 160 Semesterwochenstunden Umfang haben musste (was im Vergleich zu anderen Studienrichtungen immer noch viel war; Wirtschaftsinformatiker zum Beispiel mussten nur 100 bis 130 Semesterwochenstunden absolvieren), kommt man heute mit Bachelor und Master auf insgesamt 200 Semesterwochenstunden an Lehrveranstaltungen, über die man Prüfungen ablegen muss [1]. Die Studienpläne an der TU Wien wurden zudem in den letzten Jahren mehrmals verschärft; wer heute mit dem Informatik-Master-Studium "Computational Intelligence" anfängt, muss schon eine große Zahl an Pflicht-Lehrveranstaltungen bewältigen, die ich noch nicht unbedingt machen musste - ich konnte mir noch die meisten Fächer entsprechend meiner Interessen frei aussuchen (sofern sie zum Thema des Studiums passten und im Katalog des Studiengangs enthalten waren).

Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch anmerken, dass in meinem sozialen Umfeld, von Kindergarten über Volksschule und Gymnasium bis zur Uni, alle "Peers" (Mitschüler und Kommilitonen) einen akademischen Abschluss angestrebt haben. Nur durch den österreichischen Hochintelligenzverein habe ich überhaupt Menschen kennen gelernt, die diese Ambitionen weder für sich noch für ihre Kinder hatten. Sollte ich jemandem "strange" erscheinen, dann wird er vielleicht in einem anderen Milieu sozialisiert worden sein als ich; für mich sind jedenfalls Menschen ohne akademische Ambitionen "strange"!

[1] Vgl. http://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblPdf/1997_48_1/1997_48_1.pdf

Autismus

Im Mai dieses Jahres wurde die fünfte Auflage des "Diagnostic and Statistic Manual of Mental Disorders" der American Psychiatric Association (DSM-5) veröffentlicht. Darin findet sich die Diagnose "Asperger-Syndrom" nicht mehr. Statt dessen gibt es nun für alle Formen von Autismus die einheitliche Diagnose "autism spectrum disorder" [1]. Ich sehe das mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Einerseits fand ich den Trend bedenklich, dass Medienberichten zufolge in den letzten zehn bis zwanzig Jahren in der westlichen Welt bei Kindern und Jugendlichen immer häufiger durch Ärzte und offenbar auch durch Psychologen die Diagnose "Asperger-Syndrom" gestellt wurde. In den Ohren eines Laien klingt "Asperger-Syndrom" nach einer besonders schweren Erkrankung. Auch wenn der Begriff "Syndrom" eigentlich nur das gleichzeitige Zusammentreffen mehrerer Auffälligkeiten bezeichnet und das Vorliegen eines Syndroms allein noch keinen Krankheitswert haben muss, erweckt die Bezeichnung "Asperger-Syndrom" Assoziationen mit in der Tat recht schwerwiegenden Zuständen wie "Down-Syndrom", "Tourette-Syndrom" oder "Borderline-Syndrom". Kinder und Jugendliche, bei denen das "Asperger-Syndrom" diagnostiziert worden ist, sind daher gesellschaftlich stigmatisiert. Das ist besonders deswegen problematisch, weil diese Kinder und Jugendliche in vielen Fällen überdurchschnittlich intelligent sind und viel Potenzial hätten, es zu etwas zu bringen - Potenzial, das aufgrund einer solchen Diagnose möglicherweise ungenutzt bleiben könnte. Deswegen sehe ich es mit einem lachenden Auge, dass das DSM-5 das "Asperger-Syndrom" nicht mehr kennt.

Andererseits besteht die Gefahr, dass Kinder und Jugendliche, bei denen früher das "Asperger-Syndrom" diagnostiziert worden wäre, nun die Diagnose "autism spectrum disorder" erhalten könnten. Vom Regen in die Traufe! Aus diesem Grund das weinende Auge.

Nun betrifft aber das DSM-5 in erster Linie den amerikanischen Raum, während in Europa neurologische und psychiatrische Diagnosen häufiger nach der "International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems" (ICD) gestellt werden. Die aktuelle Fassung ist ICD-10, Version 2013. Und diese kennt nach wie vor ein "Asperger-Syndrom". Die Diagnose kann hierzulande also auch weiterhin gestellt werden.

Laut [2] wird das "Asperger-Syndrom" in ICD-10, Version 2013, wie folgt definiert:

"Diese Störung von unsicherer nosologischer Validität ist durch dieselbe Form qualitativer Abweichungen der wechselseitigen sozialen Interaktionen, wie für den Autismus typisch, charakterisiert, zusammen mit einem eingeschränkten, stereotypen, sich wiederholenden Repertoire von Interessen und Aktivitäten. Die Störung unterscheidet sich vom Autismus in erster Linie durch fehlende allgemeine Entwicklungsverzögerung bzw. den fehlenden Entwicklungsrückstand der Sprache und der kognitiven Entwicklung. Die Störung geht häufig mit einer auffallenden Ungeschicklichkeit einher. Die Abweichungen tendieren stark dazu, bis in die Adoleszenz und das Erwachsenenalter zu persistieren. Gelegentlich treten psychotische Episoden im frühen Erwachsenenleben auf."

Wenigstens wird in dieser Definition offen "von unsicherer nosologischer Validität" gesprochen. Diese Formulierung wurde wohl absichtlich gewählt, weil sie schwer verständlich ist. Selbst mir ist nicht ganz klar, ob "unsichere nosologische Validität" nur bedeutet, dass nicht klar ist, ob das "Asperger-Syndrom" ein eigenständiges Krankheitsbild ist (und nicht einfach eine spezielle Ausprägungsform einer anderen Krankheit), oder ob man diese Formulierung nicht auch so interpretieren könnte, dass gar nicht klar ist, ob es dieses Krankheitsbild überhaupt gibt (bzw. ob es Krankheitswert hat, wenn eine Person der Beschreibung entsprechende Auffälligkeiten aufweist). Jedenfalls ist ganz klar: Ein Arzt oder Psychologe, der die Diagnose "Asperger-Syndrom" stellt, stellt eine Diagnose "von unsicherer nosologischer Validität". Ich persönlich würde aus diesem Grund, wenn ich auf der Neurologie oder auf der Psychiatrie als Arzt arbeiten sollte, diese Diagnose gar nicht stellen (sofern ich die Wahl hätte und mein übergeordneter Oberarzt oder Primar nicht anderer Meinung wäre).

Mir scheinen Personen, bei denen manche die Diagnose "Asperger-Syndrom" stellen würden, einfach ungewöhnliche Persönlichkeitstypen zu sein - Menschen, die sich mit bestimmten Themen intensiver als andere beschäftigen, wohl aufgrund dieser Bevorzugung intensiver solitärer Beschäftigung mit Sachthemen seltener in Situationen geraten, in denen sie mit anderen Menschen interagieren müssen, und deswegen eventuell weniger Erfahrung im Umgang mit Menschen haben als die meisten Gleichaltrigen. Muss das etwas Schlechtes sein? Man bedenke: Nicht zuletzt wird auch berühmten Wissenschaftlern wie Albert Einstein nachgesagt, "Asperger-Autist" gewesen zu sein. Wenn Einstein sich nicht intensiv im stillen Kämmerlein mit anspruchsvollen Fragestellungen der Physik beschäftigt hätte, hätte er wohl nie die Allgemeine Relativitätstheorie entwickelt und auch keine seiner übrigen Spitzenleistungen erbracht. Angesichts dessen ist es sehr bedenklich, wenn bei einem Kind eine Diagnose wie "Asperger-Syndrom" gestellt wird und dem Kind dadurch womöglich, weil es von diesem Zeitpunkt an offiziell als "behindert" gilt, die Möglichkeit genommen wird, wie Einstein Physik (oder eine andere wissenschaftliche Disziplin) zu studieren - vielleicht hätte es eine bahnbrechende Entdeckung gemacht, die der ganzen Menschheit zu Gute gekommen wäre.

[1] http://www.dsm5.org/Documents/Autism%20Spectrum%20Disorder%20Fact%20Sheet.pdf
[2] http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-gm/kodesuche/onlinefassungen/htmlgm2014/block-f80-f89.htm#F84.5

Schutz vor Willkür

In der Politik herrscht babylonische Sprachverwirrung. Das hat damit zu tun, dass es keine einheitliche Sprachregelung gibt. Verschiedene Begriffe werden völlig unterschiedlich interpretiert. Beispielsweise verstehen die einen unter einem "Rechten" einen Nationalisten und die anderen einen Anhänger der freien Marktwirtschaft.

Deshalb ist es wichtig, die Begriffe zuerst zu definieren, bevor man von ihnen spricht, wie ich es im Fall des Liberalismus im Artikel [1] getan habe.

Was ich heute schreiben wollte:

Klassisch Liberale treten vor allem für die Freiheit des Individuums vor staatlicher Willkür ein. Sei es zum Beispiel, dass sie dagegen eintreten, dass jedes Individuum aus beliebigen Gründen festgenommen werden kann, ohne dass ein konkreter Verdacht in Bezug auf den Verstoß gegen ein Gesetz besteht. Auch diejenigen, die sich gegen die Wehrpflicht einsetzen, handeln im Sinne des Klassischen Liberalismus.

Aber warum beschränkt sich der Klassische Liberalismus nur auf den Staat als den großen "Gegner"? Können nicht auch in Privatunternehmen die Chefs bisweilen Willkür walten lassen? Wäre das nicht auch etwas, das man bekämpfen sollte?

In Privatunternehmen gibt es für diesen Zweck ja Gewerkschaften. Diese assoziiert man meist jedoch eher mit der Sozialdemokratie als mit dem Liberalismus. So gesehen, ist die Sozialdemokratie aus meiner Sicht aber durchaus als eine sinnvolle Weiterentwicklung des Liberalismus zu betrachten.

Ich weiß nicht, ob es eine politische Richtung gibt, die sich den Schutz vor jeglicher Art von Willkür an die Fahnen geheftet hat. Aber wenn es eine solche gibt, dann könnte ich mir vorstellen, Anhänger dieser politischen Richtung zu werden.

In diesem Zusammenhang sei gesagt, dass laut Wikipedia Willkür in Deutschland, Liechtenstein und der Schweiz verboten ist. Von Österreich steht in diesem Artikel aber nichts. Ist Österreich in dieser Beziehung anders? Oder handelt es sich nur um eine Lücke in diesem Artikel? [2]

[1] http://www.hugi.scene.org/adok/articles/liberalismus-versus-sozialdarwinismus.htm
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Willk%C3%BCr_(Recht)

Montag, 29. Juli 2013

Der Umgang mit Menschen

Den richtigen Ton im Umgang mit anderen Menschen zu finden, gehört wahrscheinlich zu den größten Herausforderungen des Alltags. Manche werden vielleicht meinen, dass ihnen das nicht schwer fällt, aber Hand aufs Herz: Wer kann von sich wirklich behaupten, mit jedem Menschen richtig umgehen zu können, egal in welcher Lebenslage? Welcher Mann meint wirklich, es mit jeder x-beliebigen Frau jahrelang in einem gemeinsamen Haushalt aushalten zu können? Die hohe Scheidungsrate hier in Wien - zwei Drittel aller Ehen werden geschieden - zeigt, dass das in der Tat nicht so leicht ist, wie man vielleicht meinen möchte.

Für mich war die Mitgliedschaft im österreichischen Hochintelligenzverein vor allem wertvoll, um ein relativ breites Spektrum an Menschen kennen zu lernen und so Erfahrungen im Umgang mit verschiedenen Menschen zu sammeln. Dabei muss man aber bedenken, dass die Vereins-Mitglieder, auch wenn es in diesem Verein sehr viele verschiedene Berufsgruppen gibt, von der Hausfrau bis zum Universitätsprofessor, doch einen recht speziellen Menschentyp darstellen. Man kann davon ausgehen, dass die meisten diesem Verein beigetreten sind, weil sie schwarz auf weiß bestätigt haben wollten, dass sie überdurchschnittlich intelligent sind. Für viele ist das auch noch nicht genug, sie haben noch größere Ambitionen, wie einen Doktortitel oder gar den Nobelpreis. Viele machen die Erfahrung, dass sie trotz ihrer verbrieft hohen kognitiven Begabung an ihren Vorhaben scheitern, und so erklärt es sich auch, warum Mitglieder des österreichischen Hochintelligenzvereins oft denen neidisch gegenüber stehen, die das erreicht haben, was sie eigentlich selbst erreichen wollten.

