Ein letztes Mal: IQ-Tests

Da ich nun Diplom-Ingenieur und Doktor der Medizin bin, habe ich keinen Bedarf mehr, Intelligenztests zu machen, um mich selbst zu bestätigen. Ich habe zwei anspruchsvolle Studien abgeschlossen, das ist schon Bestätigung genug. Aber nun ein letztes Posting über meine kognitive Begabung.

Ich habe jetzt eine Liste der wichtigsten Tests erstellt, die ich in den vergangenen Jahren gemacht habe. Die meisten sind Online-Tests gewesen. Ich werde noch kurz auf jeden einzelnen Test eingehen. Hier sind jedenfalls meine Resultate:

* 3SmartCubes: 156
* C-09: 142
* CCAT: 142
* CFIT: 142
* ENNDT: 172
* Gigi Pro: 144
* GIQ2: 143
* iq-test.cc: 149
* IQ Test Labs (intelligencetest.com): 154
* IQTestClub.com: 154
* Lux25: 152
* Mathema: 155
* MCST40: 144
* NIT Form I: 153
* Numerus Basic: 152
* SLSE I: 140
* Tensa Admission Test: 152
* World Intelligence Test: 157

Das arithmetische Mittel beträgt (wenn man vom höchsten und vom niedrigsten Wert als "Ausreißern" absieht) ca. 150. Es scheint sehr wahrscheinlich zu sein, dass mein tatsächlicher IQ bei ungefähr 150 liegen dürfte. Was bedeutet das?

Diese ganzen Tests messen in erster Linie Mustererkennung und folgerichtiges Denken. Das sind zwei verschiedene Dinge. Bei der einen Sache geht es darum, Gesetzmäßigkeiten, etwa in Bildern oder in Zahlenreihen, zu erkennen. Das andere hat mehr mit der Präzision des Denkens zu tun. Mein eigener Logiktest, den ich auf meiner Homepage veröffentlicht habe, überprüft nur die zweite Komponente. Aber die meisten Intelligenztests legen auch auf die Mustererkennung wert. Tatsächlich kenne ich einen Informatiker, der sehr gut im folgerichtigen Denken ist, mindestens so gut wie ich, aber beim Erkennen von Mustern nicht ganz so gut ist und deswegen in Intelligenztests insgesamt schlechter abschneidet. Im Studium hat er auf einige Prüfungen, darunter Theoretische Informatik 1, eine um einen Grad bessere Note als ich bekommen (ich habe auf die genannte Prüfung einen Zweier bekommen). Dafür hat er sich halt beim Lösen der Übungsbeispiele für Mathematik und verwandte Fächer etwas schwerer getan.

Mit einem IQ von 150 ist man einerseits recht gut im folgerichtigen Denken, man macht selten Denkfehler, aber andererseits erkennt man auch Zusammenhänge, die für andere nicht erkennbar sind. Dabei ist aber zu sagen, dass im echten Leben nicht jeder vermutete Zusammenhang auch tatsächlich bestehen muss, die Beobachtung kann auch auf Zufall passieren. Für "normale" Menschen mögen manche Zusammenhänge, die der Hochintelligente sieht, auch unsinnig erscheinen und der Hochintelligente als "Spinner" verkannt werden.

Der Test, in dem ich das beste Ergebnis hatte, war der ENNDT von Marco Ripà. Dabei handelte es sich um einen neuartigen, experimentellen Test. Jeder bekam ca. 30 vom Computer generierte Aufgaben. Diese waren nach einem bestimmten Muster zu lösen. Worum es ging, wurde in einem beiliegenden wissenschaftlichen Paper erklärt, das man sich vor der Test-Sitzung durchlesen konnte. Dies habe ich auch getan und den Inhalt verstanden. Viele der Test-Teilnehmer haben das Paper offenbar nicht verstanden; deswegen haben die allermeisten von ihnen nicht einmal ein einziges Beispiel lösen können. Ich konnte innerhalb des Zeitlimits immerhin zehn Aufgaben lösen, und alle meine Lösungen waren richtig. Deswegen schätzte Marco Ripà meinen IQ auf 172, denn viele der Probanden, die versagt hatten, hatten laut anderen Tests einen IQ von wenigstens 145.

Dieser Wert ist aber insgesamt gesehen ein Ausreißer. Von den übrigen Ergebnissen waren neun über 150 und acht zwischen 140 und 150. Den niedrigsten Wert erzielte ich im SLSE I, einem Test, in dem es um (sehr komplizierte) Zahlenreihen ging. Viele meiner Lösungen waren als falsch gewertet worden. Dazu ist zu sagen, dass alle Lösungen durchaus sinnvoll waren, sie stellten eine Möglichkeit dar, wie die Zahlenreihen fortgesetzt werden konnten. Doch offenbar entsprachen sie nicht exakt jenen Fortsetzungen, an die der Autor gedacht hatte. Ohnehin sind Zahlenreihen aber etwas dubios, weil es oft viele mögliche Lösungen gäbe und nur eine oder einige wenige als richtig gewertet werden.

Der CFIT war der einzige Test, den ich bei einem niedergelassenen Psychologen gemacht habe. Das Ergebnis, 142 (Hinweis: alle in diesem Artikel genannten Werte beziehen sich auf dieselbe Skala, mit einem Mittelwert von 100 und einer Standardabweichung von 15), zählt zu den niedrigeren Werten, die ich im Lauf der Jahre erzielt habe, aber es ist eigentlich nicht schlecht. Der CFIT ist ein Speed-Test, bei dem es also vor allem darauf ankommt, wie schnell man in der Lage ist, die Aufgaben zu lösen. Sämtliche Aufgaben sind grafischer Natur.

