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Vier Stufen intellektueller Tätigkeit

Hier wieder eine laienhafte Theorie von mir: 1. Stufe: Auswendiglernen. Man liest einen Text und merkt ihn sich, so dass man ihn mehr oder weniger Wort für Wort nachplappern kann. 2. Stufe: Verstehen. Man erkennt, was mit dem Text gemeint ist. 3. Stufe: Anwenden. Man kann mit dem Wissen aus dem Text konkrete Probleme (Anwendungsfälle) lösen. 4. Stufe: Erweitern. Man kommt durch selbstständiges Denken zu neuen Konklusionen und erweitert das bestehende Wissen. Die vierte Stufe ist das, was mich selbst am meisten reizt. Ich bin nicht der Meinung, dass jede Stufe unbedingt die davorgehende Stufe voraussetzt. Man kann einen Text auch verstehen, ohne ihn auswendig wiedergeben zu können. Aber: Das Niveau der intellektuellen Tätigkeit steigt von Stufe zu Stufe. Es gibt wahrscheinlich relativ viele, die einen Text auswendig lernen können, aber nur relativ wenige, die ihn verstehen, und noch weniger, die ihn anwenden können. Das Wissen zu erweitern, sind dann nur ganz wenige in der Lage. Mich ha

Computerwelt und Realität - Meine Jugend

Im Fernsehen laufen derzeit Sendungen über die österreichische Geschichte ab dem Jahr 1945. Ich sehe mir diese Sendungen gerne an, weil ich mich dafür interessiere, in was für einem Land ich eigentlich lebe. Die Eindrücke von der Armut, die nach dem Krieg hierzulande herrschte, sind für mich schockierend. Auch, wie viele Regelungen nur provisorisch beschlossen wurden und die Zukunft des Landes immer ungewiss blieb. Besonders beeindruckt hat mich, dass es nach dem Krieg ein Student war, Kurt Schubert, der die Wiener Universität neu organisiert hat und - ohne selbst offiziell beauftragt worden zu sein - einfach zu den ehemaligen Professoren gegangen ist und ihnen Ämter zugeteilt hat - "Du bist Dekan dieser Fakultät", "Du bist Dekan jener Fakultät" und so weiter. Dass in Österreich nach 1945 viele Dinge relativ informell und wahrscheinlich oft auch in einem rechtlichen Graubereich erfolgt sind, hat in meinen Augen auch ein neues Licht auf meine eigene Jugend geworfen.

Epistemischer Intelligenztest

Hier ein Intelligenztest von mir, der grundlegendes Verständnis von Erkenntnistheorie (Epistemologie) überprüft. Die Antworten sind in ganzen Sätzen zu formulieren. 1. Was ist der Unterschied zwischen Analyse und Synthese in der Philosophie? 2. Was ist der Unterschied zwischen einem Urteil a priori und einem Urteil a posteriori? 3. Was ist der Unterschied zwischen Korrelation und Koinzidenz? 4. Was ist der Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität? 5. Was ist der Unterschied zwischen Syntax und Semantik? 6. Was ist der Unterschied zwischen logischer Konsistenz und logischer Kohärenz im strengen Sinn?

Urteilsfähigkeit

Die Urteilsfähigkeit eines Menschen kann in zweierlei Hinsicht getrübt sein: einerseits aufgrund falscher Annahmen, welche die Person für wahr hält, und andererseits aufgrund des Unvermögens, folgerichtig zu denken. Da Intelligenztests - wenn überhaupt! - nur die Fähigkeit zu folgerichtigem Denken überprüfen, kann es also sehr leicht sein, dass jemand in einem solchen Test gut abschneidet, dessen Kopf voll von falschen Annahmen ist.

Rassenwahn

Heute habe ich ein Buch über die sozialistischen Studenten Österreichs in der Zeit der Ersten Republik (nach 1918) gelesen. In diesem Buch wird sehr ausführlich beschrieben, wie nationalistisch viele Professoren seinerzeit eingestellt waren. Nicht nur "einfache" Professoren, sondern auch hochrangige Angehörige der Universitäten, wie Rektoren, vertraten rassistische und antisemitische Ansichten. Es waren nicht einfach ein paar Einzelgänger, die Ideen hatten wie etwa, dass jeder Student einer bestimmten Nation zugeordnet werden und nur die Angehörigen der "deutschen" Nation das Wahlrecht für die Studierendenvertretung haben sollten. Nein, das zog sich bis in höchste Kreise und wurde auch - weit vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland - umgesetzt. Höchst erschreckend auch, dass es damals sehr oft an Universitäten zu Krawallen kam und vor allem deutschnationale und katholische Studierende auf ihre sozialistischen oder jüdischen Kommilitonen einprü

Hochbegabte und Stress

Mein Kollege vertritt die Meinung, dass eine intellektuelle Hochbegabung automatisch mit Stress einhergehe. Fast alle Hochbegabten, die er kenne, seien gestresst; die einzigen Ausnahmen seien eine ältere Frau und ich. Ich meine dazu: Man muss über diese Hypothese diskutieren. Vielleicht hat er Recht, vielleicht auch nicht. Logisch erscheint mir persönlich, dass nicht die Hochbegabung an sich den Stress bedingt, sondern der Ehrgeiz, den viele Hochbegabte an den Tag legen. Dazu muss man auch sagen, dass diese Hochbegabten vor allem deswegen ehrgeizig sind, weil sie so erzogen worden sind, oder auch, weil sie von ihrer Hochbegabung wissen und - aus welchem Grund auch immer - glauben, dass sie verpflichtet seien, etwas aus ihrer Begabung zu machen. Ich glaube also nicht, dass die Hochbegabung den Stress auslöst, sondern eher das Wissen um die Hochbegabung. Es gibt aber auch viele Menschen, die laut Intelligenztest zu den Hochbegabten gehören, aber entweder von ihrer Hochbegabung gar nichts

Studentenleben

Wenn Studierende eigene Weblogs unterhalten, in denen sie ihr Studentendasein ausführlich schildern, dann ist das grundsätzlich eine schöne Sache - solche Blogs könnten auch später als Dokumentation des Studentenlebens zu Beginn des 21. Jahrhunderts nach christlicher Zeitrechnung dienen, und sie könnten in biografischen Werken berücksichtigt werden, sollte sich der damalige Studierende im Verlauf seines weiteren Lebens zu einer bedeutenden Persönlichkeit mausern. Dass solche Weblogs auch missbraucht werden können, um jenen, die sich besonders offen darin präsentieren, zu schaden, ist ebenfalls klar; und mich persönlich stört das nicht, solange es nicht um mich selbst geht. Allgemein lese ich aus solchen Blogs jedenfalls heraus, dass sich die heutigen Studierenden für eine Art Elite halten, auch wenn sie das wahrscheinlich nicht gerne zugäben, wenn man sie danach ausdrücklich fragte. Sie betrachten sich als auserwählt, weil sie in der Schule gut waren, jedenfalls gut genug, um sich für