Andere Menschen außerhalb des Vereins ticken womöglich anders. Diese Menschen muss man auch kennen lernen, wenn man vorhat, in einem Beruf zu arbeiten, in dem man nicht nur einen bestimmten, wohlbekannten Menschentyp antreffen wird, etwa im Beruf des Arztes. Andererseits laufen auch in solchen Berufen die Interaktionen meistens mehr oder weniger formalisiert ab, so dass man auch bei beschränkter Erfahrung im Umgang mit Menschen in einem solchen Beruf einigermaßen gut zurecht kommen kann. Nur Laien glauben, dass es die wichtigste Voraussetzung für das Ergreifen des Arztberufs sei, gut mit Menschen umgehen zu können.

Computergrafik

Warum ich mich nie ernsthaft mit Computergrafik beschäftigt habe:

Computergrafik hat nicht nur eine technische, sondern auch eine ästhetische Komponente, und die Beurteilung dieser Komponente ist subjektiv. Zwar kann man Grafik-Demos auch nach objektiven Kriterien beurteilen, wie der Frame-Rate oder der Anzahl der gleichzeitig bewegten Objekte. Entscheidend ist aber der subjektive ästhetische Eindruck, und ich persönlich bin nicht bereit, mich einem System zu unterwerfen, in dem die Leistung nicht ausschließlich nach rein objektiven Kriterien beurteilt wird.

Dass ich etwas kann, auch wenn ich wegen meines Desinteresses an Computergrafik in der Demoszene bisweilen als "Lamer" betrachtet werde, habe ich schon zu diversen Anlässen unter Beweis gestellt. In Size-Optimizing-Wettbewerben erfolgt die Bewertung völlig objektiv, das entscheidende Kriterium ist die Größe des Code. Als ich anno 1998 als 14-jähriger an einem solchen Wettbewerb teilnahm, stellte sich heraus, dass meine Lösung diejenige mit dem kleinsten Programmcode von allen war, und so war ich der Sieger in diesem Bewerb.

In diesem Zusammenhang sei gesagt, dass hier in Österreich zur Aufnahme an einer Kunstuniversität der Nachweis künstlerischer Begabung erbracht werden muss. Auch hier ist schwerlich vorstellbar, dass das rein objektiv vonstatten geht. Für einen in der Forschung tätigen Psychologen mag es freilich ein interessantes Betätigungsfeld sein, Tests zur Messung künstlerischer Begabung oder Kreativität zu entwickeln.

Lebenserfahrungen

Manche Menschen mögen schon Recht haben, wenn sie sagen, dass sie Erfahrungen in ihrem Leben gemacht haben, die ich (noch) nicht gemacht habe. Umgekehrt gilt es aber auch. Vor allem habe ich durch mein Medizinstudium die Erfahrung gemacht, was es heißt, jemandem ausgeliefert zu sein, dem man selbst egal ist. Denn die Professoren an der Medizinischen Universität prüfen nur, weil es ihre Pflicht ist. Welche Note sie dem einzelnen Kandidaten geben, ist für sie ohne Konsequenzen. Wenn sie schlecht gelaunt sind, können sie den Studenten so streng prüfen, dass er versagt und durchfällt, auch wenn er noch so gut vorbereitet ist. Das alles hat für sie keine Konsequenzen, die Universität ist im Streitfall eher auf ihrer Seite. Ein Student muss schon wirklich das Kind einer besonders einflussreichen Persönlichkeit sein, damit die Prüfer Angst davor haben könnten, ihn ungerecht zu beurteilen, und er selbst keine Furcht vor der Prüfung haben muss.

Das ist anders als in der Schule. In der Schule hatten wir doch überwiegend engagierte Lehrer, die ihren Beruf ernst nahmen. Ihnen war daran gelegen, den Schülern etwas beizubringen. Die Schüler waren ihnen nicht egal. Die Noten betrachteten sie auch als Feedback über die Qualität des Unterrichts. Aber gut, vielleicht hatte ich das Glück, eine ungewöhnlich gute Schule besucht zu haben. Jedenfalls bin ich mir sicher, dass ich nicht der Einzige bin, der erst nach der Schullaufbahn die Erfahrung des Ausgeliefertseins gemacht hat, und dass viele in ihrem ganzen Leben keine vergleichbare Erfahrung gemacht haben.

Mir ist jedenfalls auch klar geworden, dass es nicht nur einige wenige Menschen gibt, für die Religion eine besondere Bedeutung hat, sondern sogar sehr viele. Religion gibt eine scheinbare Sicherheit in einer Welt voller Unsicherheiten. Damit hat Religion eine ähnliche Funktion wie kognitive Begabung, denn auch kognitive Begabung erlaubt es in begrenztem Umfang, Voraussagen über die Zukunft zu machen. Der in der Bevölkerung verbreitete Glaube daran, dass alle Erfolge und Misserfolge auf die Intelligenzhöhe eines Menschen zurückzuführen seien, ist nicht zuletzt auch eine Art Religion.

Man bedenke zudem, dass Freiheit eine Illusion ist. Die Marxisten haben vielleicht gar nicht so unrecht, wenn sie sagen, dass Freiheit die Einsicht in eine Notwendigkeit sei; denn de facto ist es doch oft so, dass wir von Gesetz wegen zwar die freie Wahl hätten, doch eine der beiden Optionen mit derartigen Nachteilen verbunden wäre, dass sie praktisch ausscheidet. Es ist also eine Quasi-Notwendigkeit, sich für die andere Option zu entscheiden. Ein Beispiel ist die Entscheidung, ob man nach Absolvieren der Schulpflicht weiter in der Schule bleibt und für die Matura lernt oder ob man die Schule abbricht. Die Schule abzubrechen ist zwar eine mögliche Option, doch ist sie mit so vielen Nachteilen verbunden, dass sich jeder einigermaßen vernünftige Mensch für den weiteren Schulbesuch entscheidet. Genauso ist es mit dem Abbruch eines Studiums und mit vielen anderen Dingen im weiteren Leben eines Menschen.

Die Goldene Ära der Videospiele

Mein Eintritt in die Volksschule fiel zeitlich zusammen mit dem Beginn der "Goldenen Ära der Videospiele". Diese Ära endete 1995 mit dem Erscheinen der "Next Generation"-Konsolen, wodurch sich der Schwerpunkt auf Spiele mit dreidimensionaler Grafik verlagerte. 3D-Spiele haben mich nie begeistert, aber die Spiele der späten 8-bit- und der 16-bit-Ära, die zwischen 1989 und 1995 erschienen sind, haben mir sehr gefallen, und ich spiele sie auch heute noch, wenn ich nichts Besseres zu tun habe.

Diese Zeit zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass viele Ideen zum ersten Mal umgesetzt wurden. Dadurch herrschte ein hoher Innovationsgrad vor, was in großem Gegensatz zu den heutigen Spielen steht, die meistens nur Neuimplementierungen bekannter Konzepte darstellen.

Die Grundsteine für manche Spiele-Serien, wie beispielsweise Super Mario, Castlevania oder Mega Man, waren zwar bereits Mitte der 1980er Jahre gelegt worden, aber die Fassungen der frühen 1990er Jahre wiesen eine deutlich höhere Komplexität auf. In Super Mario Bros. 3 und Super Mario World etwa wurde nicht mehr stur von links nach rechts gescrollt, sondern man konnte sich nun auch vertikal bewegen; zudem war der Spielablauf nicht mehr linear, denn man konnte auf der Karte wandern und die einzelnen Levels in unterschiedlicher Reihenfolge betreten. Auch die anderen etablierten Serien, von denen neue Teile erschienen, wiesen solche Innovationen auf.

Völlig neu waren jedoch taktische Rollenspiele wie Fire Emblem oder Shining Force, Rennspiele wie F-Zero oder Super Mario Kart, echte Strategiespiele wie Sim City oder Civilization (die ursprünglich vom Computer kamen und für das tendenziell jüngere Zielpublikum der Konsolen speziell aufbereitet wurden), technisch aufwändige Shooter wie Axelay, Jump'n'Runs mit ungewöhnlichem Tempo wie Sonic usw.

Mir persönlich genügen die Videospiele der damaligen Ära. An neueren Spielen bin ich nur in geringem Ausmaß interessiert. Ich denke, dass auch heutige Kinder mit den 16-bit-Spielen viel Spaß haben könnten - nur werden die meisten wahrscheinlich aufgrund des Gruppendrucks an den Schulen darauf bestehen, dass ihnen Papi eine möglichst moderne Konsole anschafft.

Jedenfalls sind Videospiele meines Erachtens eines der besten Beispiele dafür, welche Chancen die Globalisierung bietet. Denn in Videospiele fließen viele Erfindungen ein, die aus ganz unterschiedlichen Erdteilen stammen. Die zugrunde liegende Computertechnik wurde ursprünglich in Europa entwickelt und in Nordamerika perfektioniert. Die Spiele selbst werden hauptsächlich in Japan, also in Ostasien, entwickelt. Und die Musik ist auf afrikanische Einflüsse zurückzuführen.

In einer Welt ohne Globalisierung, in der jedes Land für sich alleine lebte, gäbe es vermutlich keine Videospiele. Somit stellen diese Spiele ein wunderschönes Beispiel dafür dar, dass Globalisierung nicht nur negativ zu sehen ist.

Sonntag, 28. Juli 2013

"Studium zweiter Wahl"

In einem Forum meinte jemand, Informatik sei ein "Studium zweiter Wahl". Wenn dem so wäre, dann fragte ich mich, was ein Studium erster Wahl wäre? Vielleicht Mathematik oder Physik? Denn laut amerikanischen Statistiken sind Physikstudenten die Studenten mit dem im Schnitt höchsten IQ, gefolgt von den Mathematikstudenten. Aber an dritter Stelle kommen bereits die Informatikstudenten. So gesehen, halte ich die Aussage, Informatik sei ein "Studium zweiter Wahl", für sehr fragwürdig.

Man bedenke zudem, dass Computer heutzutage überall eine Rolle spielen, egal in welchem Wirtschaftszweig. Überall braucht man Leute, die sich mit Computern gut auskennen. Mir erscheint Informatik aus diesem Grund ein sehr universelles Studium zu seien, also alles andere als ein "Studium zweiter Wahl". Sicherlich ist man als studierter Informatiker aber für viele Positionen in der EDV überqualifiziert, weil dafür eine Lehre oder eine HTL völlig ausreichen würde und die Theorie, die man im Studium lernt, nicht in diesem Umfang gebraucht wird. Doch schaden kann es keinesfalls, wenn man die Theorie beherrscht.

Freitag, 26. Juli 2013

Schockerlebnisse

Es ist immer wieder interessant, manchmal auch amüsant, zu welchen Schockerlebnissen es kommt, wenn Leute etwas ihr ganzes Leben lang für wahr gehalten haben und sich dann herausstellt, dass die vermeintliche Wahrheit eine Scheinwahrheit war.

Anstatt über andere Personen herzuziehen, gedenke ich aber, zunächst so fair zu bleiben, dass ich in erster Linie über meine eigenen Schockerlebnisse dieser Art sprechen werde. Früher dachte ich, kognitive Begabung hätte etwas mit Rechtschreibung zu tun. So war ich schockiert, als ich feststellte, dass es im österreichischen Hochintelligenzverein Leute gibt, die ich aufgrund ihrer mangelhaften Rechtschreibkenntnisse früher niemals für intelligent gehalten hätte. Aber ich habe rasch gelernt (was manche anscheinend bis heute nicht begriffen haben), dass es unzulässig ist zu glauben, alle Menschen wären im Großen und Ganzen ähnlich sozialisiert worden. Es gibt zum Beispiel Eltern, die ihre Kinder gar keine Bücher lesen lassen und statt dessen schauen, dass die Kinder ständig mit praktisch-handwerklichen Tätigkeiten beschäftigt sind. Dann ist natürlich klar, dass sich solcherart erzogene Menschen als Erwachsene gewaltig von jenen unterscheiden, die schon von klein auf immer sehr belesen waren, selbst wenn sie alle etwa die gleiche Intelligenzhöhe haben. Aber es reicht auch, einen Vereins-Kollegen zu zitieren, um den Unterschied deutlich zu machen. Er meinte: "Ich kenne auch Akademiker, aber die sind nicht intelligent." Das Entscheidende bei dieser Aussage ist das Wort "auch" - denn ich beispielsweise kenne (im echten Leben, außerhalb des Vereins) fast nur Akademiker.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch darauf eingehen, dass manche Akademiker Mediziner nicht für intellektuell halten. Ich finde diese Verallgemeinerung unzulässig. Sicher gibt es viele Mediziner, die nur auswendig gelernt haben und so durch die Prüfungen gekommen sind, aber es gibt sehr wohl auch solche, die sich eigene Gedanken machen. Zudem sind sich Akademiker anderer Studienrichtungen oft gar nicht im klaren, wie hart das Medizinstudium tatsächlich ist - erst unlängst zeigte sich ein Gesprächspartner (viele Grüße!) darüber verwundert, als ich ihm erzählte, dass man im Medizinstudium für gewöhnlich schon durchfliegt, wenn man in der mündlichen Prüfung eine einzige Frage nicht beantworten kann.