144 hatte ich im MCST40, einem Multiple-Choice-Test von Paul Laurent Miranda, in dem es um Erkennung grafischer Muster ging, 142 im ähnlich aufgebauten (und von einem Fachmann, dem Psychologen Xavier Jouve, erstellten) C-09. Im ähnlich gestrickten GIQ2 hatte ich fast das gleiche Ergebnis, nämlich 143. Der CCAT stammte auch von Xavier Jouve und bestand aus grafischen und verbalen Aufgaben; in beiden Teiltests erreichte ich einen IQ von 142.

Der Gigi Pro ist ein Test im Internet, der offiziell als Eingangstest von der International High IQ Society genutzt wird und ebenfalls seinen Schwerpunkt in der Mustererkennung hat. Das Ergebnis, 144, im Vergleich mit den anderen Werten nicht herausragend, aber respektabel.

Den Test auf iq-test.cc habe ich erst gestern gemacht. Mit 149 habe ich in diesem Test schon eine recht schöne Zahl erzielt. Die meisten Aufgaben (sie alle befassten sich mit der Erkennung grafischer Muster) fand ich recht einfach, aber bei einer oder zweien fand ich keine zufriedenstellende Lösung und musste raten.

In gleich drei Tests erreichte ich einen IQ von 152, nämlich Lux25, Numerus Basic und Tensa Admission Test. Die meisten dieser Tests enthielten eine Mischung verschiedener Aufgaben, nur Numerus Basic beschränkte sich auf Zahlenreihen. Wenn man sich das bis jetzt Gesagte nochmals durchliest, wird man feststellen, dass ich offenbar vor allem in den Tests mit dem Schwerpunkt Mustererkennung "nur" Werte zwischen 140 und 150 erreicht habe, während ich in den Tests mit einem breiteren Aufgabenspektrum besser abschnitt. Sowohl die Tests von IQ Test Labs als auch IQTestClub.com, in denen ich 154 hatte, enthielten verschiedenartige Aufgaben, ebenso NIT Form I (153), Mathema (155), 3SmartCubes (156) und der World Intelligence Test (157).

Es scheint also, dass meine Fähigkeit, Muster zu erkennen, zwar durchaus gut ausgeprägt ist, ich aber in abwechslungsreicheren Tests, die verschiedenartige Aufgaben enthalten, noch besser abschneide. Das mag damit zusammenhängen, dass manche Menschen in bestimmten Dingen gut und in anderen schlecht sind. In Tests mit gemischten Aufgaben finden sie also sowohl Aufgaben vor, die ihnen liegen, als auch solche, die für sie zu schwierig sind. Ich hingegen tue mir offenbar bei allen Aufgabenarten, die in IQ-Tests vorkommen, relativ leicht; so erklären sich meiner Meinung nach meine noch höheren IQ-Werte bei Tests mit gemischten Aufgaben im Vergleich zu den reinen, grafischen oder numerischen Mustererkennungs-Tests.

Tatsächlich bin ich aber bei einer Sache, die manchmal in IQ-Tests vorkommt, recht schwach, nämlich bei Anagrammen. Anagramme liegen mir nicht sonderlich. Auch bei reinen Merkfähigkeitstests bin ich nicht immer gut.

Und, was bringt's? Im Studium habe ich für meinen IQ nichts geschenkt bekommen; die Prüfungen musste ich genauso machen wie jeder andere. Nur im Informatikstudium werde ich mir bei einigen Dingen wahrscheinlich leichter getan haben als andere Studierende; es könnte aber auch sein, dass für einige Prüfungen im Informatikstudium ein überdurchschnittlicher Intelligenzgrad Voraussetzung war, um überhaupt durchzukommen. Im Medizinstudium kam es jedenfalls eher auf eine gute Merkfähigkeit, Interesse, Ausdauer und Disziplin an; in diesem Studium plagte ich mich sehr und musste hart arbeiten, monatelang Tag und Nacht lernen, um durch einige der Prüfungen durchzukommen. Da hat die kognitive Begabung nur eine untergeordnete Rolle gespielt.

In der Praxis geht man ja davon aus, dass man vor allem für die Forschung sehr viel an kognitiver Begabung benötige. Es sieht derzeit aber nicht so aus, als ob ich Forscher würde, aus Gründen, die ich in anderen Artikeln in diesem Blog erklärt habe - hierzulande hat man es als Nichtmitglied einer katholischen Studentenverbindung sehr schwer, einen guten Posten an einer Hochschule zu bekommen. Nicht auf die kognitive Begabung, sondern auf das Parteibuch kommt es an, und diese "Qualifikation" kann ich leider nicht erfüllen.

Es wird sich also noch zeigen, ob ich "etwas aus meiner Begabung machen" werde, wie man umgangssprachlich sagt. Sicher, irgendetwas werde ich schon machen (und habe ich ja auch schon gemacht, man denke nur an meine Zeitschriften und Computerprogramme), nur wird es wahrscheinlich nicht das sein, woran man so im Allgemeinen denkt, wenn von "hoher Intelligenz" die Rede ist.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Künstliches Erzeugen von Stress

In memoriam Harald Knoll - Zur Diskriminierung von Hochbegabten

Status der Welt