Ich erinnere mich auch, wie eine Vereins-Kollegin, eine ältere Dame, die damals schon in Pension war, überrascht war, als ihr kolportiert wurde, jemand hätte im Diskussionsforum des Vereins "rechtes" Gedankengut vertreten - nie hätte sie gedacht, dass es auch Leute mit solchen Ansichten innerhalb des Vereins gäbe. Dabei war sie schon seit den 1960er Jahren in diesem Verein Mitglied. Auch das war wohl ein Schockerlebnis. Dabei war es wohl vor allem auf ihre eigene Naivität zurückzuführen. Denn in der Vereinszeitschrift des österreichischen Hochintelligenzvereins hatten einige leitende Redakteure immer wieder Artikel gebracht, die entweder ausländerkritisch waren oder auf sonstige Weise dem gesellschaftlichen Konsens der "political correctness" widersprachen. Vermutlich verfügte die Vereins-Kollegin aber über zu wenig Bildung im Bereich politische Philosophie und wohl auch über zu wenig Interesse an der Thematik, als dass es ihr aufgefallen wäre.

In der Tat gehen viele Mitglieder des österreichischen Hochintelligenzvereins davon aus, dass alle Mitglieder ihren Idealvorstellungen entsprächen, was immer das auch wäre - zum Beispiel, dass Mitglieder dieses Vereins besonders ordentlich oder anständig wären. Dadurch, dass es in diesem Verein früher nur gelegentlich Treffen gab, hat man die Ansichten der einzelnen Mitglieder nicht so gründlich kennen lernen können. So ist es eben zu verstehen, warum auch langjährige Mitglieder ihren naiven Idealvorstellungen treu blieben. Erst die Foren, die es ab dem Jahr 2004 gab, zeigten deutlicher die Unterschiede zwischen den Mitgliedern und ihren individuellen Lebenswelten.

Ich finde das durchaus reizvoll, auch wenn es immer wieder ärgerlich ist, wenn einmal irgendjemand aus irgendwelchen Gründen glaubt, seine persönlichen Ansichten wären die einzig richtigen und alle anderen müssten sie übernehmen.

In diesem Zusammenhang sei auch gesagt, dass viele, die neu zu diesem Verein kamen, berichteten, früher immer die Erfahrung gemacht hatten, die intelligentesten zu sein, egal in welchem Milieu sie sich bewegten, und es ein ganz neues Erlebnis für sie war, in diesem Verein nur mehr einer von vielen zu sein. Das war bei mir anders! Ich habe schon vor meinem Beitritt zu diesem Verein sehr intelligente Leute gekannt, jedoch waren die meisten davon hochspezialisierte Computerfreaks, mit denen man sich über andere Themen schlecht unterhalten konnte. Im Verein fand ich dann auch reizvoll, dass man dort zu jedem Thema einen Gesprächspartner fand. Man sollte aber bedenken, dass ich dem Verein beigetreten bin, als ich 18 war. Da war ich noch recht jung. Ein anderes Mitglied mit einer ähnlichen Bildungs-Biografie wie ich trat dem Verein erst jetzt, mit 30, bei. Wie er schockiert war über die anderen Vereins-Mitglieder! Da stellte doch glatt ein Mitglied beim Vortrag über die Hominidenevolution die Frage, wie die verschiedenen Hautfarben entstanden seien - mein Kollege: "Das weiß man doch!" In der Tat, Wissen und kognitive Begabung sind eben zwei verschiedene Dinge. Intelligenztests messen nur die Denkfähigkeit. Sie messen nicht einmal, ob jemand davon Gebrauch macht. Man bedenke: Was ist, wenn sich jemand immer für dumm gehalten hat und auch von der Umwelt für dumm gehalten worden ist und sich deswegen nie mit geistig anspruchsvollen Dingen beschäftigt hat? Wenn so jemand dann im Alter von 50 Jahren einen Intelligenztest macht und so gut abschneidet, dass er dem Verein beitreten kann - ja, dann ist doch klar, dass so jemand selbst gegenüber Jüngeren, die sich ihrer Begabung stets bewusst waren und geistige Herausforderungen nie gescheut haben, im Hintertreffen sein wird! Dementsprechend darf man sich von Vereinen wie diesem auch nicht zu viel erwarten; natürlich, kognitive Begabung alleine, die Fähigkeit, Wissen zu verarbeiten, ist noch nicht viel wert, wenn es an Wissen mangelt, das man verarbeiten kann.

Dienstag, 23. Juli 2013

Das Allmachts-Paradoxon

Verschiedene Leute haben schon auf mehr oder wenige dilettantische Weise versucht, die Existenz eines allmächtigen höheren Wesens zu beweisen. Ich kann jedenfalls klar zeigen, dass die Annahme, ein Wesen sei allmächtig, zu einem Widerspruch führt, also paradox ist:

Nehmen wir an, der Allmächtige hat keine rechte Freude an der Menschheit mehr und beschließt: "Es soll keine Menschen mehr geben, und dieser Wunsch ist unwiderruflich." Die Menschen verschwinden vom Erdboden - und der Allmächtige verspürt Reue: "Eigentlich wäre es doch besser, wenn es wieder Menschen gäbe." Da der Allmächtige aber zuerst beschlossen hat, dass sein Wunsch, dass es keine Menschen mehr geben sollte, unwiderruflich ist, haben wir hier einen Widerspruch: Entweder ist der Wunsch unwiderruflich, dann hat sich der Allmächtige in seiner Macht selbst beschränkt, denn er kann ihn nicht rückgängig machen. Oder der Wunsch ist doch nicht unwiderruflich, dann heißt das aber, dass der Allmächtige nicht in der Lage ist zu bestimmen, dass etwas unwiderruflich sei - somit ist der Allmächtige doch nicht zu allem mächtig.

Kurz gesagt: Wenn jemand allmächtig ist, dann muss es auch in seiner Macht stehen, seine eigene Macht zu begrenzen. Tut er dies, ist er jedoch nicht mehr allmächtig. Dies ist ein Widerspruch, ein Paradoxon.

Ich nehme an, dass es schon vor mir jemanden gegeben haben wird, der auf diese Erkenntnis gekommen sein wird. Aber durch die Macht und gesellschaftliche Verankerung gewisser Institutionen wird solchen logischen Argumenten natürlich wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Eine Google-Recherche ergab, dass ich tatsächlich nichts Neues entdeckt habe: Mein Gedankengang ist sogar unter der von mir selbst gewählten Bezeichnung "Allmachts-Paradoxon" bekannt, und Wikipedia enthält eine Seite, die sich damit beschäftigt.

Popperschule

An die Popperschule habe ich nun eine Anfrage geschickt, weil ich selbst keine Popper-Absolventen kenne, die als Assistenten oder Assistentinnen an der Universität arbeiten und die Habilitation anstreben. Wenn es wirklich so ist, wie ich vermute, dass familiäre und persönliche Beziehungen bzw. die Mitgliedschaft in Organisationen wie katholischen Studentenverbindungen mehr zählen als die tatsächliche intellektuelle Begabung, dann finde ich es sehr schade, wie viel Potenzial hier nicht genützt wird.

Die Ehrentafel auf der Website der Popperschule zeigt nämlich sehr deutlich, dass die Popperschüler tatsächlich auf allen Gebieten, für die sie sich interessieren, zu den Besten dieser Republik gehören.

Link: https://www.popperschule.at/leben/ehrentafel.html

Montag, 22. Juli 2013

Interessen

Als Kleinkind habe ich mich hauptsächlich für alterstypische Dinge interessiert, wie Comics und Cartoons. Ab dem Volksschulalter dann für Computer. Als Jugendlicher erwachte in mir das Interesse an Weltgeschichte, Politik und Geografie. Als junger Erwachsener beschäftigte ich mich dann mit Naturwissenschaften und damit verbundenen Bereichen der Philosophie wie der Erkenntnistheorie. Jetzt beginne ich mich den praktischen Dingen des Lebens zu widmen - womit andere vielleicht schon im Volksschulalter Erfahrungen gesammelt haben. Mir ist es halt immer so gut gegangen, dass diese Sachen für mich nicht so wichtig waren.

In diesem Zusammenhang: Ich habe heute "On physics and philosophy" von Bernard d'Espagnat gekauft. Obwohl der Autor sich immer eher für Philosophie und Geisteswissenschaften interessiert hat, hat er Naturwissenschaften (vor allem Physik) studiert, weil er der Meinung war, dass Fortschritte in der Philosophie nur mit guten Kenntnissen der Naturwissenschaften möglich seien. Ein kluger Mann. Ich habe es ähnlich gemacht, denn auch ich habe trotz Interesses an philosophischen Fragestellungen nicht Philosophie, sondern "Fachwissenschaften" studiert. Tatsächlich habe ich an der Uni auch einige philosophische Vorlesungen besucht und war aufgrund der hierdurch gewonnenen Erfahrungen letztlich froh, dass ich mich nicht für ein Philosophiestudium entschieden hatte.

Gespräch mit Renee Schroeder

Auf der Homepage der Zeitschrift "profil" befindet sich ein Interview mit der Molekularbiologin Renée Schroeder. Darin äußert sie sich kritisch über Religion und Religiosität.

Diese erfrischend unkonventionellen Ansichten für eine österreichische Forscherin, in einem Land, wo viele Posten an Unis durch erzkonservative Mitglieder von katholischen Studentenverbindungen besetzt sind, waren wohltuend zu lesen. Man muss aber beachten, dass Frau Schroeder vor allem ein "Darling" der politisch eher links orientierten Medien ist, während sie selbst in der wissenschaftlichen Landschaft, zum Teil sicher aus gleichermaßen politischen Gründen, einen schweren Stand hat. So war ja vor einigen Jahren davon zu lesen, dass ihr die ordentliche Professur trotz ihrer Prominenz und ihrer Leistungen (vom Österreichischen Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten wurde sie einst zur "Wissenschaftlerin des Jahres" gewählt) lange Zeit verweigert wurde; erst 2006 hat sie es endlich geschafft.

Kritisch muss ich aber ihre Aussage über die Studenten kommentieren, die dreimal bei derselben Prüfung durchfallen, sich dennoch durchquälen und nach 10 Jahren (also nach weit längerer Zeit als im Studienplan vorgesehen) schließlich fertig werden: Viele der wirklich "schlechten" Studenten fallen noch mehr als nur dreimal bei derselben Prüfung durch und sind dadurch gezwungen, ihr Studium abzubrechen, weil sie alle zulässigen Antritte ausgeschöpft haben. Unter denen, die 10 Jahre oder noch länger studiert haben und letztlich fertig geworden sind, gibt es auch durchaus gute Studenten mit einem passablen Notendurchschnitt, die bei keiner Prüfung je dreimal (ja in vielen Fällen nicht einmal zweimal) durchgefallen sind. Man darf also auf keinen Fall aus Frau Schroeders Aussage den Umkehrschluss ziehen, dass alle, die lange studiert hätten, derart schlechte Studenten gewesen wären. Zudem muss man bedenken, dass die Studiendauer auch mit dem Studienfach zusammenhängt.

Eine Person A, die es einer Person B zum Vorwurf macht, zu lange studiert zu haben, ist in den meisten Fällen als nicht Recht habend zu betrachten. Mediziner machen ihren Fachkollegen höchst selten solche Vorwürfe, weil sie genau wissen, wie viele verschiedene Gründe es gibt, warum jemand länger als vorgesehen studiert haben kann. Außerdem ist jemand, der relativ schnell studiert hat, fachlich nicht unbedingt besser qualifiziert als einer, der sich länger (und womöglich gründlicher) mit der Materie beschäftigt hat.

Hier in Österreich gibt es auch keine "Regelzeit" beim Studieren, sondern eine "Mindeststudiendauer". "Mindeststudiendauer" bedeutet, dass es theoretisch möglich sein muss, das Studium innerhalb dieses Zeitrahmens zu absolvieren; das stellt eine Verpflichtung für die Universität dar, die erforderlichen Lehrveranstaltungen über diesen Zeitraum anzubieten, aber keine Verpflichtung für die Studierenden. "Mindeststudiendauer" heißt nicht, dass man nicht länger brauchen darf. Es ist bedenklich, wenn manche Unternehmen von Bewerbern erwarten, ihr Studium in dieser "Mindeststudiendauer" absolviert zu haben.

Link: http://www.profil.at/articles/1329/560/362457/renee-schroeder-es-tabus

Sonntag, 21. Juli 2013

Sozialisation

Im Political Compass hat sich heute wieder gezeigt, dass meine Ansichten als "sehr liberal" zu klassifizieren sind; und auch einige meiner ehemaligen Mitschüler vom Gymnasium haben in dieser Hinsicht sehr ähnlich abgeschnitten wie ich. Ich vermute, dass meine liberalen Ansichten auf meine Sozialisation am Gymnasium zurückzuführen sind. Auch wenn ich mich in meiner Klassengemeinschaft nicht immer ganz wohl gefühlt habe, hat sie mich dennoch geprägt, und - Hand aufs Herz - meine ehemaligen Klassenkameraden gehören ganz bestimmt zu den angenehmsten Menschen, denen ich je begegnet bin und denen ich aller Voraussicht nach jemals begegnen werde.

Jedenfalls mögen meine liberalen Einstellungen auch Grund sein, warum ich nie einer Studentenverbindung beigetreten, sondern statt dessen zum österreichischen Hochintelligenzverein gegangen bin. Denn die Studentenverbindungen sind hierzulande meist eher konservativ. Da hätte ich nicht hineingepasst. Am Verein fand ich hingegen reizvoll, dass da jeder Mitglied werden kann, der in einem Intelligenztest gut abgeschnitten hat, egal wer er ist. Aber diese Unterschiedlichkeit der Herkunftmilieus der einzelnen Vereins-Mitglieder hat durchaus zu Konflikten geführt. Viele Mitglieder sind auch gar nicht liberal. Manche haben den kleinbürgerlichen "Leistungsgedanken" verinnerlicht, dass man ständig in erster Linie ans Geldverdienen denken müsse, und halten alle, die nicht so denken, für "Schmarotzer". Diese Leute sind für mich das Problem Nummer eins innerhalb des Vereins. Aber es gibt auch durchaus idealistisch(er) verlangte und teilweise hochgebildete Vereins-Mitglieder.

In diesem Zusammenhang ist mir bezüglich der oft gehörten Forderung, man solle möglichst schnell studieren, auch noch eines klar geworden: Es ist scheinheilig, wenn jemand sagt, dass einer, der bis 30 studiert hat, nichts Besonderes sei, weil im Prinzip jeder mit 30 Akademiker werden könne. In Wirklichkeit stellen diejenigen, die relativ lange studiert haben, nicht deswegen eine Gefahr dar, weil sie blöd sind, sondern weil man zu Recht annehmen kann, dass diese Leute weit über den Tellerrand hinausgeblickt und Kenntnisse erworben haben, die es aus Sicht der potenziellen Arbeitgeber bessser wäre, nicht zu haben. Etwa über Dinge, wie die Welt wirklich funktioniert, anstelle des Scheinwissens, das man durch unsere Bildungsinstitutionen vermittelt bekommt. Arbeitgeber hätten lieber Mitarbeiter, die zwar das können, wofür sie gebraucht werden, aber ansonsten eher naiv sind. Wichtig ist in erster Linie die Austauschbarkeit der Mitarbeiter, damit man unliebsame Zeitgenossen leicht entsorgen kann. Starke Persönlichkeiten oder gar "Universalgelehrte" sind etwas, an dem keine Firma interessiert ist. Deswegen - und meiner Meinung nach nur deswegen - werden Langzeitstudenten verabscheut.

Es ist auch so, dass es vom kleinbürgerlichen Hegemon hierzulande und auch anderswo gewünscht wird, dass man ständig einer Beschäftigung nachgeht und möglichst keine Auszeiten einlegt, damit man nicht auf "blöde" Gedanken kommt. Auch hier ist das Wort "blöd" ein Euphemismus, denn das Problem sind nicht wirklich dumme Gedanken, sondern eher grundvernünftige Gedanken, durch die jedoch die Autorität des Hegemons und dessen Weltbild, das er allen Bürgern dieses Landes oktroyieren will, in Frage gestellt werden.

Freitag, 19. Juli 2013

Unterschied Hochbegabung - Höchstbegabung

Eine Bekannte von mir hat sich schon als Jugendliche schriftstellerisch betätigt und inzwischen (sie ist etwa gleich alt wie ich - Jahrgang 1983 oder 1984) schon zahlreiche Romane, aber auch Sachbücher auf den Markt gebracht. Obwohl Finnin, spricht sie hervorragend Englisch. Sie kann auch recht gut zeichnen. Was sie dagegen nicht gerne macht, ist programmieren, denn diese Tätigkeit erfordert ihrer Meinung nach zu viel logisches Denken. Soweit eine Ferndiagnose möglich ist, schätze ich ihren IQ auf ungefähr 130 (auf einer Skala mit Mittelwert 100 und Standardabweichung 15). Das ist ein sehr respektabler Wert, der von rund 98% der Bevölkerung nicht erreicht wird. Aber ein IQ von 130 darf auch nicht überschätzt werden. Mit diesem IQ ist man für die Anforderungen des täglichen Lebens gut gerüstet und wird eine höhere Schullaufbahn ohne Probleme bewältigen können, wenn man nur regelmäßig seine Hausaufgaben macht und mitlernt. Doch für wirklich anspruchsvolle Aufgaben benötigt man wahrscheinlich einen IQ von noch mehr als 130. Zum Beispiel wird ein wirklich guter Programmierer, also einer, der nicht nur 08/15-Datenbank-Anwendungen implementiert, sondern auch eigene Algorithmen entwickelt und effizienten Programmcode schreibt, wahrscheinlich einen IQ deutlich über 130, vielleicht sogar über 140 haben.

Was ist der Unterschied zwischen einem Hochbegabten mit einem IQ leicht über 130 und einem Höchstbegabten mit einem IQ von 145? Hierzu habe ich auf der Homepage von Paul Cooijmans etwas Interessantes gefunden. Er meint, mit einem IQ zwischen 130 und 140 sei man "gifted", also "begabt", wobei er das Wort "gifted" unter Anführungszeichen gesetzt hat. Aber erst mit einem IQ von 140 oder höher sei man wirklich "intelligent". Cooijmans unterscheidet also zwischen "Begabung" und "Intelligenz", wobei er diese beiden Begriffe als unterschiedliche Ausprägungsgrade auf derselben Skala, der IQ-Skala, auffasst. Wie ist das zu verstehen?

Nun, was heißt es, "begabt" zu sein? Ein "Begabter" verfügt über besondere Fähigkeiten, die er beruflich verwerten könnte. Zum Beispiel könnte jemand "begabt" genug sein, um unterhaltsame Kurzgeschichten zu verfassen oder "bescheidene" Romane, wie es Cooijmans ausdrückt. Ein "Begabter" kann, wenn er richtig gefördert wurde, beruflich sehr erfolgreich sein.

Ein "Intelligenter" ist ebenfalls "begabt", aber in besonderem Ausmaß. Vieles, das sich ein lediglich "Begabter" mühsam erarbeiten muss, fällt ihm so leicht, dass es dem "Intelligenten" gar nicht auffällt, dass er über eine besondere Fähigkeit verfügt. Dementsprechend neigt der "Intelligente" dazu, sich selbst zu unterschätzen bzw. sich auf dem Arbeitsmarkt unter seinem Wert zu verkaufen.

Was den "Intelligenten" aber vom bloß "Begabten" unterscheidet, ist seine Fähigkeit, die Welt aus einer anderen Perspektive zu sehen, in größeren Zusammenhängen zu denken und selbstständig zu neuen Urteilen zu kommen. Das ist es, was "Intelligenz" eigentlich auszeichnet.

Freilich sind das aber Fähigkeiten, die sich nicht unbedingt beruflich verwerten lassen. Deswegen wird der "Intelligenz" in diesem Sinne von kaum einer Seite allzu große Beachtung geschenkt. Gefördert werden in erster Linie nur "Begabte". "Intelligente" braucht niemand. Eher im Gegenteil: Die "Intelligenten" stellen eine Gefahr dar, weil sie Zusammenhänge erkennen, die anderen Menschen verborgen bleiben. Während in Teilen der Gesellschaft "Begabtenförderung" also schon einigermaßen akzeptiert wird, gibt es so etwas wie "Intelligentenförderung" nicht, und man täte als "Intelligenter" nach wie vor besser daran, seine "Intelligenz" zu verbergen.

"Die Geschichte des Aronass" - Interpretation

In der Schule ist es üblich, dass die Schüler Gedichte und Geschichten interpretieren müssen. Dabei werden den Autoren oft Dinge in den Mund gelegt, die sie weder gesagt noch gemeint haben. Damit mir nicht dasselbe passiert, lege ich hiermit offiziell fest, wie mein Romanfragment "Die Geschichte des Aronass" zu interpretieren ist.

"Die Geschichte des Aronass" handelt von einem Jungen, der ausgewählt wird, um den Göttern geopfert zu werden. Von seiner Bestimmung erfährt er zunächst nichts, sondern kommt auf eine Eliteschule, die alle besuchen müssen, die als Opfer ausgewählt worden sind. In acht Jahren lernt er dort sehr viel vor allem über religiöse Lehren. Erst gegen Ende der Schullaufbahn erfährt er von seiner Bestimmung. Zu diesem Zeitpunkt sind die meisten Schüler aufgrund der jahrelangen religiösen Indoktrinierung bereit, ihr Schicksal hinzunehmen.

Diese Geschichte ist eine Allegorie auf meine eigene Schulzeit. Ich wurde, weil ich in der Volksschule gute Noten schrieb, ausgewählt, das Gymnasium zu besuchen. Das Gymnasium dauerte acht Jahre, und ich hielt es zunächst für eine tolle Sache, weil man dort so viel lernte und seine Begabungen entfalten konnte. Erst im Lauf der Zeit wurde mir klar, dass das Gymnasium in erster Linie nicht uns Schülern diente, sondern der "Wirtschaft", und dass es die Bestimmung von uns Gymnasiasten war, nach der Matura in der Wirtschaft "verheizt" zu werden. Doch die meisten Schüler waren bis dahin bereits derart geprägt worden, dass sie ihr Schicksal, nach der Matura in der Wirtschaft "verheizt" zu werden, einfach hinnahmen.

So und nicht anders ist mein Romanfragment "Die Geschichte des Aronass" zu interpretieren.

Über Denktraditionen

Mein Artikel über den Unterschied zwischen Hochbegabung und Höchstbegabung stieß bei einigen Lesern auf Ablehnung; dazu möchte ich Folgendes sagen: Es mag schon sein, dass es im ersten Moment schrecklich klingt, wenn jemand sagt, dass nur Menschen mit einem IQ von 140 (also ca. 0,5% der Bevölkerung) wirklich intelligent seien. Sind denn nicht wesentlich mehr, im Prinzip sogar alle Menschen intelligent?

Ja, es stimmt schon, alle, oder zumindest fast alle, Menschen sind intelligent. Aber: Die wenigsten Menschen denken wirklich selbstständig. Oder wenn, dann nur von Zeit zu Zeit. Nur wenige Menschen kommen regelmäßig selbstständig zu neuen Konklusionen. Und das ist es meiner Auffassung nach, was Cooijmans unter "intelligent" versteht.

Viele Menschen wirken intelligent, sind aber keine selbstständigen Denker. Sie verfügen nur über tradiertes Wissen und tradierte Denkmuster. Denktraditionen würde ich hierbei unterteilen in Meinungstraditionen und Argumententraditionen. Einerseits werden Meinungen tradiert, andererseits auch Argumente, mit denen diese Meinungen begründet werden.

Wenn man mit anderen Menschen diskutiert, trifft man ständig solche wiederkehrenden Muster an. Manche wurden in der Familie weitergegeben, andere durch die Schule, einige durch die Kirche (bei religiösen Menschen) oder durchs Fernsehen, manche eventuell durch die Arbeit, und nur einige wenige Menschen erwerben Denkmuster durch den Konsum von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern. Die Menge derjenigen, die durch selbstständiges Nachdenken obendrein regelmäßig zu neuen Konklusionen kommen, dürfte verschwindend klein sein und ihre Größe möglicherweise tatsächlich nahe bei der Zahl der Menschen liegen, die einen IQ von 140 oder höher haben.

Nichts gegen Denktraditionen - aber man muss sich eben bewusst sein, dass es sich um Traditionen handelt und nicht um neuartige Erkenntnisse. Natürlich ist es auch wichtig, über tradiertes Wissen, tradierte Meinungen und tradierte Argumente zu verfügen, sonst müsste man ja ständig das Rad neu erfinden, was nicht gerade effizient ist. Aber wirklich intelligent sind nur diejenigen, die regelmäßig zu eigenen, neuen Schlussfolgerungen kommen. Wohlgemerkt: Das heißt nicht unbedingt, dass es nicht jemand anderen in der großen, weiten Welt gegeben haben dürfte, der bereits den gleichen Gedanken gehabt hat.

Menschen neigen ja auch dazu, einander in Schubladen zu kategorisieren - "Du bist ein Linker", "Du bist ein Rechter", "Du bist ein Katholik" usw. Diese Schubladen basieren in der Tat eben auf solchen Denktraditionen. Oft genügt es, wenn man irgend etwas sagt, was einer bestimmten Denktradition entspricht, und schon wird man schubladisiert. Dabei sind intelligente Menschen meistens Eklektiker, die nicht nur einer bestimmten Tradition folgen, sondern bereit sind, auch Gedankengut aus anderen Denktraditionen aufzunehmen, sofern sie ihnen in den Kram passen.

Was liberales Gedankengut betrifft, wird ja oft gesagt, dass es zumindest hier in Österreich keine liberale Denktradition gäbe. Somit müsste eigentlich jeder österreichische Liberale mehr oder weniger durch selbstständiges Denken zu seinen Ansichten gekommen sein. Insofern ist anzunehmen, dass viele Liberale einen IQ über 140 haben werden - was auch die bescheidenen Wahlerfolge liberaler Parteien erklärt (aber immerhin, 2% sind doch ein wenig mehr als 0,5%). Jedenfalls möchte ich jedem Leser raten, seine eigene kognitive Begabung nicht zu unterschätzen.

In diesem Zusammenhang noch eines meiner Lieblingszitate:

Anyone who in discussion relies upon authority uses not his understanding, but rather his memory.
- Leonardo da Vinci

Der Gebrauch dieses Zitats entbehrt natürlich nicht einer gewissen Selbstironie, weil man sich durch die Verwendung dieses Zitats ja auf die Autorität Leonardo da Vincis bezieht und dadurch genau das tut, was Leonardo in diesem Zitat kritisiert. :-) Aber wer nicht über sich selbst schmunzeln kann, hat ohnehin keinen rechten Sinn für Humor.

Über Denktraditionen - Teil 2

Früher war ich in einigen Diskussionsforen im Internet sehr aktiv, vor allem in internen Foren des Hochintelligenzvereins, in dem ich Mitglied war. Oft habe ich neue Threads gestartet, in denen ich meine eigenen Ansichten zur Diskussion stellte. Nun habe ich einerseits beschlossen, mich von diesen Foren fernzuhalten, um Stress zu reduzieren (siehe den entsprechenden Blog-Artikel vor einigen Tagen), andererseits bin ich durch mein Nachdenken über Denktraditionen darauf gekommen, dass es mir in der Tat wenig nützt, im Rahmen der Vereinsöffentlichkeit über meine Ansichten diskutieren zu lassen, denn:

Es hat sich über die Jahre gezeigt, dass ich relativ gut im schlussfolgernden Denken bin, besser noch als die meisten Vereins-Mitglieder. Es passiert recht selten, dass ich zu einer falschen Konklusion komme, weil ich einen Denkfehler begangen habe. Eher kann es sein, dass meine Konklusionen falsch sind, weil ihnen falsche Annahmen zugrunde liegen.

Das bedeutet aber, dass ich nicht unbedingt hochintelligente Menschen (also Menschen, die relativ gut im schlussfolgernden Denken sind) benötige, um meine Hypothesen logisch zu überprüfen. Eher brauche ich Menschen mit viel Lebenserfahrung, die eventuell aufgrund ihrer Erfahrung in der Lage sind, meine Annahmen (empirisch) zu widerlegen. Da ist möglicherweise die Vereinsöffentlichkeit das falsche Publikum; denn es ist nicht anzunehmen, dass sich Mitglieder, was ihre Lebenserfahrung betrifft, statistisch signifikant von der Gesamtbevölkerung unterscheiden, es sei denn, es handelt sich um Erfahrungen, die speziell mit der überdurchschnittlichen kognitiven Begabung zu tun haben. Andererseits trifft man in diesem Verein aber Menschen aus allen möglichen Lebenslagen an, vom Kellner bis zum Bankdirektor; so gesehen, ist der Verein vielleicht doch nicht so schlecht.

Wie dem auch sei, ich bin der Meinung, dass es in der Tat besser sein dürfte, wenn ich meine Ansichten allenfalls hier, in meinem Blog, veröffentliche und die Foren meide, um Zeit und Energie zu sparen und negativen Stress zu vermeiden.

In zweifachem Zusammenhang passt dazu die folgende Frage: Akademiker gelten in weiten Teilen der Bevölkerung als besonders gescheit; aber warum? Um Akademiker zu werden, muss man vor allem viel Wissen erwerben. Gelten Akademiker nun als gescheit, weil sie viel wissen? Oder hängt es mit dem Prozess des Wissenerwerbs zusammen, der vielen Menschen schwer fällt und dessentwegen sie Akademiker bewundern?

Diese Frage steht einerseits thematisch mit meinem ersten Posting über die Denktraditionen in Zusammenhang, andererseits aber sind diese Fragen an das geneigte Publikum gerichtet und stellen ein Beispiel für ein Thema dar, über das es sich, trotz allem, was ich hier, in diesem Posting, geschrieben habe, lohnt zu diskutieren; denn es geht nicht um die logische Widerlegung einer Hypothese, sondern um die Erfahrungen, die die Menschen in Bezug auf diese Frage gemacht haben.

Donnerstag, 18. Juli 2013

Das große Ganze

Ich habe festgestellt, dass ich mich zu sehr von Detailfragen ablenken lasse und nicht auf das große Ganze achte.

Auf die Frage "Wer hat Geld?" wird man nach einigem Überlegen vielleicht antworten: am ehesten der Staat. Tatsächlich hat der Staat aber kein Geld, weil er maßlos überschuldet ist. Die Schulden hat er bei diversen Geldgebern, vor allem Banken. Diese werden auch nicht ewig immer nur Geld hergeben, ohne Aussicht, jemals etwas zurückzubekommen. Irgendwann wird auch ihnen die Puste ausgehen.

Eher verfügen noch Großkonzerne wie Microsoft oder Google über Kapital.

Man muss das Ganze jedenfalls global betrachten, es reicht nicht, auf nationaler Ebene zu bleiben.

De facto leben wir ja auch gar nicht mehr in einer Demokratie, weil die meisten Gesetze von der Europäischen Kommission in Brüssel verabschiedet werden, die nicht demokratisch legitimiert ist.

Die Europäische Union als Superstaat verfügt vielleicht noch über Kapital, aber angesichts der gewaltigen Schulden ihrer Mitgliedsländer wahrscheinlich nicht über allzu viel. Das europäische Modell des starken Staats ist dem Untergang geweiht.

Eigentlich erstaunlich, angesichts all dessen, dass es uns noch so gut geht...

Mittwoch, 17. Juli 2013

Goyas Geister

"Goyas Geister" (im Original: "Los fantasmas de Goya") ist mein Lieblingsfilm. Ich habe diesen Film einmal im österreichischen Fernsehen gesehen und mir sofort gedacht: Das ist er. Dieser Film verdeutlicht vieles von dem, was mir damals durch den Kopf gegangen ist, über die Natur des Menschen und die Natur der Macht.

Früher habe ich sehr wenig fern gesehen, nur als Kind gelegentlich Zeichentrickserien, aber als Jugendlicher fast gar nicht. Erst während des Studiums habe ich begonnen, mir zur Entspannung ab und zu das Hauptabendprogramm anzusehen. Dementsprechend kenne ich nur relativ wenige Filme. Als ich mich einmal fragte, welcher wohl mein Lieblingsfilm sei, war ich unschlüssig. Viele Filme hatte ich unterhaltsam gefunden, aber keiner hatte einen bleibenden Eindruck auf mich gemacht. Als ich dann aber "Goyas Geister" sah, dachte ich mir: Ja, das ist ein guter Film, diesen Film werde ich von nun an als meinen Lieblingsfilm betrachten.

Eine Lehre, die man aus "Goyas Geister" ziehen kann, ist jedenfalls, dass man niemals Macht missbrauchen, sondern immer möglichst fair bleiben sollte. Denn diejenigen, welche eine Machtposition in besonderem Umfang missbraucht haben, sind auch die, die nach einer Revolution (oder Konter-Revolution) als Erste geköpft werden. Wer immer fair blieb, hat bessere Chancen, einen Umsturz zu überleben.

Laut Wikipedia kam der Film in der Kritik nicht besonders gut weg, was meist mit dem "confused plot" begründet worden sei. Mag sein, dass der "Plot" ein wenig anspruchsvoll ist, aber im Gegensatz zu vielen anderen Filmen (bestes Beispiel: Matrix) ist die Handlung keineswegs unlogisch. Insofern kann ich mich dieser Kritik nicht anschließen.

Klasseneinteilung der Menschheit

Die Einteilung in fünf Stände (siehe eines der gestrigen Postings) ist sicherlich überholt. Ich überlege, wie man die Menschen nach ihrer Erwerbstätigkeit in Klassen einteilen könnte. Wichtig ist: Es soll sich um Klassen handeln, also um disjunkte Teilmengen. Daher darf es keine Schnittmengen geben.

Ein erster Versuch:

1. Erste Klasse: Menschen, die so viel Geld haben, dass sie davon leben, ohne einer Arbeit nachzugehen (zum Beispiel von den Zinserträgen), und auch keine Arbeitnehmer beschäftigen (Privatiers)

2. Zweite Klasse: Arbeitgeber (die andere Menschen beschäftigen und die Produkte der Arbeit dieser Menschen verkaufen)

3. Dritte Klasse: Arbeitnehmer (wer einer Arbeit nachgeht, um Geld zu verdienen), die nicht zugleich Arbeitgeber sind

4. Vierte Klasse: Menschen, die keine Einkünfte haben und von ihrer Familie oder von Bekannten erhalten werden

5. Fünfte Klasse: Menschen, die keine Einkünfte haben und nur von der Gemeinschaft bzw. dem Staat erhalten werden

6. Sechste Klasse: Menschen, die keine Einkünfte haben und von niemandem erhalten werden (also entweder in einem Land ohne Sozialsystem leben oder aus welchen Gründen auch immer ausgegrenzt werden)

"Extraordinäre" als absolute Randgruppe

Der Autor des Buchs "Talent-Management spezial: Hochbegabte erfolgreich führen" hat mir ein kostenloses Exemplar der ersten Auflage zukommen lassen, weil er gerne Zitate aus diesem Blog in der für dieses Jahr geplanten Neuauflage des Buchs verwenden möchte.

An diesem Buch ist mir vor allem aufgefallen, dass es sich fast ausschließlich an Hochbegabte mit einem IQ im Bereich zwischen 130 und 140 wendet und die Höchstbegabten mit einem IQ von 145 oder höher, die immerhin rund 0,1% der Bevölkerung ausmachen (also in Österreich etwa 8000 und in Wien etwa 1600 Personen), als "die Extraordinären" bezeichnet und sie als eine absolute Randgruppe darstellt, deren Bedürfnisse lediglich in einem knappen Kapitel kurz abgehandelt werden.

Gehöre ich mit meinem IQ von ca. 150 (Durchschnitt aller Testergebnisse) also einer absoluten Randgruppe an, die nicht einmal in einem Buch, das sich mit Hochbegabung beschäftigt, wirklich erwähnenswert ist?

Zumindest ist mir aufgefallen, dass selbst Mitglieder des österreichischen Hochintelligenzvereins oftmals nicht in der Lage sind, zu von mir begonnenen Diskussionen kompetente Beiträge zu liefern; manchmal verstehen sie selbst grundlegende Aussagen nicht. Dabei herrscht Konsens darüber, dass ich eine sehr klare Sprache verwende; Verständnisprobleme sind also nicht auf eine unklare Ausdrucksweise meinerseits zurückzuführen.

Natürlich weiß die Gesellschaft nicht recht mit Höchstbegabten umzugehen, weil es davon nur so wenige gibt, dass sie kaum über Erfahrungswerte verfügt. Oft hört man den Rat, man solle möglichst schnell studieren oder mehrere Studien parallel betreiben. Weder das Eine noch das Andere muss aber dem Naturell des Höchstbegabten entsprechen. Studienpläne sind oft sehr starr und unflexibel, es sind nur wenige Wahlfächer vorgesehen. Wenn sich aber ein Höchstbegabter in seinem Studium mit etwas beschäftigen muss, das ihn nicht interessiert, dann wird er weder schneller vorankommen noch bessere Leistungen erbringen als ein Normalbegabter.

Höchstbegabte brauchen aus meiner Sicht maximale Wahlfreiheit in ihrem Studium. In dieser Hinsicht war mein Masterstudium Computational Intelligence sehr gut: Es gab nur wenige Pflichtfächer, die allermeisten Fächer konnte man sich frei aus einem Katalog seinen individuellen Interessen entsprechend aussuchen. Das absolute Gegenteil davon war das Medizinstudium: Hier war alles vorgegeben, nur ein einziges Wahlfach im ganzen Studium konnte man sich frei aussuchen.

Was das Berufsleben betrifft, kann man ja ohnehin nie erwarten, sich selbst im Beruf völlig verwirklichen zu können. Für Höchstbegabte wäre wohl der Beruf eines Universitätsprofessors noch der am besten geeignete, weil er verschiedene Fähigkeiten erfordert und es erlaubt, auch eigenen Interessen geistiger Natur nachzugehen. Ein Höchstbegabter mag zwar auch in anderen Intelligenzberufen aufgehen, wie etwa dem Beruf des Schriftstellers, aber das sind bekanntlich alles recht brotlose Professionen. Die meisten Höchstbegabten wären wohl schon froh, wenn sie zumindest einen "normalen" Beruf hätten, der ihnen ein regelmäßiges Einkommen sicherte, auch wenn sie ihre Begabung nur zum Teil nutzen könnten. In diesem Fall bliebe dann eben die Freizeit, um geistig anspruchsvolleren Tätigkeiten nachzugehen.

Der Gesundheitsbegriff der WHO

Die vernünftigeren Leute, die verstanden haben, worum es geht, kritisieren an meinem Artikel "Über Genetik" vor allem, dass von "Idealvorstellungen" gesprochen und nicht nur die Beseitigung von Krankheiten gefordert wird. Dazu ist zu sagen:

Die World Health Organization (WHO), eine Teilorganisation der Vereinten Nationen (UN), definiert Gesundheit wie folgt: "Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen." (Original: "Health is a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity.")

Medizinisch anzustreben ist natürlich stets völlige Gesundheit und nicht nur das Fehlen von bestimmten Krankheiten. Freilich kann das Kind nicht selbst über seine genetischen Merkmale bestimmen, deswegen tun es nach meinem Modell die Eltern. Das ist nicht ideal, aber die beste mir möglich erscheinende Lösung.

Dienstag, 16. Juli 2013

Über Genetik

In der Vereinszeitschrift des österreichischen Hochintelligenzvereins gab es ab Ausgabe 281 eine Debatte zu den Themen Genetik und Gentechnik, angeregt von Dr. Theresia Adelberger, der damaligen "Schriftleiterin" der Zeitschrift. Dadurch, dass diese alten Ausgaben der Vereinszeitschrift, die noch vor meiner eigenen Zeit als Vereins-Mitglied erschienen sind, nun elektronisch erfasst und allen Vereins-Mitgliedern via Internet zur Verfügung gestellt worden sind, besteht jetzt die Möglichkeit, diese alten Ausgaben zu lesen und über die auch heute noch relevanten Artikel, wie etwa die Beiträge über Genetik, zu diskutieren.

Frau Dr. Adelbergers Eingangsstatement in Ausgabe 282 zeugt leider von einer gewissen Naivität, wenn sie behauptet, genetische Diagnostik alleine sei völlig harmlos und lediglich Eingriffe ins Erbgut seien problematisch. Dies ist falsch: Durch genetische Diagnostik können besonders intime Informationen über Personen erfasst werden, einschließlich solcher Dinge, über die diese Personen selbst nicht Bescheid wissen, wie die Abstammung von bestimmten Volksgruppen oder die Prädisposition für bestimmte Erbkrankheiten. Dieses Wissen kann missbraucht werden, etwa von Versicherungen, die Personen mit bestimmten genetischen Prädispositionen ausschließen oder von ihnen erhöhte Prämien verlangen könnten.

Das Statement von Günther Kreil in Ausgabe 282 bezieht sich eher auf die "grüne Gentechnik", also die landwirtschaftliche Nutzung der Gentechnik. Diese interessiert mich persönlich weniger, mich interessieren in erster Linie medizinische Anwendungen. Hierzu schreibt Mag. Alexander Frey in seiner Stellungnahme in der gleichen Ausgabe:

(Zitat Beginn)

"Gentechnik in der Medizin:

Dieser Bereich steht Gott sei Dank auch bei Genetikgegnern weitgehend außer Diskussion. Lediglich ein paar Horrorgeschichten über 'Frankensteine im weißen Kittel', die Schweine mit Menschenlebern züchten und dergleichen, sind in Umlauf. Informiert man sich aber näher, so erscheinen auch diese Arbeiten in anderem Licht. Um den Mangel an menschlichen Spenderorganen zu beseitigen, versucht man Tieren menschliche Gene, die für die Immunreaktion bedeutend sind, einzusetzen. Das Schwein hat dann eine Leber mit menschlichen Immunitätsmerkmalen und diese kann gefahrlos verpflanzt werden ohne vom menschlichen Immunsystem abgestoßen zu werden. So können viele Leben gerettet werden.

Auch die Erbkrankheiten können durch Gentechnik besser diagnostiziert und vielleicht sogar geheilt werden, eine Revolution in der Medizin.

Gentechnisch manipulierte Bakterien produzieren wertvolle und künstlich nicht herstellbare Medikamente, wie Insulin, Blutgerinnungsfaktoren, Wachstumsfaktoren, etc. in großen Mengen zu geringen Kosten. Die früher zum Beispiel aus Blut gewonnenen Blutgerinnungsfaktoren bergen auch nicht mehr die Gefahr einer Infektion des Empfängers mit Aids, Hepatitis o.ä.

Außerdem wird künstlich hergestelltes menschliches Insulin besser vertragen, als Insulin aus Rinder- oder Schweineschlachtkörpern, das früher verwendet wurde.

Kein vernünftiger Mensch kann gegen Gentechnik in der Medizin eintreten."

(Zitat Ende)

Das ist ein sehr optimistisches Statement, das leider nicht zutrifft. Tatsächlich haben viele etwas gerade auch gegen Gentechnik in der Medizin. Erstens ist es, wie gesagt, problematisch, genetische Daten zu erheben, sind sie doch intimer als jegliche andere Art von persönlichen Daten. Und zweitens gehören zu den medizinischen Anwendungen der Gentechnik eben auch Dinge wie Eingriffe ins menschliche Erbgut (Keimbahntherapie), die zwar sehr effektiv wären, wenn sie in der Praxis umgesetzt werden könnten (man könnte damit Erbkrankheiten heilen, die bislang als unheilbar gelten), aber eben aus ethischen Gründen sehr umstritten sind (oft hört man den Vorwurf, solche Genetiker würden "Gott spielen"). Gleiches gilt auch für therapeutisches oder reproduktives Klonen.

In Ausgabe 284 findet sich ein weiterer Diskussionsbeitrag, diesmal von Brigitte Kunz. Die Autorin meint vor allem, dass Gentechnik sehr teuer und unsicher sei, man gewisse Eingriffe aus stochastischen Gründen mehrmals wiederholen müsse, bis sie tatsächlich die gewünschte Wirkung zeigen, und zudem die Leistungsfähigkeit eines Organismus nur in Teilaspekten gesteigert werden könne, auf Kosten anderer Teilaspekte. Darauf antwortet Alexander Frey in Ausgabe 285, seine Antwort bezieht sich aber vorwiegend auf die grüne Gentechnik und ist daher für mich nicht von Interesse. Ebenso die Reaktion von Brigitte Kunz und Viktor Farkas (wobei nicht klar ist, wer eigentlich der Autor ist) in Ausgabe 286 und die Folgeartikel in Ausgabe 287.

Danach verschwand das Thema Genetik aus der Vereinszeitschrift. Ab Ausgabe 289 wurden wieder eher politische Themen, wie die Reaktionen des Auslands auf die Bildung der schwarz-blauen Bundesregierung und die Europäische Union, behandelt.

Erst in Ausgabe 301 findet sich wieder ein Artikel zum Thema. Alexander Platzer schlägt darin vor, sämtliche Gene aller Menschen zu katalogisieren, um irgendwann künstlich Menschen mit beliebigen Erbanlagen herstellen zu können. Das kommt schon dem näher, was mir selbst vorschwebt.

Was ich mir persönlich wünschte, wäre, dass Eltern mit Erbkrankheiten oder sonstigen nachteiligen Merkmalen gesunde, ihren eigenen Idealvorstellungen entsprechende Kinder bekommen könnten. Dies könnte beispielsweise durch die Keimbahntherapie erreicht werden. Derzeit sind viele Menschen von ihrem Traum, Eltern zu werden, praktisch ausgeschlossen, weil sie um das Risiko Bescheid wissen, dass bestimmte Krankheiten an ihre Kinder weitergegeben werden könnten, und sich als verantwortungsbewusste Menschen daher gegen die Reproduktion entscheiden. Diesen Missstand möchte ich beseitigen. Ich möchte jedem die Möglichkeit geben, Vater oder Mutter zu werden und sich keine Sorgen über eine Weitergabe unvorteilhafter Merkmale machen zu müssen. Anders gesagt, möchte ich die brutalen Selektions-Mechanismen der Evolution, die ja auch in der Menschheit wirken und manchen Zeitgenossen das Leben zur Hölle machen, aushebeln. Es geht mir schlicht und ergreifend um die Überwindung der Evolution, um das Leben für alle lebenswerter zu machen.

Was ist an diesem Ziel verwerflich? Ich lade gerne jeden Interessierten zur Diskussion ein.

Claus-Dieter Volko, Dr. med.

Factbox:

Unter Keimbahntherapie versteht man den Eingriff in das menschliche Erbgut durch Modifikation der Keimzellen (Samenzellen, Eizellen). Die Keimbahntherapie wird vor der Schwangerschaft im Rahmen einer künstlichen Befruchtung durchgeführt. Das Genom der befruchteten Eizelle wird untersucht, und gegebenenfalls werden Gendefekte mit Hilfe von viralen Vektoren korrigiert. Danach wird die Eizelle in die Mutter implantiert, und es kommt zu einer normalen Schwangerschaft. Das Kind wird genetisch von seinen Eltern abstammen, aber ohne die entfernten Erbkrankheiten geboren.

Ob jemand an einem genetischen Defekt leidet, weiß man entweder aufgrund seiner Familiengeschichte, oder man kann bei konkretem Verdacht einen spezifischen Gentest durchführen. Dazu geht man in der Regel zu einem Facharzt für Humangenetik. In Wien gibt es eine genetische Beratungsstelle am Institut für Medizinische Genetik der Medizinischen Universität (Währinger Straße), dort sind mehrere Fachärzte für Humangenetik (in Österreich: Fachärzte für Medizinische Genetik) tätig.

Bei der Keimbahntherapie geht es nicht um die Feststellung von genetischen Defekten während der Schwangerschaft und einen nachfolgenden Schwangerschaftsabbruch, sondern um eine Erkennung und Korrektur der genetischen Defekte vor der Schwangerschaft.

Fünf Stände

Ich lese gerade ein Buch über "Deutsche Rechtsgeschichte", und ein für mich sehr interessantes Kapitel war das über die ständische Ordnung. Im Mittelalter unterschied man vier Stände: den Adel, die Freien, die Minderfreien und die Unfreien. Das entwickelte sich im Laufe der Zeit weiter. Allgemein anerkannt ist, dass es in Frankreich (aber im Prinzip auch in Deutschland) bis zur Französischen Revolution drei Stände gab: den Klerus, den Adel und das Bürgertum. Das findet man sogar in der Wikipedia. Wie das Buch "Deutsche Rechtsgeschichte" schreibt, entwickelte sich nach der Industriellen Revolution ein "Vierter Stand": die Arbeiterschaft. Im Hinterkopf hatte ich freilich, dass es fünf Stände gäbe. Tatsächlich wurde ich im Internet fündig: Ein Schriftsteller postulierte die Existenz eines fünften Stands, und seine Definition entspricht dem, was ich mir gedacht habe.

Als eigene Leistung möchte ich angeben, dass ich nicht nur die Einteilung der Gesellschaft in fünf Stände geringfügig modifiziert, sondern auch jedem Stand eine charakteristische politische Ideologie zugeordnet habe. Meiner Meinung nach passen Stand und Ideologie wie Stecker und Steckdose zueinander. Hier meine Klassifikation der Menschheit:

Erster Stand: Hoher Adel und Klerus - Absolutismus
Zweiter Stand: Niederer Adel - Konservatismus
Dritter Stand: Bürgertum - Liberalismus
Vierter Stand: Arbeiterschaft (Proletariat) - Sozialismus
Fünfter Stand: Asoziale (Lumpenproletariat) - Anarchismus

Im Prinzip gibt es auch heute noch diese fünf Stände, nur ist die ständische Ordnung per Verfassung offiziell abgeschafft. Adelige organisieren sich aber nach wie vor in speziellen Vereinen, wie den so genannten Landsmannschaften.

Interessant ist natürlich auch, dass auch die Notenskala hierzulande fünfstufig ist - ob da ein Zusammenhang besteht? (Ich weiß, früher war sie sogar sechsstufig.)

Stress

Im Medizinstudium lernt man, dass negativer Stress (Disstress) eine der größten Gefahren für die Gesundheit darstellt. Negativer Stress schwächt das Immunsystem und macht anfälliger für Infektionskrankheiten, seelische Störungen und sogar Krebs.

Ich habe festgestellt, dass ich mich hauptsächlich dadurch stresse, dass ich im Internet Diskussionen starte oder öffentliche Äußerungen tätige, die dazu führen, dass ich von anderen Menschen angegriffen werde. Die meisten Angriffe entbehren jeglicher Grundlage, aber man muss auf jeden einzelnen Angriff reagieren und klarstellen, dass man falsch verstanden wurde oder einem etwas in den Mund gelegt wurde, das man gar nicht gesagt hat. Das verursacht Stress.

Im Studium hatte ich einen Kollegen, der sich sehr wenig mit anderen Menschen abgab. Zu seinen Gesprächspartnern zählten lediglich ich und einige weitere Studienkollegen. Er wirkte stets gut gelaunt und nie gestresst. Dieser Studienkollege hat sein Medizinstudium in nur sieben Semestern hinter sich gebracht. Für die Zeit nach dem Studium hat er einen Beruf angestrebt, in dem man möglichst wenig Kontakt zu Patienten hat: den Beruf des Gerichtsmediziners. Wie ich weiß, ist es ihm tatsächlich gelungen, diesen Weg einzuschlagen: Heute arbeitet er als Gerichtsmediziner. Ich nehme an, er ist im Großen und Ganzen glücklich. Direkten Kontakt habe ich freilich nicht mehr zu ihm, so dass ich über sein Wohlbefinden nur eine Vermutung anstellen kann.

Es wäre wohl gut, sich diesen Mann zum Vorbild zu nehmen: lieber wenige soziale Kontakte, die aber angenehm sind, als viele soziale Kontakte, von denen einige Stress verursachen. Und selbst weniger nach Anerkennung und öffentlicher Wahrnehmung streben, sondern sein Glück eher im Privaten suchen. Das scheint mir das Vernünftigste zu sein, um den Stress-Pegel abbauen und ein gutes Leben führen zu können.

Dienstag, 9. Juli 2013

Der Pfad des Freaks

Wenn man jung ist, dann verbringt man mehr oder weniger viel Zeit damit, Fähigkeiten und Kenntnisse zu erwerben, die man später im Leben brauchen könnte.

Wer das nicht tut, der bekommt später im Leben die Rechnung für seine Faulheit oder Dummheit bezahlt. Das habe ich erst heute wieder erkannt, als uns auf der Straße ein Handwerker ansprach, weil er für uns eine Dienstleistung verrichten wollte. Ich bin froh, nicht auf solche Weise meinen Lebensunterhalt bestreiten zu müssen.

Bei mir war es so, dass es mir nicht schwer fiel, das, was in der Schule gelehrt wurde, ordentlich zu erlernen. So blieb viel Zeit für andere Aktivitäten. Und ich nutzte diese Zeit, um über den Stoff der Schule hinaus Kenntnisse zu erwerben. Vor allem auf dem Gebiet der Computerei, weil diese mich besonders interessierte. Als Achtjähriger begann ich schon, mir die Programmierung in BASIC mit Hilfe von Listings aus Computerzeitschriften selbst beizubringen. Als Elfjähriger kamen dann Assembler und C hinzu.

Mit 14 wäre ich wohl schon erfahren genug gewesen, um als professioneller Programmierer arbeiten zu können. Doch meine Eltern hatten Anderes mit mir vor. So gesehen, war es schon im Alter von 14 Jahren, dass ich vom Pfad des typischen Computerfreaks abkam.

Ein typischer Computerfreak hätte im Alter von 14 Jahren hierzulande zwei Möglichkeiten gehabt: Entweder er wäre gleich als Programmierer arbeiten gegangen. Oder er hätte eine Höhere Technische Lehranstalt für Elektronische Datenverarbeitung besucht. In einer solchen Anstalt wäre der typische Freak zwar unterfordert gewesen, aber wenigstens hätte er am Ende eine anerkannte Berufsausbildung, Matura und ein höheres Einstiegsgehalt als derjenige, der schon mit 14 als Programmierer zu arbeiten begann, gehabt.

Meine Eltern waren jedoch der Meinung, dass ein neusprachliches Gymnasium für mich das Beste sei, weil ihnen viel an "klassischer Bildung" lag. So absolvierte ich also die gymnasiale Oberstufe, die mir nicht besonders schwer fiel.

Da ich aber bereits über genug "Hard Skills" verfügte, lernte ich in meiner Freizeit nicht mehr viel über Programmierung hinzu, sondern ging im Prinzip einer Berufstätigkeit nach - allerdings einer unbezahlten. Die Rede ist von der Zeitschrift, die ich herausgab, und den Programmier-Wettbewerben, die ich organisierte. Beides nahm einen großen Teil meiner Freizeit in Anspruch. Für echte Hobbys (wie Computerspiele) hatte ich nur mehr sehr wenig Zeit.

Nach der Matura hätte ich Informatik studieren können. Allerdings war ich vom "Pfad des Freaks" schon so weit abgekommen, dass ich nun auch andere Möglichkeiten in Betracht zog. So kam es, dass ich letzten Endes Mediziner wurde. (Mit einem Diplom in Theoretischer Informatik als Zusatzqualifikation.)

Sicher hängt der relativ geringe Grad meiner Beliebtheit in der Demoszene auch damit zusammen, dass ich nicht den typischen "Pfad des Freaks", sondern aufgrund der Vorstellungen meiner Eltern einen anderen Weg gegangen bin.

Montag, 8. Juli 2013

Ein Beispiel für die "Tiefe des Denkens"

Im Zusammenhang mit meinem gestrigen Artikel über die "Qualität des Denkens" möchte ich eine Aufgabe bringen, die verdeutlicht, was ich mit der "Tiefe des Denkens" meinte. Die Quelle der Aufgabe ist ein fremder Blog, der unter der Adresse http://blog.tanyakhovanova.com/?p=182 erreichbar ist. Ich erlaube mir, die Aufgabe aus jenem Blog hier zu zitieren. Vielen Dank an Landei für den Link!

Die Aufgabe ist vom Typ "Which is the odd one out?". Es ist also jenes Symbol zu identifizieren, das aus der Reihe tanzt. Dabei handelt es sich um eines der folgenden Symbole:



Nun, welches ist es?

Wenn man das Ganze nur oberflächlich betrachtet, wird einem vielleicht ein Symbol sofort ins Auge fallen. Wer aber jetzt sagt: "Das ist es!", der wird möglicherweise auf dem Holzweg sein. Nur wenn man sich Zeit nimmt, sich etwas gründlicher mit der Aufgabe zu beschäftigen, wird man erkennen, welche die einzig richtige Lösung ist, und auch logisch begründen können, warum es sich um die einzig richtige Lösung handelt.

Das meinte ich mit der "Tiefe des Denkens".

Sonntag, 7. Juli 2013

"Genderwahn"

Konservativere Fraktionen der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) kritisieren gelegentlich den so genannten "Genderwahn", nämlich das Bestehen mancher Professorinnen und Professoren darauf, schriftliche Arbeiten geschlechtsneutral zu verfassen. In diesem Zusammenhang wäre beispielsweise auch die von mir verwendete Bezeichnung der ÖH als "Österreichische Hochschülerschaft" falsch, richtig wäre "Österreichische HochschülerInnenschaft". Angeblich hätte ich für diesen Fauxpas an manchen Fakultäten (hier habe ich ausnahmsweise gegen keine Regel verstoßen, Fakultätinnen gibt es nämlich nicht) schon eine schlechtere Note kassiert, selbst wenn mein Aufsatz inhaltlich und orthographisch perfekt gewesen wäre.

In meinem Studium hat das alles jedenfalls keine Rolle gespielt. Im Medizinstudium musste man keine Aufsätze schreiben, und auch im Informatikstudium kam man selten in die Situation, sich fragen zu müssen, ob man nun "Studenten" oder "Studierende" schreiben sollte, weil die meisten der zu verfassenden Aufsätze technischer Natur waren. Es mag sein, dass vielleicht in speziellen Seminaren zu Themen wie Techniksoziologie auf gendergerechte Sprache Wert gelegt worden wäre; diese Lehrveranstaltungen habe ich aber nicht besucht, weil mich andere Bereiche der Informatik mehr interessiert haben.

Soweit ich weiß, sind manche Lehrende an der Medizinischen Universität Wien Frauen gegenüber, im Gegenteil, sogar recht kritisch eingestellt. Eine junge Professorin hat mir beispielsweise erzählt: Als sie selbst noch Studentin war, bekam sie bei ihrer Prüfung über Funktionelle Pathologie die Frage gestellt, was denn für das "Superfemale"-Syndrom besonders charakteristisch sei. Sie zählte einige Merkmale auf, nannte jedoch nicht das, was der Professor hören wollte. Also gab er ihr einen Tipp: Es sei etwas typisch Weibliches. Als sie noch immer nicht wusste, worauf er hinauswollte, beantwortete der Professor die Frage selbst: "Na, ganz einfach: das halbe Hirn!"

Ob sich die Geschlechterforschung und damit verbundene Ideologien, wie die so genannte "queer theory", durchsetzen werden, wage ich nicht zu beurteilen. Vielleicht wird man irgendwann einmal schon in der Schule konsequent die Binnenmajuskel verwenden müssen. Zu meiner Zeit war das jedenfalls noch nicht so; die Verwendung der Binnenmajuskel wäre wohl als schwerer Grammatikfehler betrachtet werden. Und das, obwohl wir im Fach Deutsch eine weibliche Lehrperson hatten. Aber wer weiß - the times, they are a-changin', wie schon Bob Dylan sang.

Qualität des Denkens

Eine Bekannte von mir, eine studierte Psychologin, meinte einmal, dass sich Hochbegabte in ihrer Denkweise qualitativ nicht von Normalbegabten unterscheiden würden. Diese Bemerkung schoss mir heute durch den Kopf, als ich über etwas anderes nachdachte:

Marco Ripà stellte einmal die Vermutung an, ich würde mich nicht durch eine extrem hohe Denkgeschwindigkeit auszeichnen, sondern vor allem durch eine ungewöhnliche Tiefe des Denkens. Diese Vermutung könnte aus meiner subjektiven Sicht richtig sein. Damit möchte ich nicht behaupten, ich wäre langsam im Denken, im Gegenteil - die Geschwindigkeit meines Denkens dürfte durchaus über dem Durchschnitt liegen. Das haben auch so genannte Speed-Tests gezeigt. Bei einem Rechentest beispielsweise, bei dem es darum ging, innerhalb von zwanzig Minuten möglichst viele Rechenaufgaben zu lösen, kam ich auf fast tausend gelöste Aufgaben (von denen ich nur vier falsch hatte). Der Durchschnittsbürger schafft in dieser Zeit angeblich nur siebenhundert solcher Aufgaben; wie viele davon der Durchschnittsbürger richtig hat, weiß ich nicht.

Es scheint mir aber wahrscheinlich zu sein, dass ich insgesamt über viele Dinge länger nachdenke als die meisten anderen Menschen. Deswegen könnte ich unter Umständen in manchen Dingen langsamer wirken. Andere kommen jedoch nur deswegen schneller zu Konklusionen, weil sie die Probleme weniger gründlich analysieren und mehr an der Oberfläche kratzen.

Insofern trifft die Aussage der Psychologin auf mich sicher nicht zu. Vielleicht unterscheiden sich Hochbegabte in ihrer Gesamtheit in ihrer Denkweise qualitativ nicht von Normalbegabten. Ich unterscheide mich in dieser Beziehung meines Erachtens aber sehr wohl von Normalbegabten. Das relativiert auch die Aussagekraft von Intelligenztests. Manche dieser Tests überprüfen ja nur eingeübte beziehungsweise einübbare Fähigkeiten, wie etwa Kopfrechnen oder Auswendiglernen. Das sagt meines Erachtens wenig über die Qualität des Denkens aus. Aber was ist überhaupt die Qualität des Denkens? Hat es mit der Anzahl der Fehler (logischen Fehlschlüsse) zu tun, die man beim Denken innerhalb einer bestimmten Zeitspanne macht? Oder steht es im Zusammenhang mit der Art des Denkens, der Methode, wie man ein Problem analysiert und zu Konklusionen kommt? Semantisch gesehen, kann der Begriff der Qualität des Denkens aus meiner Sicht beides bedeuten. Nun postuliert aber beispielsweise Jung, dass es unter anderem vernunft- und gefühlsbetonte Menschen gebe sowie solche, deren Denken eher konkret fassbare Gegenstände und Fakten zu Grunde liegen und andere, die eher abstrakt, in Zusammenhängen denken. Nach Jung handelt es sich dabei um verschiedene Persönlichkeitstypen. Es mag eine Korrelation zwischen dem Persönlichkeitstyp und dem Intelligenzquotienten geben, aber grundsätzlich hält Jung die Merkmale Persönlichkeit und Intelligenz für voneinander im Großen und Ganzen unabhängig. Da stellt sich also die Frage, ob die Intelligenztests wirklich das geeignete Instrument sind, um die Qualität des Denkens eines Menschen im Sinne von "Denkstil" festzustellen.

So gesehen, könnte es tatsächlich so sein, dass sich Hochbegabte, statistisch gesehen, qualitativ nicht von Normalbegabten in ihrer Denkweise unterscheiden. Dies würde aber bedeuten, dass diese Art von Menschen, die mich besonders interessieren, weil sie vielversprechende Gesprächspartner sein könnten, vielleicht gar nicht - oder nicht ausschließlich - unter den so genannten Hochbegabten zu finden sind. Möglicherweise erklärt das zum Teil auch diverse Differenzen, die ich schon mit anderen Vereins-Mitgliedern ausgefochten habe. Bei einigen hat man ja den Eindruck, sie würden Intelligenz vor allem als Grad der Anpassung an gesellschaftliche Normen betrachten, eine Ansicht, mit der ich überhaupt nicht einverstanden bin - zu einem gewissen Grad mag Intelligenz Voraussetzung sein, um sich an gesellschaftliche Normen anzupassen, aber weder ist sie hinreichend, noch impliziert ein überdurchschnittlicher Intelligenzquotient einen stärkeren Anpassungsgrad als ein durchschnittlicher Intelligenzquotient; im Gegenteil, wer nur einen durchschnittlichen Intelligenzquotienten hat, wird wahrscheinlich von der Mehrheit der Bevölkerung als "normal" wahrgenommen werden (sofern er kein anderes Merkmal aufweist, das als abnorm betrachtet werden könnte), während überdurchschnittlich Intelligente vielerorts als "andersartig" angesehen werden. In bestimmten Kollektiven freilich ist jedoch überdurchschnittliche Intelligenz die Norm; in diesen Fällen mag die überdurchschnittliche Intelligenz Voraussetzung sein, um dort als gleichwertig akzeptiert zu werden. Ein Mechaniker aber, der stolz auf seinen hohen IQ auf Niveau des österreichischen Hochintelligenzvereins ist, weil er glaubt, dass er es diesem IQ zu verdanken hat, dass er so "gut durchs Leben kommt", mag vielleicht insofern Recht haben, als er bei durchschnittlicher Intelligenz und ansonsten gleichen Umweltfaktoren (angeblich erhielt er von seinen Eltern nur mangelhafte Förderung) vielleicht größere Probleme gehabt hätte, eine gute Ausbildung und einen guten Job zu bekommen. Allerdings braucht man wahrlich keinen hohen IQ, um Mechaniker zu werden, wenn man unter einigermaßen guten Umweltbedingungen (die in seinem Fall, zugegebenermaßen, anscheinend nicht vorlagen) aufwächst.

Der IQ ist jedenfalls nicht das allein Entscheidende, wenn es um die grundsätzliche Lebensfähigkeit geht. Wenn zudem der IQ nur ein Maß für die Lebenstüchtigkeit wäre, dann hätte ein Verein wie dieser für mich keinen Reiz, denn zu einem solchen Verein gehe ich wegen der Aussicht auf intellektuellen Austausch und nicht für gegenseitiges Bauchpinseln und Auf-die-Schulter-Klopfen.

Vielleicht ist es aber tatsächlich so, dass es nicht unbedingt Menschen mit einem besonders hohen IQ sind, die für mich die interessantesten Gesprächspartner wären. Das kann ich leider nicht beurteilen. Es könnte jedoch auch sein, dass ein hoher IQ schon notwendig wäre, aber eben nur notwendig und nicht hinreichend. Dass ein hoher IQ ein hinreichendes Kriterium für einen interessanten Gesprächspartner wäre, kann ich aufgrund meiner Erfahrung im Verein, wo ich schon seit 2002 Mitglied bin, und in anderen Hochintelligentenvereinigungen ja bereits ausschließen.

Wer ist "gescheit"?

Soeben habe ich mir ein Video angesehen, das einen Zwölfjährigen zeigt, wie er einen Vortrag über wissenschaftliches Arbeiten hält. Dieser Junge ist angeblich ein Wunderkind, dem schon in seinem zarten Alter so manche geistige Spitzenleistung, vor allem auf dem Gebiet der Astrophysik, gelungen ist.

Das hat mich daran erinnert, dass ich früher auch gerne als Wunderkind gegolten und solche Vorträge vor großem Publikum gehalten hätte. Aber hier in Österreich ist es anders als in Amerika. Hierzulande wird nicht so viel Tamtam um die Hochbegabten gemacht. Als ich zur Schule ging, war es offiziell sogar nicht einmal möglich, Klassen zu überspringen, geschweige denn, noch vor der Matura mit einem Studium an der Universität zu beginnen.

Seit ich regelmäßig die Medien verfolge, sind mir nur zwei österreichische Wunderkinder untergekommen, über die dort immer wieder berichtet wurde: Jonas Kraft und Marian Kogler. Von beiden hört und liest man seit geraumer Zeit nichts mehr. Ich frage mich warum und vermute, dass manch Wunderkind unter seelischem Stress leidet, weil es sich selbst unter enormen Druck setzt und an den eigenen Ansprüchen scheitert.

Man kann das auch am Beispiel eines Bekannten von mir sehen, der - zum Glück, für ihn! - nicht so prominent ist. Im Alter von 12 oder 13 Jahren hat er, der am Gymnasium immer sehr gute Noten geschrieben hat, neben der Schule begonnen, Physik zu studieren. Dazu war eine spezielle Genehmigung seitens einer Behörde (ob Landes- oder Bundesregierung, weiß ich nicht so genau) vonnöten, die ihm wohl unter anderem aufgrund seiner ausgezeichneten schulischen Leistungen erteilt wurde. Doch mein Bekannter scheiterte bereits bei der ersten Prüfung an der Universität grandios. Dabei war diese Prüfung (er hat mir die Prüfungsangabe zukommen lassen) für Uni-Verhältnisse sehr leicht; es wurde wirklich nur Stoff der gymnasialen Oberstufe abgeprüft. Ich weiß nicht, wie mein Bekannter seinen Misserfolg verarbeitet hat. Aber sein Beispiel zeigt, dass Hoch- und Höchstbegabte nicht immer nur Erfolge haben. Gerade wenn man sich für besonders begabt hält und besonders hohe Ansprüche an sich selbst hat, kann ein Scheitern ein äußerst schmerzhaftes Erlebnis sein.

Mir selbst wurde von Erwachsenen immer wieder gesagt, dass ich "besonders gescheit" sei. Manche verglichen mich auch mit Einstein - das typische Hochbegabtenklischee: Viele kennen ja nur Einstein, andere "Genies" sind ihnen nicht namentlich bekannt. Es war wohl in gewisser Hinsicht gut, dass ich als Kind keinen Intelligenztest gemacht habe. So blieb ich bis zur Matura bescheiden und erwartete auch keine bevorzugte Behandlung durch Lehrer oder sonstige Autoritätspersonen. Wie von jedem anderen Schüler wurde von mir erwartet, dass ich meine Hausaufgaben mache und für Prüfungen lerne, und das habe ich getan. So kam es, dass ich anno 2001 mit einem ausgezeichneten Maturazeugnis belohnt wurde. Erst in meiner Studienzeit habe ich dann einen Intelligenztest gemacht, weil ich mein Potenzial abschätzen wollte - ich träumte schließlich von einer Hochschulkarriere. Es war sicher nicht ganz schlecht, dass ich als Erwachsener einen solchen Test gemacht habe. Immerhin hat es gewisse Selbstzweifel ausgeräumt und auf lange Sicht auch bewirkt, dass ich meine charakteristische Schüchternheit abgelegt habe. Bevorzugt wurde ich von meinen Lehrern an der Universität trotz allem nicht. Jeder Studierende musste sich durchkämpfen. Da gab es keine Unterschiede. Inwiefern persönliche, etwa verwandschaftliche, Beziehungen vielleicht einen Vorteil darstellen mochten, kann ich nicht beurteilen. Ich verfügte jedenfalls über kein "Vitamin B". Den Medienberichten zu urteilen mag aber eine Mitgliedschaft in einer katholischen Studentenverbindung durchaus eine Karriere fördernde Wirkung im Hochschulwesen haben - wenn man den Medien nicht Glauben schenken mag (aufgrund diverser Erfahrungen halte ich diese Skepsis für durchaus berechtigt): man sehe sich nur an, welche Professoren alle Mitglieder von katholischen Studentenverbindungen sind. (Viele persönliche Informationen dieser Art kann man heutzutage durch eine einfache Internet-Recherche finden. Manches steht auch in der Wikipedia.) Darüber habe ich in früheren Artikeln in diesem Blog ja bereits geschrieben.

Aber was bringt es denn der Gesellschaft, wenn jemand "besonders gescheit" ist? Dazu muss man sich erst einmal fragen, was es bedeutet, "gescheit" zu sein:

1. Ist derjenige "gescheit", der in einem IQ-Test gut abschneidet? Solche Leute kann man durch einen IQ-Test leicht identifizieren. Das geht rasch und schmerzlos. Aber was bringt's?

2. Oder muss man vielleicht eine außergewöhnliche geistige Leistung erbracht haben, um als "besonders gescheit" zu gelten, wie etwa die Entwicklung einer neuen wissenschaftlichen Theorie? Dann muss man sich aber fragen, welchen Nutzen diese Theorie hat. Viele Theorien sind nicht unmittelbar anwendbar. Bei manchen kommt man erst nach Jahrzehnten bis Jahrhunderten darauf, wie sie sich anwenden ließen.

Hinzu kommt meiner Meinung nach, dass das Beweisen einer mathematischen Vermutung zwar eine anerkennenswerte intellektuelle Leistung ist, doch ein solcher Beweis fast immer völlig nutzlos ist! Denn diese Vermutungen, die oft Jahrhunderte eines Beweises harrten, haben entweder keine (offensichtliche) praktische Anwendbarkeit, oder aber sie wurden bereits in der Praxis angewendet, ohne bewiesen worden zu sein. Der Beweis ist im Prinzip Formsache. Da geht es allenfalls um die endgültige Begründung, warum eine Formel richtig sein muss. Einen realen Unterschied macht es aber nicht, ob eine Formel unbewiesen ist, sich aber im praktischen Leben bewährt hat, oder ob man den Beweis kennt. So ist auch das P-NP-Problem zu betrachten.

Man sieht das ja auch in der Medizin. Da wird im täglichen Leben, im Berufsalltag eines Arztes, ständig mit Annahmen gearbeitet, die nicht endgültig bewiesen worden sind, ja möglicherweise gar nicht bewiesen werden können. Und trotzdem erzielt die Medizin Heilerfolge. Nicht zuletzt sagt man auch: "Wer heilt, hat Recht." In der Praxis genügt es, mit Hypothesen zu arbeiten; wenn sich diese Hypothesen erhärten, ist es gut, wenn nicht, müssen sie verworfen werden.

Es ist unendlich schwieriger, eine All-Aussage zu beweisen, als sie zu widerlegen. Natürlich ist es eine besondere geistige Leistung, wenn es gelingt, eine Vermutung zu beweisen. Aber notwendig ist das nicht.

Doch vielleicht gibt es noch eine weitere Möglichkeit, was man unter "gescheit" verstehen könnte:

3. Derjenige, der gut durchs Leben kommt, ist besonders gescheit.

Diese Definition hat aber nichts mit den beiden anderen Definitionen zu tun. Es mag eine Schnittmenge zwischen den "Gescheiten" nach den ersten zwei Definitionen und den "Gescheiten" nach dieser dritten Definition geben, aber die Mengen sind nicht deckungsgleich.

Letzten Endes sollte man wohl froh sein, wenn Erwachsene einen als "gescheit" bezeichnen, aber dem nicht allzu viel Bedeutung beimessen.